Exklusiv

Aus für Holding: M.M. Warburg macht Ernst mit neuer Struktur

10. September 2021

Von Christian Kirchner

Die tief in die Cum-Ex-Affäre verstrickte Hamburger Privatbank M.M. Warburg will ihr Holding-Modell auflösen. Laut exklusiven Finanz-Szene-Informationen hat das Alster-Institut vor wenigen Tagen beim Amtsgericht Hamburg einen Antrag eingereicht, die eigentliche Warburg-Bank mit der darüber angeordneten „M.M. Warburg & CO Gruppe GmbH“  zu verschmelzen. Rein technisch soll dabei allerdings nicht die Bank auf die Holding übertragen werden – sondern umgekehrt die Holding auf die Bank. Eine von bisher drei Ebenen entfiele, die übrigen zum Warburg-Reich gehörenden Banken wie Marcard, Stein & Co sowie weitere Töchter wie die Hypothekentochter oder Kapitalanlagegesellschaften würden dann nur noch unmittelbar unter der obersten Ebene der Warburg-Bank aufgehängt. Ein Sprecher von M.M. Warburg wollte sich auf Anfrage zu dem Vorgang nicht äußern.

Formal arbeitet M.M. Warburg seit 2007 in der heutigem Holding-Struktur: Die Bank – Bilanzsumme 7,2 Mrd. Euro – ist eine 100%-ige Tochter der „Warburg Gruppe GmbH“, muss an diese ihre Gewinne abführen und wird von dieser beherrscht. Hinter der Holding wiederum stehen Familienpatron Max Warburg und dessen Kompagnon Christian Olearius. Letzterer hatte lange Jahre die operativen Geschicke der Warburg-Bank bestimmt und die Geschäfte später an seinen Sohn Joachim Olearius übertragen. Max Warburg und der ältere Olearius sind wegen der einstigen Cum-Ex-Aktivitäten des Instituts bei der Bafin in Ungnade gefallen. Ende 2019 legten die beiden ihre Posten als Aufsichtsratschef bzw. stellvertretender Aufsichtsratschef der Warburg-Bank nieder.

Glaubt man dem „Manager Magazin“, dann ist auch die Auflösung der Holding-Struktur im Cum-Ex-Kontext zu sehen. Die Kollegen hatten bereits Mitte August über die Pläne berichtet – und dabei folgendes Szenario skizziert: „Die Warburg-Bank soll mit der Dachgesellschaft verschmolzen werden, zu der auch andere Tochterfirmen gehören. Die Bafin würde damit eine größere Einheit beaufsichtigen; ein Verschieben unliebsamer Geschäfte und das Verstecken von Risiken wären zumindest in diesem Teil des Warburg-Reichs nicht mehr möglich.“ Das „Manager Magazin“ ging sogar soweit, die Maßnahmen als faktisch drohende Enteignung von Christian Olearius und Max Warburg  zu deuten.

Die Annahme, dass die Auflösung der Holding-Strukturen auf Druck der Bafin erfolgt, ist auch aus einem weiteren Grund plausibel: Im Frühjahr hatte die Bafin einer ungenannten deutschen Bank auferlegt, mehr Eigenkapital vorzuhalten – ein Schritt, den die Finanzaufseher Ende Juni öffentlich machten. Die Begründung für die Maßnahme: Es sei „gegen die Anforderungen an eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation […] verstoßen“ worden. Nach Informationen sowohl der „Süddeutschen Zeitung“ als auch von Finanz-Szene.de handelte es sich bei dem anonymisierten Institut um wen? Genau: M.M. Warburg.

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