Bafin stellt kleine hessische Volksbank an den Pranger

15. Februar 2022

Von Christian Kirchner

Ober-Mörlen in der Wetterau ist nicht nur eine 6.000-Einwohner-Gemeinde, die der rennradelnde Frankfurter Banker auf seinen sonntäglichen 120-km-Runden bisweilen durchfährt – sondern: Ober-Mörlen ist auch Heimat einer gleichnamigen Volksbank, die per Ende 2020 auf 13 Mitarbeiter, vier Aufsichtsräte (eine Buchhalterin, eine Pensionär, ein Rentnerin, ein Journalist) sowie auf 155 Mio. Euro Bilanzsumme kam. Aus Gründen, die momentan noch im Dunkeln liegen und dort womöglich auch bleiben werden, hat es sich das Institut nun mit der Bafin verscherzt.

Darauf zumindest deutet eine geharnischte Meldung hin, die die Bonner Aufseher gestern Nachmittag auf ihrer Website veröffentlichten. Headline: “Volksbank Ober-Mörlen eG: BaFin verhängt einen Kapitalzuschlag.” Vorwurf: “Verstoß gegen § 25a Abs. 1 KWG (ordnungsgemäße Geschäftsorganisation).” Botschaft: Sheriff Branson kennt keine Gnade, auch nicht mit den Kleinsten … 

Ein flüchtiger Blick in den 2020er-Geschäftsberichthinterließ bei uns selber gestern Abend den Eindruck, dass es sich bei der Volksbank Ober-Mörlen nicht nur um ein Institut der Kategorie “Klein”, sondern auch um ein Institut der Kategorie “Oho” handelt. So entfallen satte 60% der Bilanzsumme auf Wertpapieranlagen, ein Wert, der zu der freilich zugespitzten Bemerkung verführt, dass sich manche deutsche Primärbank von einem Hedgefonds nur noch graduell unterscheidet (natürlich abgesehen von der Einlagensicherung).

Interessant auch der Hinweis im Risikobericht, wonach sich “im Jahresverlauf” (gemeint ist das Corona-Jahr 2020) eine “erhöhte Unsicherheit bei den Eigenanlagen” materialisiert habe, “deren Auswirkungen sich unmittelbar bei der Auslastung der Limite und Risikotragfähigkeit, insbesondere aufgrund des hohen Wertpapierbestandes, niederschlugen und zu Überschreitungen führte”. Oho. Oha!

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