Privatbanken-Analyse (Teil II)

Berenberg, Hauck, Fugger: Privatbanken setzen Lebenszeichen

7. Oktober 2020

Von Christian Kirchner

„Sind unsere Privatbanken besser, als wir immer schreiben?“, fragten wir vergangene Woche im ersten Teil unserer großen Privatbanken-Analyse – und die Antwortet lautete: Naja, vielleicht so ein gaaaanz klein bisschen. Mehr aber auch nicht. Zu diesem Zeitpunkt allerdings hatten wir uns von den zehn Privatbanken, die wir uns insgesamt anschauen wollten, erst fünf auch tatsächlich angeschaut (Metzler, Merck Finck, Fürst Castell’sche, M.M. Warburg und Donner & Reuschel). Es fehlten noch: Berenberg, Lampe, Hauck & Aufhäuser, Bethmann und Fürst Fugger.

Inzwischen sind wir dazu gekommen, uns auch dieses Quintett endlich vorzuknöpfen. Ergebnis? Nun, dass Lampe ein mehr oder minder hoffnungsloser Fall ist – das wird niemanden mehr überraschen (siehe u.a hier). Schon bei dem anderen langjährigen Lowperformer, nämlich bei Bethmann, zeigen sich aber klare Indizien der operativen Verbesserung. Und was Berenberg, Hauck & Aufhäuser und die Fugger-Bank betrifft: Die haben uns (auf unterschiedliche Art und Weise und selbstverständlich nicht uneingeschränkt) sogar positiv überrascht.

Hier die Analyse die Banken „6“ bis „10“:

6.) Bethmann Bank

Status: Nach fünf mageren Jahren mit Verlusten oder zurechtgezimmerten Mini-Gewinnen (siehe hier) sticht 2019 eigentlich recht positiv heraus mit einem Überschuss von 15 Mio. Euro. Das relativiert sich gleichwohl mit dem Blick aufs laufende Geschäftsjahr. Da soll nämlich unter anderem wegen deutlich geringerer interner Liquiditätsvergütungen durch die Mutter ABN Amro eine rote Null herauskommen.

So sieht’s auf einen Blick aus:

in Mio. € 2018 2019 Veränderung
Zinsüberschuss 59 55 – 7%
Provisionsüberschuss 97 102 + 5%
Kosten 135 133 – 1%
Überschuss 1 15 + 1400%
Assets in Mrd. € 35,3 38,4 + 9%

Das stimmt optimistisch: Die verwalteten Assets steigen, bei den Kosten bessert sich die Lage seit 2016 (damals: 156 Mio. Euro) kontinuierlich auf zuletzt 133 Mio. Euro.

Das stimmt pessimistisch: Die Bethmann Bank lebt außergewöhnlich stark vom Zinsergebnis, das in einem Verhältnis von 1:2 zum Provisionsergebnis steht. Genau hier kommen von diesem Jahr an nun die Einschläge, wenn (siehe oben) die ABN Amro merklich geringere Liquiditätsvergütungen überweist. Bei rund 20 Mio. Euro pro Jahr liegt der erwartete Minderertrag – was 2020 zu einem „leicht negativen Ergebnis aus dem operativen Bankbetrieb von ca. EUR -5 bis 0 Mio.“ führen soll. Autsch. Ausgleichen soll dies das Kreditgeschäft. Damit aber steigen die Risiken – und das bei einer Bank, die mit einer Cost-Income-Ratio von 95% ohnehin nicht so wahnsinnig viel Puffer für negative Überraschungen hat.

Was sagt der Ausblick zu Corona? Schon Prä-Corona ging die Bethmann Bank von einer roten Null aus. Diesen Ausblick hat Vorstandschef Hans Hannegraaf kürzlich in einem Interview mit der „FAZ“ indirekt noch einmal bestätigt, indem er erklärte: „Wenn wir das Corona-Krisen-Jahr oberhalb der Gewinnschwelle abschließen, sind wir zufrieden“. Die einst ambitionierten Ziele für 2021 – darunter 70% (!) Cost-Income-Ratio – sind kommentarlos aus dem 2019er Abschluss geflogen, gelten aber laut Bank langfristig weiter.

Finanz-Szene.de-Bewertung: Es gibt keinen guten Moment dafür, mal eben rund 20 Mio. Euro an Erträgen zu verlieren. Bethmann erwischt dieser Sachverhalt aber zu einer Zeit, in der sich die Bank operativ gerade ein wenig zu berappeln schien.


7.) Bankhaus Lampe

Status: Stellte zuletzt das Aktiengeschäft ein. Und wird voraussichtlich 2021 von, siehe unten, Hauck & Aufhäuser übernommen. Warum – das zeigt ein näherer Blick auf die Zahlen …

So sieht’s auf einen Blick aus:

in Mio. € 2018 2019 Veränderung
Zinsüberschuss 38 37 – 3%
Provisionsüberschuss 78 83 + 6%
Kosten 146 139 – 5%
Überschuss 15 14 – 7%
Assets in Mrd. € 19,1 20,3 + 6%

Das stimmt optimistisch: Die verwalteten Vermögen – der wichtigste „Rohstoff“ einer Privatbank – steigen.

Das stimmt pessimistisch: Der ausgewiesene Überschuss von 14 Mio. Euro relativiert sich dadurch, dass Lampe 29 Mio. Euro „sonstige betrieblichen Erträge“ verbuchte. Diese kamen nicht nur durch die Auflösung von Rückstellungen zustande, sondern auch durch einen „Sale and Leaseback“-Immobiliendeal (siehe hier). Solche Manöver haben bei Lampe seit Jahren Methode, insgesamt summieren sich die „sonstigen betriebliche Ergebnisse“ der vergangenen drei Geschäftsjahre auf 75 Mio. Euro – bei einem kumulierten Überschuss von 44 Mio. Euro im selben Zeitraum. Umgekehrt steigt das Delta zwischen den kumulierten Zins- und Provisionsüberschüssen (also: den wesentlichen Erträgen) einerseits und dem Aufwand andererseits seit 2016 Jahr für Jahr an und erreichte 2019 minus 23 Mio. Euro.

Was sagt der Ausblick zu Corona? „[Das] Bankhaus Lampe geht davon aus, dass in 2020 kein positiver Konzernjahresüberschuss mehr erzielt werden kann“, heißt es in dem am 20. März verfassten Abschluss.

Finanz-Szene.de-Bewertung: Scheint ein klarer Fall zu sein, oder?


8.) Hauck & Aufhäuser

Status: Der Offensivspieler (Lampe-Übernahme) unter den deutschen Privatbanken. In der jüngeren Vergangenheit auch schon mal mit wilden Zahlen – 2019 aber allem Anschein nach solide unterwegs. Zwar sank der Überschuss leicht. Im eigentlichen Kerngeschäft aber ging es vorwärts. So stieg das Ergebnis vor Steuern aus der normalen Geschäftstätigkeit um 68% auf 29 Mio. Euro zu.

So sieht’s auf einen Blick aus:

in Mio. € 2018 2019 Veränderung
Zinsüberschuss 24 27 +13%
Provisionsüberschuss 136 141 + 4%
Kosten 163 155 – 5%
Überschuss 31 28 – 10%
Assets in Mrd. € * 124 133 + 11%

* „Assets under Control“, umfassende Deutung inkl. Asset Servicing

Das stimmt optimistisch: Vereinfacht gesprochen stimmen die Grundpfeiler: Es geht aufwärts bei den Zins- und Provisionsüberschüssen sowie bei den verwalteten Assets. Und es geht abwärts – eher eine Rarität im Privatbankensektor – beim Aufwand, und zwar um 5%, obwohl der Personalstand zum Vorjahr angestiegen ist (697 -> 722). Dafür macht H&A vor allem die gelungene Integration ehemaliger Sal.-Oppenheim-Bereiche verantwortlich. 17,8% Kernkapitalquote sind zudem üppig.

Das stimmt pessimistisch: Ein interessantes Detail liefert die Bank in ihrer Ertragslage. Sie präzisiert nämlich, was sie die Negativzinsen kosten, nämlich jetzt bereits rund 9 Mio. Euro. Gemeint ist die Differenz aus den Erträgen aus Negativzinsen, die Kunden berechnet werden (nämlich: 8,3 Mio. Euro), und dem Aufwand, den die Bank selbst aufbringen muss (nämlich 17,5 Mio. Euro). Das Problem: Angesichts der Zinsentwicklung dürfte diese Entwicklung sich noch mal verschärfen.

Was sagt der Ausblick zu Corona? Ging Hauck & Aufhäuser in der „ursprünglichen Planung von einem über dem Vorjahresniveau liegendes Konzernergebnis“ aus, so wurde im Geschäftsbericht per 31. März die Formulierung hinzugefügt, dass sich die Prognose „in Konsequenz der aktuellen weltweiten Entwicklungen möglicherweise nicht halten“ lasse.

Finanz-Szene.de-Bewertung: Mit 84% Cost-Income-Ratio und knapp 11% Eigenkapitalrendite stand Hauck & Aufhäuser am Vorabend der Corona-Krise vergleichsweise kraftvoll da.


 9.) Fürst Fugger Privatbank

Status: Für die Fürst Fugger Privatbank gilt, was so ähnlich im ersten Teil unserer Serie auch für die Fürst Castell’sche Bank galt: Die Profitabilität einer Privatbank ist entgegen des bekannten Industrie-Mantras nicht zwingend eine Funktion ihrer Größe. So schafft es die Fugger-Bank mit verwalteten Assets im niedrigeren einstelligen Milliarden-Bereich sogar, seit Jahren moderat steigende Gewinne zu erzielen. 2016 waren es 6,1 Mio. Euro aus der normalen Geschäftstätigkeit und 3,5 Mio. Euro Jahresüberschuss.

So sieht’s auf einen Blick aus:

in Mio. € 2018 2019 Veränderung
Zinsüberschuss 5,5 5,7 + 4%
Provisionsüberschuss 24,2 26,8 + 11%
Kosten 22,5 22,1 – 2%
Überschuss 4,6 4,6 0
Assets in Mrd. € 5,7 6 + 5%

Das stimmt optimistisch:  Die Bank steigert nicht nur ihre Gewinne Jahr für Jahr, sondern baut auch ihren Panzer für schlechte Zeiten aus, die Gesamtkapitalquote erreichte zuletzt 21,3%. Zudem wurden die eigenen Planwerte 2019 um fast 50 % übertroffen. Die Abhängigkeit vom Zinsgeschäft ist eher gering.

Das stimmt pessimistisch: Bislang liegt lediglich ein verkürzter Jahresbericht auf der Internetseite der Bank vor (siehe hier). Die offizielle Veröffentlichung im Bundesanzeiger (die möglicherweise das ein oder andere entzaubernde Detail enthält) steht noch aus.

Was sagt der Ausblick zu Corona? „Ob wir unsere ehrgeizigen Planziele für das Jahr 2020 erreichen werden, hängt nicht zuletzt davon ab, wie sich die weltweite Corona-Pandemie im Jahresverlauf weiter entwickeln wird (…). Schon jetzt können wir aber klar sagen, dass selbst in einem Worst Case-Szenario unsere hohe harte Kernkapitalquote langfristig gesichert ist und wir davon ausgehen, dass wir gestärkt aus dieser Krise hervorgehen werden.“ Eine offizielle Prognose, wie sie der testierte Geschäftsbericht vorschreibt, ist eine solche eher allgemeine Aussage indes nicht.

Finanz-Szene.de-Bewertung: Solange eine Fugger-Bank profitabel arbeitet seine Kapitalausstattung stärkt, wirft das ein schlechtes Licht auf die Klagen der deutlich größeren Wettbewerber, die ihre schwachen Ergebnisse vornehmlich mit Regulierung, Wettbewerbsdruck und Margenverfall (statt mit eigenen Fehlern) erklären.


10.) Berenberg

Status: Mit 64 Mio. Euro hat Berenberg 2019 mehr verdient als die anderen neun Privatbanken in dieser kleinen Serie zusammen (kumuliert 46 Mio. Euro). Die Strategie der Hanseaten, gerade im Kapitalmarktgeschäft (und hier auch in den USA) Gas zu geben, hat sich fürs Erste ausgezahlt. Die von Finanz-Szene.de aufgeworfene Frage aus dem letzten Jahr („Kosten plus 58% seit 2013 – wie will Berenberg das finanzieren?“) lässt sich simpel beantworten: mit den zyklischen, aber 2019 deutlich gestiegenen Provisionsüberschüssen.

So sieht’s auf einen Blick aus:

in Mio. € 2018 2019 Veränderung
Zinsüberschuss 53 64 + 21%
Provisionsüberschuss 279 398 + 43%
Kosten 372 384 + 3%
Überschuss 59 64 + 8%
Assets in Mrd. € 36,7 40,7 + 11%

Das stimmt optimistisch:  Die These der Bank, dass der Kostenanstieg der letztem Jahre auf Restrukturierungen zurückzuführen sei, hat sich mit Blick auf 2019 bestätigt: Der Verwaltungsaufwand im engeren Sinne ohne Abschreibungen sank um 7%. Unterm Strich galt: Im Asset Management wie im Kapitalmarktgeschäft übertraf Berenberg die Prognosen deutlich. Wie lautet die alte hanseatische Kaufmannsregel doch gleich? No risk, no fun.

Das stimmt pessimistisch: Dass ein hohes Engagement wie das von Berenberg im Kapitalmarktgeschäft stets Risiken birgt: Die teuren Teams müssen bezahlt werden, aber ob sie auch Geschäft machen, hängt oft von der Marktverfassung ab. Zwar scheint das Kalkül in diesem Jahr erneut aufzugehen. So berichtete Berenberg-Chef Hendrik Riehmer zuletzt in einem „Handelsblatt“-Interview, bei den Erträgen gebe es Corona-bedingte Ausschläge von 35% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (35% nach oben, versteht sich). Ob die Bank ihre ambitionierten Ziele im Asset Management (15 bis 20 Mrd. Euro Assets) und Wealth Management (20 Mrd. Euro Assets) auf Sicht der nächste drei bis fünf Jahre allerdings erreicht, ist naturgemäß offen. Und wenn nicht? Mmmmhhh.

Was sagt der Ausblick zu Corona? Das erste Halbjahr sei „sehr gut gelaufen“, sagte Riehmer in besagtem HB-„Interview“, es müsste „noch eine Menge schiefgehen, damit wir 2020 nicht besser abschneiden als 2019“.

Finanz-Szene.de-Bewertung: Kurzfristig hat Berenberg das Momentum auf seiner Seite und liefert beeindruckende Zahlen.


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