Exklusiv

Bethmann überrascht sich selbst – und verteidigt Mini-Gewinn

23. August 2021

Von Christian Kirchner

Dass die Bethmann Bank nicht so gut dasteht, wie sie es der Öffentlichkeit jahrelang vorgaukelte – das wissen Sie ja längst, liebe Leserinnen und Leser (siehe -> Die Wahrheit über die Bethmann Bank). Inzwischen haben sich die Dinge allerdings in gewisser Weise verkehrt. Denn: Wirklich gut geht es der drittgrößten deutschen Privatbank zwar operativ immer noch nicht. Aber immerhin geht es ihr jetzt besser, als sie das zuletzt selbst befürchtet hatte. Statt der befürchteten “roten Null” haben die Frankfurter im abgelaufenen Geschäftsjahr nämlich einen kleinen Gewinn erwirtschaftet, zeigt der Geschäftsbericht, den Finanz-Szene exklusiv ausgewertet hat.

Die vier wichtigsten Erkenntnisse in der Kurzanalyse:

  1. Bethmann gewinnt zu wenige neue Kunden bzw. zu wenige neue Mittel. Im Gegenteil: Netto flossen sogar 0,3 Mrd. Euro ab. Zielmarke wie schon im Vorjahr “stark verfehlt”, notiert der Jahresabschluss. Gleichwohl: 2021 lief deutlich besser, wie und CEO Hans Hanegraaf im Podcast vor vier Wochen verriet.
  2. Bei weitgehend unveränderten Kosten (2020: +0,5%) sanken sowohl der Zinsüberschuss (-12%) als auch – und das ist angesichts der Kapitalmarktentwicklung erstaunlich – auch der Provisionsüberschuss (-3%) …
  3.  … Dass es unter dem Strich dennoch für 10 Mio. Euro Überschuss reichte (Vorjahr: 15 Mio. Euro) statt zur prognostizierten “roten Null”, liegt daran, dass der Vorstand speziell im Zinsgeschäft einen noch schlimmeren Rückgang befürchtet hatte. Hintergrund: Bethmann erhält seit Jahren schon von der niederländischen Mutter ABN Amro konzerninterne Zinsen für bereitgestellte Liquidität.„Funds Transfer Pricing“ (FTP) nennt sich dieser interne Verrechnungspreis. Innerhalb von Großbanken ist dieser Mechanismus durchaus üblich, wenngleich inzwischen kaum noch jemand dafür bezahlt – es kursiert zu viel nicht zu wenig Liquidität. Darum stellte sich Bethmann für 2020 mit einem Einbruch der “FTP”-Erträge von vormals gut 36 Mio. auf nur noch gut 16 Mio. Euro ein. Ganz so schlimm scheint es nun aber doch nicht gekommen zu sein. Zitat aus dem Geschäftsbericht: “Entgegen den ursprünglichen Prognosen hat sich dieser konzerninterne Preis für die Liquidität im Vergleich zum Plan im Durchschnitt im Jahr 2020 um ca. 28 Basispunkte besser entwickelt.”
  4. So wacker sich Bethmann über der Null-Linie hält – von den einstmals ausgerufenen Zielen (die Eigenkapitalrendite sollte bis 2021 eigentlich bei 10-15% stehen, die Cost-Income Ratio bei 70%) hat sich die Bank offenbar verabschiedet. Im Geschäftsbericht jedenfalls steht davon nichts mehr. Was angesichts eine Aufwands-Ertrags-Relation von fast 100% im abgelaufenen Geschäftsjahr vielleicht auch besser ist …

Und 2021? Mittelzuflüsse in Höhe von 1 Mrd. Euro strebt das Institut an. Und “ein operatives Ergebnis auf ‘Break-Even’-Level” (was auch mit der Einführung eines neuen Kernbankensystems begründet wird, wobei es sich hierbei wohl eher um eine – deutlich kostengünstigere – Überführung des bestehenden Kernbankensystems in die Cloud handeln dürfte, siehe diese News hier neulich). Mal sehen, ob sich die Bethmann Bank ein weiteres mal selbst überrascht.

Bethmann-Chef Hanegraaf über Private Banking im digitalen Zeitalter

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