Leser-Blog

„Frauenfeindlich“: Reaktionen auf unsere Diversity-Recherche

12. Oktober 2020

Von Heinz-Roger Dohms und Christian Kirchner

Über einen Mangel an Leserzuschriften kann sich die Finanz-Szene.de-Redaktion auch bei anderen Themen nicht beklagen. Allerdings: Was nach den Artikeln über die VR Bank Rhein-Neckar (Frauen? Diversity? Pffff.) und den Geno-Sektor insgesamt (Volksbanken: Auf >800 Institute kommen nur 88 Vorstandsfrauen) über uns eingebrochen ist, das hatte dann doch noch mal eine  andere Dimension.

Leserinnen schrieben uns, wie sie bei ihrer jeweils eigenen Genobank ganz konkrete Benachteiligung erfahren hätten; Leserinnen wie Leser berichteten uns von sonstigen Banken, Sparkassen und in einem Fall auch der Berliner Fintechs-Szene, wo es nicht anders aussehe; und manchen Leserinnen wollten sich auch einfach nur bedanken.

Eine Auswahl der Reaktionen:

 

„Auf Nachfrage bin ich von der nächst höheren Führungskraft abgespeist worden“

„Bei meiner Bank ist es wie bei der beschriebenen VR-Bank Rhein-Neckar. Auch hier wird im Geschäftsbericht für 2018 die besagte Formulierung verwendet in Bezug auf die Zielgröße für Frauen in Führungspositionen. Auf Nachfrage hin bei meiner nächst höheren Führungskraft wurde ich mit einer ausweichenden Ausrede abgespeist. Es heißt, man müsse diese Formulierung wählen, da ansonsten der Zwang bestehe, tatsächlich Frauen in der ersten Führungsebene zu platzieren. […] Es fehlt an wesentlichen Ideen und Willen die Frauenquote in den höhren Führungsebenen und dem Vorstand tatsächlich zu erhöhen.“

Kundenberaterin bei einer VR-Bank


„Bei uns ist es ähnlich wie bei der VR Bank Rhein-Neckar“

„Ich arbeite selbst seit vielen Jahren in einer Genossenschaftsbank. Hinter der genossenschaftlichen Grundidee und deren Wertesystem stehe ich zu 100 Prozent. Allerdings gibt es einige Themen – und dazu gehört insbesondere „Diversity sowie Frauen in Führungspositionen“ – die dringend ein Update nötig haben. Auch in meiner Bank ist die Situation ähnlich, wie die von Ihnen im Bericht geschilderte.“

Vorstands-Assistentin bei einer VR-Bank


„Ausgerechnet in der Rhein-Neckar-Region gibt es hervorragende Kandidatinnen“

„Wir müssen nicht diskutieren, ob die angesprochene Rhein-Neckar-Region qualifizierte weibliche Kandidatinnen hervorbringt. Es ist vielmehr eine der wohl stärksten Regionen für qualifizierte, erfahrene und verfügbare weibliche Banken-Führungskräfte.“

Berliner Fintech-Managerin


„Ich habe Euch sehr dafür gefeiert“

„Danke, dass ihr Eure Zeit in das Thema ‚Diversity in Volksbanken‘ investiert habt. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass ihr von Banking-Content auf Bank-Führung schwenkt – und ich habe Euch sehr dafür gefeiert!  Den Spiegel vorhalten … die klassischen Phrasen hinterfragen … das schafft ‚Awareness‘ und trägt zu einer Veränderung unserer (Arbeits-)Gesellschaft bei.“

Senior-Managerin bei einer Top4-WP-Gesellschaft


„Der Artikel spiegel die Realität. Auch bei den Sparkassen“

„Der Artikel spiegelt die von mir seit vielen Jahren wahrgenommene Realität wider. Nicht nur in den Genos, sondern auch bei den Sparkassen.“

Sparkassen-Chefin im Ruhestand


„Als Frau in einer VR-Bank ist Aufstieg nahezu unmöglich“

„Ich bin seit rund 20 Jahren Mitarbeiterin einer VR Bank und kann Ihnen nur beipflichten. Es ist als Frau nahezu unmöglich, für  eine Führungsposition ausgewählt zu werden. Obwohl meine Qualifikationen denen der Herren Kollegen entsprechen … (Fachwirt, Betriebswirt, Coaching-Ausbildung etc.). Ich hätte mich gerne über den Betriebswirt noch weiter fortgebildet (z.B. dipl. Betriebswirt).  Da ich bis dahin schon jede Weiterbildung aus eigener Tasche bezahlen durfte, habe ich den Sinn irgendwann nicht mehr gesehen. […] Alle männlichen Kollegen, die das Studium mit mir gemeinsam absolviert haben, befinden sich heute mindestens in einer F2-Position. Meine beiden Kolleginnen und ich dagegen Frauen nicht. Zufall? […] Damit es richtig verstanden wird: Ich spreche nicht für mich. Es geht mir nicht um mich, ich bin fein mit mir. Mein Beispiel steht stellvertretend für dutzende sehr gut ausgebildete Frauen alleine in unserem Hause, denen es ähnlich geht. Hier ist viel ungenutztes Potential vorhanden. Ich frage mich daher oft: Wovor haben die Männer Angst?“

Mitarbeiterin in einer VR-Bank


„Die Geno-Gruppe ist grundsätzlich sehr frauenfeindlich“

„Sehr richtig erkannt. Mit der Chancengleichheit in der genossenschaftlichen Gruppe ist es auch im Jahr 2020 nicht zum Besten bestellt. Gerade in den Spitzengremien wurden auch in der Mandatsperiode 2020-2022 ausschließlich „alte, weiße Männer“ gewählt. Frauen: Fehlanzeige. Lediglich an der Spitze des Bundesverbandes steht eine Frau. Die Geno-Gruppe ist aus meiner Sicht grundsätzlich sehr frauenfeindlich. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.“

Abteilungsleiter bei einer PSD-Bank


„‚Liebe VR Bank Rhein-Neckar‘ … was just great“

„Today’s –> „Liebe VR Bank Rhein-Neckar“ …  was just great!! … Just wanted to let you know.
best Regards from one of your happy readers. (P.S.: forgive the English! I speak and read German fluently but do not write all that well.“)

Mitgründerin einer Frankfurter Consulting-Firma


„GROSSARTIG“

„Ich möchte mich ganz, ganz herzlich bei Ihnen bedanken: Ich glaube, dass Sie mit ihrem Artikel über die Volksbank Rhein-Neckar mehr für das Thema Gender Diversity erreicht haben, als jahrelangen Debatten seitens Frauenvereine, Ministerien, und Ähnliches. GROSSARTIG!“

Frankfurter Headhunterin


„Anruf während des Mutterschutzes“

„Zum Thema Sexismus bei den Genos: Gute Story, lange überfällig. Ist bei Frankfurter Banken und auch bei den Fintechs auch nicht anders oder sogar noch offensichtlicher, weil der Anspruch bei einer Frankfurter Großbank oder in einem Berliner Finanz-Startup ein anderer sein sollte. In dem Fintech, in dem ich arbeite, gibt es in der gesamten ersten Führungsebene keine Frau, darunter sieht es kaum besser aus. Ich habe sogar schon erlebt, dass eine Kollegin während des Mutterschutz einen Anruf bekam, dass sie ihre Führungsposition verliert. Arbeitsrechtlich? Wie immer: Wo kein Kläger, da kein Richter. Was mich besonders ärgert: Die Personalabteilung redet sich selbst und der Firma ein, dass es kein Problem und keine strukturelle Ungleichbehandlung gebe.“

Mitarbeiter eines namhaften Berliner Fintechs


„Die Kultur ist so, dass es überhaupt niemanden stört“

„Ich bin froh, in einer der wenigen Volksbanken zu arbeiten, die von einer Frau geführt werden. Allerdings weiß ich aus persönlicher Anschauung auch, wie es andernorts aussieht: Die Kultur vieler Banken ist dermaßen ‚von gestern‘, dass die Situation, wie Sie sie am Beispiel der VR-Bank Rhein-Neckar beschrieben haben, dort überhaupt niemanden stört.“

Weibliche Führungskraft bei einer großen Volksbank


„Euer Gender-Mainstream-Müll nervt mich“

„Wenn es nichts Spannendes zu vermelden gibt, dann macht es aus meiner Sicht nichts, wenn einfach mal eine Seite leer bleibt. Als wirklich nervig empfinde ich, wenn stattdessen mit Gender-Mainstream-Müll aufgefüllt wird. Auch in der Finanz-Szene Redaktion gibt es nur männliche Redakteure … Laaaangweilig … Gute Besserung!“

CEO eines Supply-Chain-Finance-Fintechs


„Sensationeller Bericht“

„Sensationeller Bericht über die nicht vorhandenen Frauen im gehobenen Management der Volks und Raiffeisenbanken! Toll, dass Sie da mal genauer hingeschaut haben.

Direktorin bei einer Privatbank


„Keine Gleichstellungs-Ziele? Dann bitte auch keine Vertriebsziele“

„Ich bin langjährig Gleichstellungsbeauftragte und habe diese Diskussion in ‚meiner‘ Sparkasse vor vielen Jahren auch geführt. Und habe dann die Vorstände bestätigt: Ich bin auch gegen Ziele – denn jeder tut ja, was er kann. Wenn wir also auch keine vertrieblichen Ziele mehr für die Kolleginnen und Kollegen setzen, bin ich gerne bereit, auf Gleichstellungsziele ebenfalls zu verzichten. Dazu war ‚Mann‘ dann doch nicht bereit“

Mitarbeiterin Sparkasse


„Ausgezeichnete Recherche. Viele Dank“

„Vielen Dank für den ausgezeichneten Artikel ‚Frauen? Diversity? Pffff. Der blinde Fleck unserer Volksbanken‘ – eine ausgezeichnete Recherche und dazu noch wunderbar geschrieben. Vielen Dank“

Finanzplatz-Lobbyistin


„Traurige Situation“

„Interessante Diversity-Recherche! Solche Artikel braucht es viel mehr. Wirklich traurig die Situation“

Senior Manager bei einer großen Consulting-Firma


„Vielleicht sollte man bei solchen Banken einfach seine Konten schließen“

„Wäre ich Kundin der VR-Bank Rhein-Neckar, würde ich spätestens jetzt alle Konten schließen. Vielleicht muss man einfach anfangen, als Kunde durchzugreifen und sich die Banken, Versicherungen oder grds. alle Firmen, bei denen man auf irgendeine Art und Weise „einkauft“, genau anzuschauen und in solchen Fällen nicht weiter zu unterstützen. Anders lernen es die werten Herren ja anscheinend nicht.“

Corporate-Responsibility-Managerin bei einer Top4-WP-Gesellschaft


„Meine Herren Vorstände, mir fehlen die Worte“

„Die VR Bank Rhein-Neckar beschäftigt 59% Frauen und keine davon ist im Vorstand! Die 0% Quote ist das erklärte Ziel. Meine Herrn Vorstände, mir fehlen die Worte.“

Gründerin einer Personalberatung


„Wo bleiben die 26% Migranten? Davon sehe ich keinen.“

„50 % der Population sind weiblich …. das sollte normal sein eine Frau als Vorstand zu sehen. Was mir in dem Kontext auffällt ….. wo bleiben die 26 % Migranten …… ich sehe keine(n) darunter. Weder männlich noch weiblich“

Manager bei einer Landesbank

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