Vergütungs-Serie (#9)

HVB zahlt Frauen im Top-Management 25% weniger als Männern

Wenn Marion Höllinger im März an die Spitze der Hypo-Vereinsbank rückt – dann wird diese Personalie über das Münchner Institut hinausweisen. Schließlich ist es das erste Mal überhaupt, dass eine deutsche Großbank von einer Frau geführt wird.

Zugleich ist allerdings ausgerechnet das Spitzengremium der HVB bislang eine ziemliche Männerdomäne. Auf acht Mitglieder kommt das Gremium, darunter allerdings nur eine Frau (nämlich die derzeitige Privatkundenchefin Höllinger). Die Hypo-Vereinsbank war schon mal weiter diesbezüglich. Doch dann verließen 2020 sowohl IT-Chefin Sandra Betocchi als auch Risikochefin Ljiljana Cortan die Unicredit-Tochter.

Auch in anderer Hinsicht, so zeigen Recherchen für unsere Vergütungs-Serie, ist bei der HVB noch Luft nach oben. So erhielten weibliche „Senior Executives“ (das sind die Führungskräfte unterhalb des Vorstands) bei dem Münchner Geld im vergangenen Jahr nur 74,9% der Gesamtvergütung ihrer männlichen Kollegen, wie aus den „Integrated Reports“ des italienischen Mutterkonzerns hervorgeht. Zur Einordnung:

  1. Damit ist der „Gender Pay Gap“ bei der Hypo-Vereinsbank 2021 nicht etwa kleiner, sondern sogar größer geworden (ein Jahr zuvor waren es 76,2% gewesen).
  2. Innerhalb des geografisch weitverzweigten Unicredit-Konzerns ist die Gehaltslücke zwischen weiblichen und männlichen Führungskräften nur in einem Land größer, nämlich in Kroatien.

Auch auf der Ebene des „Middle Managements“ und darunter gab es zuletzt nur minimale Fortschritte. Hier verbesserte sich die durchschnittliche Vergütung weiblicher Mitarbeiterinnen um 0,3 Punkte auf 82,1% (Middle Management) bzw. 0,7 Punkte auf 85,3% (übriges Personal).

Eine HVB-Sprecherin erklärte dazu, dass die Vergütungsstrukturen bei der italienischen Mutter Unicredit nach anderen Kriterien berechnet würden als bei der HVB selbst. Zudem sei der allergrößte Teil des Pay Gaps schlicht eine Funktion unterschiedlicher Demografien, also dass Frauen und Männer unterschiedlich auf Ebenen und Funktionen verteilt seien. „Das gesamte Gap liegt bei 24,4%, darauf entfallen 21,5 Prozentpunkte auf das „Demographic Pay Gap“ und nur 2,8 Prozent auf das „Same Role Gap“, also einen Verdienstunterschied, der auf die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern bei vergleichbarer Tätigkeit und Funktion zurückzuführen ist“. Dieses „Same Role Pay Gap“ sei bereits kontinuierlich reduziert worden und soll mit weiteren Investments von 10 Mio. Euro bis 2024 weiter reduziert werden.

Hier die Übersicht des Gender Pay Gaps in der Lesart der Unicredit:

Staff Middle Management Senior Executive
2020 2021 2020 2021 2020 2021
Deutschland 85,3% 86,0% 81,8% 82,1% 76,2% 74,9%
Durchschnitt 81,8% 82,6% 90,7% 92,6% 97,8% 85,3%
Italien 89,8% 90,7% 86,0% 87,5% 90,5% 90,5%
Österreich 79,1% 80,4% 88,6% 89,6% 84,7% 91,2%
Bosnien-Herzegowina 86,1% 87,6% 94,8% 98,6% 134,0% 87,8%
Bulgarien 75,3% 74,7% 89,1% 88,6% k.A. k.A
Kroatien 93,0% 91,6% 97,0% 101,7% k.A. 67,0%
Tschechien 72,3% 79,2% 83,0% 83,6% 107,8% k.A.
Ungarn 80,6% 80,3% 96,7% 93,4% 95,5% 82,3%
Rumänien 80,0% 81,2% 96,3% 100,7% 95,9% 103,6%
Russland 73,1% 73,9% 90,5% 95,7% k.A. k.A.
Serbien 74,2% 73,4% 78,8% 94,6% k.A. k.A.
Slowenien 93,4% 91,7% 105,8% 94,9% k.A. k.A.

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