Metzler kommt operativ trotz Boom-Jahr kaum voran

24. Mai 2022

Von Christian Kirchner

Das Bankhaus Metzler hat sein Provisionsergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr trotz boomender Wertpapiermärkte lediglich um 3% auf 193,0 Mio. Euro steigern können. Da die Frankfurter Privatbank im Zinsgeschäft traditionell kaum etwas verdient (2021 waren es 7,6 Mio. Euro), lag das kombinierte Zins- und Provisionsergebnis letztlich um 19,0 Mio. Euro über den leicht gestiegenen Verwaltungsaufwendungen (181,6 Mio. Euro). Ein Delta in ungefähr gleicher Größenordnung hatte Metzler auch schon in den vergangenen Jahren ausgewiesen. Gleichwohl: Es gab auch mal Zeiten, da fielen die operativen Ergebnisse (definiert als Zinsergebnis + Provisionsergebnis – Verwaltungskosten) bei Metzler deutlich höher aus. 2015 beispielsweise waren es 43 Mio. Euro gewesen, 2016 immerhin noch 27 Mio. Euro (siehe die Tabelle in unserer großen Metzler-Analyse in 2019).

Vermutlich arbeitet Metzler weiterhin profitabel (darauf deutet z.B. hin, dass nach im Vorjahr lediglich 0,8 Mio. Euro diesmal immerhin wieder 2,7 Mio. Euro Steuern abgeführt wurden) – allzu imposant kann das 2021er-Ergebnis allerdings nicht gewesen sein. Denn: Von besagten 19,0 Mio. Euro gingen Abschreibungen von (minus) 7,0 Mio. Euro sowie das sonstige betriebliche Ergebnis von (minus) 3,2 Mio. Euro ab. Darüber hinaus wies das Traditionshaus auch noch ein Bewertungsergebnis inklusive Risikovorsorge von (minus) 14,6 Mio. Euro aus.

Leider ließ Metzler die Öffentlichkeit im Unklaren, wie viel hiervon “echter” Risikoaufwand war und wie viel auf Vorsorgereserven (nach §340g bzw. §340f) entfiel. Eine finale Einordnung der Zahlen ist daher kaum möglich. Fest steht immerhin so viel: Letztlich brauchte es das Ergebnis aus Finanzanlagen (plus 9,2 Mio. Euro nach 0,0 Mio. Euro im vergangenen Jahr), um der Öffentlichkeit die üblichen schwarzen Zahlen präsentieren zu können. So wurde das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit mit 4,9 Mio. Euro angegeben, der Bilanzgewinn wie auch schon in den letzten Jahren mit 2,3 Mio. Euro.

Wie sich die Zinswende auf das Geschäftsmodell von Metzler auswirkt, wird spannend zu sehen sein. Denn: Auch 2021 verdiente das Bankhaus wieder sehr schön an den Negativzinsen, die der Kundschaft abverlangt werden (weshalb kurioserweise der Zinsaufwand plus 9,9 Mio. Euro zum Ergebnis beisteuerte). Metzler betont, insgesamt sei das Jahr besser gelaufen, als man erwartet habe und gab sich auch grundsätzlich optimistisch für das laufende Jahr.

Die wesentlichen Kennziffern in der Übersicht

in Mio. Euro 2020 2021 Delta
Zinserträge 1,8 -2,3 -228%
Zinsaufwendungen 5,2 9,9 90%
Zinsüberschuss 7,0 7,6 9%
Lfd. Erträge aus Aktien/Finanzanlagen 0,5 0,9 80%
Provisionserträge 245,5 258,1 5%
Provisionsaufwendungen -58,8 -65,1 11%
Provisionsüberschuss 186,7 193 3%
Nettoertrag des Handelsbestands 0,9 0,5 -44%
Personalaufwand -119,4 -122,8 3%
andere Verwaltungsaufwendungen -58,5 -58,7 0%
Kosten gesamt -177,9 -181,6 2%
Abschreibungen -7,1 -7 -1%
Sonstiges betriebliches Ergebnis -10,1 -3,2 -68%
Risikovorsorge + Bewertungsergebnis 3,1 -14,6 n.a.
Ergebnis aus Finanzanlagen 0,0 9,2
Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit 3,1 4,9 58%
Steuern -0,8 -2,7 238%
Jahresüberschuss 2,3 2,3 0%
Bilanzgewinn 2,3 2,3 0%

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