“Nie dagewesene Dynamik”: Warum die Aareal so bullish ist

24. Februar 2022

Von Christian Kirchner

Die Aareal hielt am Donnerstag an einem vom Krieg in der Ukraine überschattete Bilanzpressekonferenz ab – und präsentierte überzeugende Zahlen und einen oprimistischen Ausblick. Vermutlich auch deshalb konnte sie sich mit einem knapp behaupteten (-0,5%) Aktienkurs in einem ansonsten vor allem für Banken am Aktienmarkt katastrophalen Umfeld (siehe hier) sehr gut halten.

Die wesentlichen Ergebnisse der Bilanzpressekonferenz in einem kleinen Q&A:

Wie steht die Aareal Bank da – und was sind die Ziele?

Die Aareal Bank hat im abgelaufenen Geschäftsjahr ihre wesentlichen Finanzziele erfüllt – und äußert sich für die kommenden Jahre optimistischer als bislang. Nach einem Verlust im Corona-Jahr 2020 erwirtschaftete der Wiesbadener Immobilienfinanzierer 2021 ein Konzernbetriebsergebnis in Höhe von 155 Mio. Euro. Für das laufende Jahr kündigte die Bank einen Sprung auf 210 bis 250 Mio. Euro an, 2023 sollen es dann 300 Mio. Euro sein, 2024 schließlich – und diese Prognose ist neu – 350 Mio. Euro. Mithin: Binnen drei Jahre will die Aareal also wieder auf jenes Niveau zurück, auf dem sie bis Mitte der 2010er Jahre agierte, ehe ihre Gewinne und Geschäftsmodell zu erodieren begannen (siehe unsere große Analyse hier aus 2020).


Wie sollen diese Ziele erreicht werden?

Erreicht werden sollen diese Ziele vor allem über ein Wachstum des Gewerbeimmobilien-Kreditportfolios von aktuell 30 Mrd. Euro um zunächst 1 Mrd. Euro pro Jahr sowie. Zudem sollen die Ergebnisbeiträge der IT-Tochter Aareon weiter steigen, nachdem deren Vorsteuergewinn 2021 um 8% zugelegt hat. Auffällig ist das gestern dargebotene Wording: In der Medienmitteilung zur Bilanz-PK taucht der Begriff “Wachstum” insgesamt 19-mal – dagegen “Kosten” nur an drei Stellen. Ganz offenbar plant die Aareal also, in ihr Langfristziel von 8% Eigenkapitalrendite hineinzuwachsen – und sich nicht hineinzusparen.


Warum ist die Aareal Bank so erstaunlich bullish?

Deutlich Rückenwind dürfte die Aareal dabei auf der Zinsseite bekommen. Finanzvorstand Marc Heß sprach im Zuge der Bilanzpresse-PK von einem “noch nie dagewesene Dynamik” beim Zinsüberschuss – und zwar mit beidseitigem Effekt: Denn während die Zinserträge (wieder) steigen, sinken (weiterhin) die Refinanzierungskosten. Insgesamt kletterte der Zinsüberschuss sowohl im Q4 als auch im Gesamtjahr um 17% zur jeweiligen Vorjahresperiode. Für das laufende Jahr kündigte Heß trotz des Wegfalls der TLTRO-Sondererträge eine weitere Steigerung an. Nach eigenen Angaben hat die Aareal keinerlei Engagement in der Ukraine, allerdings ein Restportfolio von rund 200 Mio. Euro in Russland.


Was gibt’s Neues in puncto Übernahme-Querelen?

Wie der seit September amtierende Vorstandschef Jochen Klösges sagte (oder soll man sagen: einräumte?), hat es neben Advent/Centerbridge einen weiteren Interessenten für die Aareal Bank gegeben. Es habe aber niemand “auch nur einen Cent mehr” geboten als das Advent/Centerbridge-Konsortium, dass mit seiner zuletzt auf 31 Euro je Aktie erhöhten Offerte bekanntlich nicht durchgedrungen war. Für “wertschaffende Optionen” in Bezug IT-Tochter Aareon zeigte sich Klösges offen, bislang hielt die Aareal eisern an der bestehenden Struktur einer Mehrheitsbeteiligung fest. Die Aareon gilt wegen ihres hohen Anteils an jährlich wiederkehrenden Erlösen (71%) und ihres Wachstums als Perle des Konzerns und kam 2021 auf einen bereinigten Ergebnisbeitrag in Höhe von 67 Mio Mio. Euro – und soll ihre Erträge in diesem Jahr um 13-21% steigern.


Gab’s aus Investorensicht auch negative Botschaften?

Wenn man’s nimmt. Zwar will der Vorstand an der in Aussicht gestellten Dividende von 1,60 Euro je Aktie festhalten (hierin eingerechnet sind jene 1,10 Euro, die wegen des Übernahmeangebots zunächst einbehalten werden sollten). Allerdings werde geprüft, “zur Finanzierung des Wachstums und der Zukunftsinvestitionen” auch “im Rahmen der bestehenden Dividendenpolitik eine veränderte Balance zwischen der Mittelverwendung für Investitionen und Ausschüttungen” hinzubekommen. Vermutlich wird die Dividende auf dem jetzigen nicht bleiben, weil Klösges auch Geld für den angepeilten Wachstumskurs braucht.


Und wie sehen die Zahlen in der Übersicht aus?

So:

in Mio. Euro 2020 2021 Veränderung
Zinsüberschuss 512 597 + 17%
Risikovorsorge 344 133 – 61%
Provisionsüberschuss 234 245 + 5%
Abgangsergebnis 28 23 – 18%
Fair Value Ergebnis -26 -35 + 35%
Verwaltungsaufwand 469 528 + 13%
Sonstige -11 -14 + 27%
Betriebsergebnis -75 155  n.a.
Ertragssteuern -6 87  n.a.
Minderheitsanteile 5 1 -80
Nachranganleihen -16 -14 -13
Konzernergebnis -90 53 n.a.

Quelle: Aareal Bank, n.a.= wegen veränderter Vorzeichen kein Vergleich möglich

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