Aufsichts-Ticker

Sämtliche Aufsichts-News aus Dezember 2025 und Januar 2026

In unserem Aufsichts-Ticker verfolgen wir die alltäglichen Scharmützel zwischen der Bafin und den deutschen Banken (und Fintechs!) – und darüber hinaus berichten wir, wie sich die regulatorischen Rahmenbedingungen für die Branche entwickeln. 

Hier unser Ticker für Dezember 2025 und Januar 2026:

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Exklusiv: Lehre aus Greensill – BdB und Bafin legen Auslandsbank an die Leine

Klar, die Connaisseure kannten diese Banken auch schon vor deren Zusammenbruch. Aber das normale Publikum? Hatte das je von der Noa Bank gehört (implodiert im Jahr 2010)? Oder von der FX Direkt Bank (2012), der Maple Bank (2016), der Derobank (2018), der Greensill Bank (2021), der North Channel Bank (2023)? Was jedenfalls auffällt: Dafür, dass die deutsche Bankenbranche die letzten anderthalb Dekaden (also die Phase seit der Finanzkrise) grosso modo unbeschadet überstanden hat, musste die private Einlagensicherung dann doch relativ oft einspringen. Allerdings – und das fällt fast noch mehr auf: Sie musste das nicht bei irgendwelchen Berenbergs oder Donner & Reuschels und nicht einmal bei M.M. Warburg. Sondern ausschließlich bei nahezu unbekannten Nischenplayern oft ausländischer Provenienz. Wobei vor allem die Pleite der Bremer Greensill Bank regelrechte Schockwellen durch den privaten Bankensektor rollen ließ. Schließlich kostete die Finanzspritze den BdB im Greensill-Fall krasse 3,3 Mrd. Euro. Mit der Folge, dass die Mitgliedsinstitute eine Sonderumlage entrichten mussten und der Verband sein Sicherungssystem einer gründlichen Renovierung unterzog. Jedenfalls – und damit jetzt zurück in die Gegenwart. Die Pleite der Greensill Bank hat letztlich alle kalt erwischt, den BdB genauso wie die Bafin. Und darum greifen Verband und Aufsicht jetzt offensichtlich umso entschlossener ein, wenn sich wieder mal eine nischige Auslandsbank auf einen allzu sportlichen Expansionskurs begibt. Unsere exklusive Recherche: FS Premium

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Bafin kündigt Krypto-Sonderprüfungen an – und nennt ihre Fokus-Themen für 2026

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„Erheblicher Mangel an Kompetenz“ – drastische Enthüllungen zu Bitpanda

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Deutsche Banken sollen mehr Eigenkapital für Ösi-Immobilien vorhalten

Die Bafin plant zusätzliche Eigenkapitalauflagen für deutsche Banken, die sich stark im österreichischen Gewerbeimmobilienmarkt engagieren. Wie die Finanzaufsicht gestern mitteilte, soll der „sektorale Risikopuffer“ bei 1% liegen und bei einer Risikoposition von mindestens 100 Mio. Euro zur Anwendung kommen. Sprich: Liegen die risikogewichteten Aktiva beispielsweise bei 500 Mio. Euro, werden 5 Mio. Euro zusätzliches CET1-Kapital fällig. Bei der geplanten Maßnahme handelt es sich um die „reziproke“ Anwendung einer Anordnung der österreichischen Finanzaufsicht. Welche deutschen Institute wie stark betroffen wären, ist unklar. Die BayernLB etwa (deren H1/25-Bericht wir uns diesbezüglich gestern Abend flott angesehen haben) wies zuletzt zwar für Österreich ein Bruttokreditvolumen von merklichen 2,3 Mrd. Euro aus – hiervon entfielen aber nur 115 Mio. Euro explizit auf Gewerbeimmobilien (und das sind ja die Aktiva, nicht die RWA).

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Kurz getickert

  • Die Bafin hat der leidgeprüften VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden zu allem Überfluss jetzt auch noch ein Bußgeld in Höhe von 325.000 Euro auferlegt. Begründung: Mängel in der Geldwäscheprävention (offenbar vor allem zu Zeiten, als bei dem Skandalinstitut noch das Ancien Régime das Sagen hatte).

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Baukosten radikal runter – wie die Bundesbank den „Campus“ retten will

Die Bundesbank kalkuliert bei der Neuplanung ihres „Campus“-Projekts mit drastisch niedrigeren Kosten als bislang bekannt – und nennt dabei gegenüber Finanz-Szene erstmals überhaupt konkrete Zahlen. Dazu muss man wissen: Laut einem Gutachten des Bundesrechnungshofs hatten die Notenbanker für den weitreichenden Umbau ihrer Zentrale in Frankfurt-Bockenheim zunächst einen Gesamtaufwand von 3,6 Mrd. Euro veranschlagt. Bald zeichnete sich allerdings ab, dass der Kostenrahmen nicht zu halten sein würde. So ging der Rechnungshof (wie der „Platow-Brief“ letztes Jahr öffentlich machte) per Ende 2022 von einem drohenden Aufwand in Höhe von 4,6 Mrd. Euro aus. Angesichts der sich abzeichnenden Kostenexplosion versucht die Bundesbank seither, das „Campus“-Projekt einzudampfen. Statt von vier neuen Bürogebäuden (samt Kindertagesstätte, Sportzentrum, Gastronomiepavillon und Logistikzentrum) war zuletzt nur noch von einem zentralen Objekt die Rede. Auf Anfrage von Finanz-Szene legt die Bundesbank (nachdem sie sich zu den Kosten jahrelang eisern ausgeschwiegen hatte) nun erstmals konkrete Planzahlen offen. Hier entlang: FS Premium

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Kurz getickert

  • Die DZ Bank hat von der Bafin eine Micar-Zulassung für den Handel mit Krypto-Werten erhalten – und kann die geplante Retail-Plattform „meinKrypto“ damit nun an den Start bringen. Damit die Kunden vor Ort aber tatsächlich mit Bitcoin und anderen digitalen Währungen handeln können, müssen die lokalen VR-Banken allerdings jeweils noch eine sogenannte „Micar-Notifizierung“ bei der Aufsicht beantragen.

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Partner-Blog

Was die FiDA-Verordnung bringt. Und welche Banken am stärksten profitieren können: Viele Verbraucher wünschen sich konsolidierte Finanzübersichten und einfachere Kontowechsel (und mehr als jeder zweite Bankkunde ist bereit, dafür sensible Finanzdaten zu teilen). Also genau das, was die „Financial Data Access“-Verordnung ermöglichen soll. Trotzdem scheuen viele Institute den erwarteten Aufwand durch die neue Regulierung. Dabei gibt es gerade für traditionelle Banken in einem Open-Finance-Umfeld viel zu gewinnen: Finanz-Szene (frei zugänglich)

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Schwedische Direktbank erhält Bafin-Lizenz und kann in Deutschland starten

Noch prangt auf der deutschen Website der Nordnet Bank der Hinweis, dass das schwedische Institut bis zur Errichtung einer Zweigniederlassung hierzulande keine Kunden aufnehmen oder betreuen darf. Nach Finanz-Szene-Informationen ist genau das nun aber der Fall: Nordnet hat vor Kurzem eine Bafin-Lizenz erhalten und kann im Deutschland-Geschäft loslegen. Die Skandinavier hatten Anfang letzten Jahres ihren Start in Deutschland für das zweite Halbjahr 2026 angekündigt und den Chef-Posten wenige Monate später prominent mit Markus Pertlwieser besetzt, dem ehemaligen „Chief Digital Officer“ des hiesigen Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank und zuletzt verantwortlich für die Berliner KMU-Neobank Penta. Nordnet, fokussiert auf Retail-Investments, Private Banking und Sparprodukte, hat rund 2 Mio. Kunden in Schweden, Dänemark, Norwegen und Finnland. Zum Angebot am hiesigen Markt sind noch keine Details kommuniziert. Bekannt ist hingegen: Sitz der neuen deutschen Zweigniederlassung ist der Main Tower.

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Kurz getickert

  • Die Kreissparkasse Köln hat nun auch offiziell bestätigt, bei der Bilanzsumme die 30-Mrd.-Euro-Schwelle überschritten zu haben – und damit künftig unter die direkte Aufsicht der EZB zu fallen (siehe zum Hintergrund in unserem Archiv –> Geheimprojekt: Wie sich der Sparkassen-Sektor auf die EZB-Aufsicht vorbereitet).
  • Die Deka hat laut Finanz-Szene-Informationen eine Micar-Lizenz der Bafin erhalten, darf Krypto-Assets also nun gemäß des neuen regulatorischen Standards verwahren und verwalten 
  • Die Bafin startet eine weitere Abfrage (die nunmehr vierte nach 2017, 2020 und 2021) zu etwaigen Cum-Cum-Geschäften von Banken und sonstigen Finanzdienstleistern. Das Auskunftsgesuch richte sich „an den Großteil der deutschen Kreditinstitute“ (Mitteilung)
  • Die Bafin wirft der Frankfurter Standard Chartered Bank „organisatorische Mängel“ in der Kreditgewährung und bei der Ermittlung der Risikotragfähigkeit vor – und schraubt die Eigenkapitalvorgaben für das Institut nach oben (um wie viel genau, bleibt unklar)

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Neues Bafin-Verdikt – wieso N26 jetzt ein bilanzielles Ungleichgewicht droht

Dass da noch was kommen würde, war klar. Schließlich hatte Finanz-Szene schon im Juli exklusiv berichtet, dass sich N26 im Zusammenhang mit Verfehlungen im niederländischen Hypothekengeschäft auf weitere Sanktionen seitens der Bafin vorbereitet. Und was wir damals ebenfalls schrieben, wenn auch lediglich als Vermutung, das war, „dass es möglicherweise [sogar] um gravierende Maßnahmen gehen könnte“. Seit gestern steht nun fest: Ja, die Finanzaufsicht rückt ein weiteres Mal gegen N26 zu Felde. Und ja, die verhängten Sanktionen haben es durchaus in sich. So verlangt die Bafin erstens „angemessene und wirksame Maßnahmen“, um wieder „eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation herzustellen“. Zweitens wird zur Überwachung besagter Maßnahmen erneut ein Sonderbeauftragter entsandt (nachdem ein solcher ja schon von 2021 bis 2024 bei N26 ein- und ausging). Drittens erhöhen die Aufseher ihre Anforderungen ans Eigenkapital (um wie viel, sagen sie nicht). Und viertens greifen sie schon wieder ins operative Geschäft der Berliner Neobank ein. Dazu muss man noch mal kurz erinnern: Unter dem Ende 2021 erlassenen und bis 2024 gültigen „Neukunden-Deckel“ (maximal 50.000 pro Monat) leidet N26 bis heute. Schließlich war es nicht zuletzt diese aufsichtliche Limitierung, die es der britischen Neobank Revolut ermöglichte, den deutschen Widersacher auch in dessen mitteleuropäischen Kernmärkten frontal anzugreifen. Verglichen damit liest sich die neue Bafin-Beschränkung (N26 darf bis auf Weiteres keine niederländischen Hypothekenkredite mehr vergeben) auf den ersten Blick harmlos. Doch auch diese Sanktion hat es in Wirklichkeit in sich. Hier entlang: FS Premium

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Wie die deutsche „Basel“-Revolution auf europäischer Ebene zermahlen wurde

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Déjà-vu in Mannheim – wie die Sparkasse Rhein Neckar Nord ins Visier der Bafin geriet

Klar, als Finanzjournalist interessiert man sich für Banken. Aber noch nicht sein Leben lang. Während ein normaler Sportjournalist schon als Kind die „Sportschau“ geguckt hat (und über einen entsprechenden Erinnerungsschatz verfügt), beginnt der normale Finanzjournalist meist erst im dritten Lebensjahrzehnt, sich näher mit seinem Berichtsgegenstand zu befassen. Die Konsequenz: Man schreibt zwar jeden Tag drüber. Aber was früher so war, weiß man oft nur kursorisch. Und so hatte also (wir sind einfach mal ehrlich mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser) bis vor wenigen Wochen keiner der fünf Finanz-Szene-Redakteure je vom großen (großen!!!) Mannheimer Sparkassen-Skandal der frühen 1990er-Jahre gehört. Im Gegensatz zu unserem Analysten Hermann Kohlhaus natürlich. Denn der ist nicht nur ein paar Jährchen älter als wir. Sondern hat – das ist zumindest unser ganz starker Verdacht – schon als Kind gebannt die Pleite der Herstatt-Bank verfolgt, bevor er sich seinen Bibliotheksausweis schnappte, um in der Stadtbücherei noch ein bisschen Lektüre zur Implosion der Danat-Bank auszuleihen. Jedenfalls: Als wir uns neulich also mit der Sparkasse Rhein Neckar Nord beschäftigten (siehe –> Immobilien-Crash – bei badischer Problem-Sparkasse explodiert die Risikovorsorge), da fragte uns der gute Herr Kohlhaus also in der Redaktionskonferenz, warum wir denn keine Parallele zum großen (großen!!!) Mannheimer Sparkassen-Skandal der frühen 1990er-Jahre gezogen hätten. Ob wir denn nicht wüssten, dass die Sparkasse Rhein Neckar Nord die Nachfolgerin der Sparkasse Mannheim sei … Kurzum: Wussten wir – siehe oben – nicht. Und so haben wir also noch mal tiefer recherchiert. Zur Frage, was damals passiert ist. Aber vor allem natürlich zu der Frage, wie groß die Parallelen im aktuellen Fall wirklich sind. Hier entlang: FS Premium

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Woher die DORA-Flut bei unseren Banken kommt (nämlich aus dem Zahlungsverkehr)

Störungen im Zahlungsverkehr dominieren das neue DORA-Meldewesen. Von gut 600 in diesem Jahr gemeldeten Fällen sei jeder zweite „zahlungsbezogen“, hieß es gestern auf einer Veranstaltung der Bafin.  Den hohen Anteil führen die Aufseher nicht zuletzt auf den Kriterienkatalog zur DORA-Verordnung zurück. Dieser führe bei Vorfällen im Zahlungsverkehr zu einer vergleichsweise niedrigen Meldeschwelle. Alles in allem entfielen gut 500 DORA-Meldungen auf Banken und Sparkassen, die übrigen rund 100 auf Versicherer und Wertpapierdienstleister. Vor allem belegen die bisherigen Bafin-Daten die Abhängigkeit der Banken von Drittdienstleistern, also Software-Anbietern, Cloud-Service-Providern, aber auch Rechenzentren: Wären keine aggregierten Meldungen möglich (in denen die Drittdienstleister eine mehrere Banken betreffende Störung jeweils zusammenfassen), wäre die Zahl der DORA-Meldungen im Bankenbereich sogar um das grob Fünffache höher ausgefallen, hieß es gestern.

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Hessische Sparkasse muss Russland-Überweisung trotz Sanktionen auszahlen

Sparkassen (und natürlich auch sonstige Banken) dürfen die Auszahlung von Geld aus Russland nicht pauschal ablehnen – trotz der bestehenden EU-Sanktionen. Das geht aus einem gestern veröffentlichten Urteil des OLG Frankfurt am Main hervor. Im konkreten Fall muss eine hessische Sparkasse (um welches Institut es geht, wollte uns eine OLG-Sprecherin auf Nachfrage nicht verraten) Geld, das sie im Zusammenhang mit Russland-Sanktionen eingefroren hatte, deshalb nun freigeben (Az. 3 U 111/23). Das Institut hatte einer Kundin die Auszahlung von 37.000 Euro verweigert, welche die Klägerin von einer Moskauer Firma erhalten hatte – und zwar im Frühjahr 2022, also in zeitlicher Nähe zum Beginn des Ukraine-Krieges. Das Unternehmen hatte mit dem Geld nach Angaben der Klägerin gelieferte Zentrifugalpumpen bezahlt. Die Sparkasse witterte indes einen Verstoß gegen die von der EU erlassenen Russland-Sanktionen und hinterlegte das Geld beim zuständigen Amtsgericht.

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Warum die Deutsche Bank bei der Leverage Ratio mehr Spielraum bekommt

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Kurz getickert

  • Als nächstes hiesiges Geldinstitut hat nun auch die DWP Bank – also der angeschlagene Wertpapier-Abwickler von Sparkassen und Volksbanken – eine Micar-Lizenz erhalten.
  • Und noch mal Commerzbank: Die Frankfurter haben laut „Süddeutsche Zeitung“ (Paywall) vergangene Woche rund 40.000 Kunden wegen während der Tiefzinsphase zu Unrecht erhobener Negativzinsen angeschrieben. Im Extremszenario – also wenn wirklich alle Kunden ihre Ansprüche geltend machen – drohen Entschädigungen von rund 10 Mio. Euro.

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Sämtliche Aufsichts-News aus Oktober und November 2025

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