von B. Neubacher, C. Kirchner und G. Hädicke, 30. November 2025
In unserem Aufsichts-Ticker verfolgen wir die alltäglichen Scharmützel zwischen der Bafin und den deutschen Banken (und Fintechs!) – und darüber hinaus berichten wir, wie sich die regulatorischen Rahmenbedingungen für die Branche entwickeln.
Hier unser Ticker für Oktober und November 2025:
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Eine auffällige Satzungsänderung bei der Sparda Hessen wirft ein Schlaglicht auf die regulatorischen Implikationen der Immobilien-Aktivitäten deutscher Banken. Nach Informationen von Finanz-Szene hat das genossenschaftliche Institut seine Statuten kürzlich um eine weitere Tätigkeit (neben den typischen Tätigkeiten wie Kredit- oder Einlagengeschäft) erweitert – nämlich um den Erwerb, den Verkauf und die Übertragung „von Immobilien aller Art“. Dabei gehe es sowohl um die Vermietung also auch um die Verwaltung von eigenen Immobilien, ist in der veränderten Satzung zu lesen. Ein Einzelfall? Oder steckt mehr dahinter? Hier entlang: FS Premium
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Was die EU-Einigung bei der PSD3 für Banken und Fintechs bedeutet
So haben die deutschen Banken bei der SREP-Überprüfung der EZB abgeschnitten
Simplere Kapitalregeln, weniger Stresstests, nationale Ausnahmen – seit Monaten kündigt die deutsche Finanzaufsicht eine regulatorische Erleichterung nach der anderen an. Parallel allerdings (und öffentlich bislang unbemerkt) haben sich die Bundesbank auf der einen sowie Banken und Sparkassen auf der anderen Seite bei der Umsetzung einer bestehenden Richtlinie regelrecht ineinander verhakt. Es geht um die neue Statistik zur Finanzierung von Wohnimmobilien, kurz: „WIFSta“. Für diese sollen die Geschäftsbanken der Aufsicht eigentlich detaillierte Angaben zu ihren Engagements in der privaten Baufinanzierung liefern. Bislang allerdings geschieht dies allem Anschein nach eher schlecht als recht. So hat sich die Bundesbank laut Informationen von Finanz-Szene jüngst bei der Deutschen Kreditwirtschaft (also der Dachorganisation der großen Bankenverbände) beschwert. Tenor: Die von Banken und Sparkassen zur Verfügung gestellten Daten seien mangelhaft. Insidern zufolge wurde der Branche eine Frist von vier Monaten eingeräumt. Bis Mitte Februar müssen die Institute ihre „WIFSta“-Meldungen also überarbeitet haben. Doch schaffen sie das überhaupt? Hier die vertrackte Gemengelage: FS Premium
Warum operationelle Risiken für Banken neu klassifiziert werden müssen: Ein Cyberangriff legt eine Bank für drei Tage lahm. Der Schaden: 15 Mio. Euro. Ein Mitarbeiter verkauft „grüne“ Finanzprodukte, die gar nicht nachhaltig sind. Wieder Millionenverluste durch Greenwashing-Vorwürfe. Das Problem: Das 20 Jahre alte System zur Klassifizierung operationeller Bankrisiken gerät bei solchen Fällen an seine Grenzen – weshalb die EBA nun ein grundlegendes Update anstrebt. Die wichtigsten Änderungen im Überblick: Finanz-Szene (frei zugänglich)
In der Debatte um ein neues „Kleinbanken-Regime“ macht sich die Deutsche Kreditwirtschaft dafür stark, dass neben kleinen auch mittelgroße Institute von den geplanten Vorteilen profitieren sollen. Hintergrund: Bafin und Bundesbank haben bekanntlich Pläne vorgelegt, wonach Institute mit weniger als 10 Mrd. Euro Bilanzsumme künftig von der Berechnung risikogewichteter Kapitalanforderungen befreit werden sollen. Die Deutsche Kreditwirtschaft verweist in einer Stellungnahme nun allerdings darauf, dass in anderen europäischen Ländern deutlich höhere Schwellenwerte gelten – in der Schweiz sind es umgerechnet 18 Mrd. Euro, in Großbritannien umgerechnet sogar 23 Mrd. Euro.
Würden diese Werte auf Deutschland übertragen, profitierten im Extremfall grundsätzlich sogar Institute wie die IKB (Bilanzsumme: 14,1 Mrd. Euro) oder die Groß-Sparkasse in Hannover (21,0 Mrd. Euro) von den regulatorischen Ausnahmen. Wie realistisch dieses Ansinnen ist, bleibt freilich abzuwarten. So gab Standard & Poor’s neulich zu bedenken, dass im kleinteiligen deutschen Bankenmarkt sogar schon bei einer 10-Mrd.-Schwelle fast ein Fünftel aller Branchen-Aktiva in den Genuss der regulatorischen Erleichterungen käme – während es im eidgenössischen und britischen Bankenmarkt nicht einmal 5% seien (siehe hier).
Warum die Bafin-Sanktion gegen die deutsche J.P. Morgan dermaßen hoch ausfällt
Zwischen IReF, KI und Datenintegration – wie Banken ihr Meldewesen neu aufstellen: Finanzkrise, Schuldenkrise, Corona, Krieg – nach den Schocks der letzten Jahre arbeiten die Regulatoren weiter an den Regelwerken des Finanzsystems. Die zentralen Bausteine dabei sind die Transformation des Meldewesens und dessen engere Vernetzung mit dem Risikomanagement. Wie das für Banken und Sparkassen funktionieren kann: Finanz-Szene (frei zugänglich)
Nichts gegen Tobias Lukesch, den wackeren Analysten von Kepler Cheuvreux. Aber dass Lukesch (so jedenfalls las sich ein etwas unglücklich formulierter Medienbericht gestern) mit seinem am Dienstagmorgen vorgenommenen Downgrade der PBB-Aktie deren 17%-Blitzcrash am Montagnachmittag ausgelöst haben könnte – das wäre der Ehre dann doch ein bisschen zu viel. Interessanterweise scheint es aber trotzdem einen Zusammenhang zwischen dem Lukesch-Downgrade (und weiteren, durchweg negativen Analysten-Kommentaren vom gestrigen Tage) und dem plötzlichen Kurssturz vom Vortag zu geben. Und womöglich wird die Ereigniskette, wie sie sich mittlerweile grob rekonstruieren lässt, den ein oder anderen Marktteilnehmer da draußen in Erklärungsnot bringen – und vielleicht ja die Bank selbst auch. Hier entlang: FS Premium
Das Bundeskriminalamt und die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz sind am gestrigen Dienstag in einer international koordinierten Aktion gegen mutmaßliche Betrugs- und Geldwäschenetzwerke vorgegangen. Dabei wurden nach Angaben von BKA und Bafin zahlreiche Objekte unter anderem in Deutschland durchsucht, mehrere Personen seien festgenommen worden. Den Beschuldigten werde vorgeworfen, Kreditkartendaten von Geschädigten aus 193 Ländern genutzt zu haben, um fast 20 Mio. Abonnements über Schein-Webseiten abzuschließen. Zur Abwicklung von Zahlungen sollen die Beschuldigten vier große deutsche Zahlungsdienstleister kompromittiert haben. Die Namen der Payment-Unternehmen wurden zunächst nicht genannt (aber so viele kommen da ja nicht infrage). Den „tatsächlich eingetretenen Schaden“ beziffern BKA und Finanzaufsicht auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag. Neben der Bafin war auch die für Geldwäsche-Verdachtsfälle zuständige Financial Intelligence Unit in die Ermittlungen involviert, hieß es am Abend.
Wie sich bei der LBBW (und anderen Landesbanken) das Eigenkapital stapelt
Auf die Landesbanken und die Deka kommen bekanntlich milliardenschwere Zusatzbelastungen zu. Hintergrund ist der neue Sicherungsfonds der Sparkassen-Finanzgruppe, den die EZB-Bankenaufsicht nach der zähen Rettung der NordLB eingefordert hatte. Berechnungen von Finanz-Szene zeigen nun, wie der neue Fonds die Ergebnisse der Landesbanken (und der Deka) in diesem Jahr belastet – und in den nächsten Jahren belasten dürfte. Der Reihe nach: Bis 2032 müssen Sparkassen und Landesbanken jeweils 2,6 Mrd. Euro in den Fonds einzahlen – insgesamt also 5,2 Mrd. Euro. Ziel ist eine zusätzliche Reserve von 0,5% der Gesamtrisikoposition, damit künftige Stützungsaktionen schneller abgewickelt werden können. Für die Landesbanken und die Deka bedeutet das jährliche Zahlungen von zusammen rund 325 Mio. Euro, wovon etwa 227,5 Mio. Euro direkt auf die Ergebnisse durchschlagen. Erste Zahlen zum Jahr 2025 zeigen jetzt, wie sich die Belastungen verteilen: FS Premium
Immobilien-Crash – bei badischer Problem-Sparkasse explodiert die Risikovorsorge
Sämtliche Aufsichts-News aus September 2025
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