von B. Neubacher, C. Behr, H.-R. Dohms, H. Kohlhaus und G. Hädicke, 28. Februar 2026
In unserem Sparkassen-Ticker beleuchten wir nicht nur die großen Sparkassen wie die Haspa – sondern auch die (ganz) kleinen. Und natürlich haben wir auch ein Auge drauf, was sonst so los ist im Verbund.
Hier der Ticker für Februar 2026:
–––––
Die Finanz Informatik (also der zentrale IT-Dienstleister der Sparkassen) wagt sich mit einer kühnen Behauptung aus der Deckung. Wie Vorstandschef Andreas Schelling im Gespräch mit Finanz-Szene erklärte, sollen die IT-Prozesse der Sparkassen durch den Einsatz künstlicher Intelligenz dermaßen schnell an Effizienz gewinnen, dass die gut 300 kommunalen Institute schon kommendes Jahr mit 5.800 Vollzeit-Jobs (bzw. FTEs) weniger auskämen. Bei den angestrebten Verbesserungen gehe es konkret um rund 30 verschiedene Prozesse, sagte Schelling. Als Beispiel nannte er das Kreditgeschäft, in dem manuelle Prüfungen zunehmend überflüssig würden und Kundenunterlagen künftig komplett automatisiert angefordert, ausgelesen sowie archiviert würden. Abzuwarten bleibt freilich, inwieweit die örtlichen Sparkassen die von Schelling in Aussicht gestellten Effizienzgewinne wirklich heben. Nimmt man den FI-Chef beim Wort, dann müsste eine durchschnittliche Sparkasse all das, was sie heute tut, schon bald mit 17 Mitarbeitern (bzw. Vollzeit-Äquivalenten) weniger tun können. Oder anders gerechnet: Wenn man davon ausgeht, dass eine bankfachliche Vollzeitstelle mit einem Aufwand von rund 80.000 Euro zu Buche schlägt, dann ergäben sich für die rote Primärebene jährliche Kosteneinsparungen von etwa 400-500 Mio. Euro – ca. 3% des operativen Ergebnisses. Die Realität war zuletzt freilich die, dass viele Sparkassen zuletzt eher Mitarbeiter auf- als abgebaut haben. Die baden-württembergischen Kommunalinstitute etwa erweiterten ihre Belegschaften im vergangenen Jahr um durchschnittlich 2% erweitert. Begründung: „Fachkräftesicherung.“ Ebenfalls zur Wahrheit gehört, dass sich Sparkassen aus politischen Gründen schwerer tun als private Banken, ihre Belegschaften kurzfristig zu verringern. Die Alternative sieht so aus, dass Mitarbeiter, deren Tätigkeiten durch KI-Einsatz überflüssig werden, in eine andere Position wechseln – wobei sich da natürlich die Frage stellt, ob sich jemand, der gestern noch Kreditanträge geprüft hat, dann morgen, sagen wir, in den Vertrieb umtopfen lässt.
Mehr zum Thema:
–––––––––––––––––––
Ein bisschen was weiß man ja jetzt über die neue Trading-App der Sparkassen. Wie sie heißen soll („S-Neo“). Wann sie kommen soll (der breite Roll-out ist für den Sommer geplant). Und welches strategische Ziel der rote Sektor mit ihr verfolgt (nämlich den Trade Republics und Scalable Capitals da draußen endlich ein konkurrenzfähiges Produkt entgegenzustellen). Was nun allerdings die besagte Konkurrenzfähigkeit angeht, sind die beiden entscheidenden Fragen bislang unbeantwortet: Was wird „S-Neo“ können? Und was soll „S-Neo“ kosten? Zwar gaben sich die Journalisten bei der jüngsten Bilanz-PK der Sparkassen und Sparkassenverbände alle Mühe, ebendies zu erfragen – Antworten allerdings bekamen sie keine. Wie gut, mag man da sagen, dass es Finanz-Szene gibt! Denn zumindest was das Pricing von S-Neo angeht, glauben wir, ganz gut Bescheid zu wissen. Einmal hier entlang bitte: FS Premium
Am 4. Dezember 2023 veröffentlichen wir einen Podcast, den wir im Nachhinein am liebsten verbuddeln würden. Der Titel damals: „Für die Banken beginnt die Abwärts-Zinswende – was sind die Folgen?“ … Wie man heute weiß, war das mit der „Abwärts-Zinswende“ ausgemachter Humbug. Wobei, immerhin, nicht wir selbst den Humbug ursprünglich in die Welt gesetzt hatten. Sondern die Bundesbank. Die nämlich hatte damals (man befand sich, wie gesagt, im Boom-Jahr 2023) in ihrem Finanzstabilitäts-Bericht festgestellt, dass die Zinsergebnisse bereits wieder zu bröckeln anfingen und im kommenden Jahr (also 2024) dann endgültig zerbröseln würden. In Zahlen: Um durchschnittlich 30% (!) sollte der Zinsüberschuss einbrechen. Es ist dann, wie man heute weiß, alles ein bisschen anders gekommen. Obwohl sich der EZB-Zins halbierte, blieben die Gewinne von Banken und Sparkassen erstaunlich stabil, und wenn man in der aktuellen Bilanzsaison nun (wie wir das tun) brav die Runde macht, an einem Tag der Wiesbadener Volksbank lauscht, am nächsten den baden-württembergischen Sparkassen und wiederum am nächsten der MBS – dann stellt man fest: Da draußen bröckelt auch weiterhin rein gar nichts! Im Gegenteil, mancherorts sind die Zinsüberschüsse sogar höher als sie das jemals waren, siehe jüngst beispielhaft die westfälischen Sparkassen. Jedenfalls – selbstverständlich wollen wir den Bilanz-PKs von DSGV und BVR im März nicht vorweggreifen. Schon jetzt dürfte allerdings feststehen, dass sich die 2025er-Ergebnisse beider Verbünde in etwa auf dem Rekordniveau der beiden Vorjahre bewegen. Für alle, die es genauer wissen wollen, hat unser Analyst (und das war methodisch eine irre Fisselarbeit) sämtliche schon vorliegenden GuV-Zahlen einzelner Sparkassen, Primärgenossenschaften, Verbände und sonstiger Regionalbanken in eine einheitliche Systematik gebracht. Und zwar nicht nur für 2025. Sondern um der Vergleichbarkeit willen auch für 2024, 2023 und (dem letzten Jahr vor der Zinswende) 2021. Hier die sehr, sehr umfangreiche Übersicht: FS Premium
Angriff auf Neobroker – neues Trading-Tool der Sparkassen soll „S-Neo“ heißen
Auf dem vermeintlichen Höhepunkt des Zins-Booms (also bezogen aufs Geschäftsjahr 2023) haben wir den ostdeutschen Sparkassen mal einen „fast schon astronomischen“ Zinsüberschuss attestiert. Dieser belief sich damals auf 2,00% der durchschnittlichen Bilanzsumme, und eigentlich dachte man, dass es mehr in diesem Leben nicht mehr werden würde (allen voran die Bundesbank dachte das ja …). Kurzum, wie man heute weiß, war das falsch gedacht. Denn fürs Geschäftsjahr 2025 weisen die Ost-Sparkassen nun allen Ernstes ein neues Rekordzinsergebnis in Höhe von 3,28 Mrd. Euro aus – umgerechnet 2,08% der DBS. Fragt man sich, wie das möglich ist, sollte man weniger auf den Zinsertrag, sondern auf den Zinsaufwand schauen. Denn während ersterer stabil blieb (bzw. sogar ganz leicht stieg), hat letzterer längst wieder den Rückwärtsgang eingelegt: Nur mehr 699 Mio. Euro mussten die Institute für ihre Refinanzierung berappen, ein Ersparnis von rund 15% – und das, obwohl die Kundeneinlagen wohlgemerkt um gut 2% zulegten (bei einem freilich signifikant sinkenden Anteil der Termingelder). Um’s abzukürzen: Sollten die Ost-Sparkassen überhaupt je irgendeinen Druck bei ihren Einlagen verspürt haben – inzwischen drückt da nix mehr.
Gericht billigt umstrittene Sparkassen-Gebühren bei Riester-Verträgen
Innerhalb des Sparkassenverbands Baden-Württemberg gibt es einen veritablen Krisenfall. Wie Recherchen von Finanz-Szene zeigen, wurde die Sparkasse Pfullendorf-Meßkirch (Bilanzsumme: 1,0 Mrd. Euro) per Ende 2024 im Risikomonitoring des SVBW der Stufe „Rot“ zugeordnet – ein äußerst seltener Fall (schlechter ist nur „Dunkelrot“, ergo ein Sanierungsfall). Der Vorstand selbst spricht im Geschäftsbericht von einer „Bewertungsstufe rot“ und hält selbstkritisch fest: „Insgesamt beurteilen wir unsere Risikolage unter Berücksichtigung der Regulatorik, eingetrübten Konjunktur und der nicht befriedigenden Ertragslage als sehr herausfordernd.“ Zu alldem muss man wissen, dass die Sparkasse Pfullendorf-Meßkirch just im Jahr 2024 verschiedentlich in die Schlagzeilen geraten war. Zunächst wegen eines bundesweit aufsehenerregenden Urteils über intransparente Gebühren bei Riester-Sparverträgen (das vom Oberlandesgericht Stuttgart allerdings kürzlich aufgehoben wurde, wie wir dieser Tage berichteten). Dann wegen der Entlassung von Vorstand Carsten Knaus infolge des ersten Riester-Urteils. Mit dem Rauswurf war für die Sparkasse der nächste Rechtsstreit verbunden. Mit diesen Verwicklungen hat die betriebswirtschaftliche Schieflage allerdings nur am Rande zu tun. Stattdessen sieht es so aus, als sei die Sparkasse Pfullendorf-Meßkirch schon seit Jahren damit beschäftigt, immer neue Löcher ihrer GuV zu stopfen. Schon 2020 (also weit vor der Zinswende) schönte der Vorstand das Ergebnis durch die Aktivierung latenter Steueransprüche, zwei Jahre später wurde der Fonds für allgemeine Bankrisiken angezapft (nebst weiterer Aktivierung latenter Steueransprüche), wiederum ein Jahr später pimpte das Institut seine außerordentlichen Erträge, indem die beiden Hauptstellengebäude und ein Filialstandort in eine neu gegründete Tochtergesellschaft eingebracht wurden. Wo kommen die Probleme her? Und hat die Sparkasse Pfullendorf-Meßkirch überhaupt noch eine Zukunft? Wir haben das Institut unserem eigenen Rating-Verfahren unterzogen. Sehen Sie hier, was herausgekommen ist: FS Premium
Bislang haben nur vereinzelte Primärbanken ihre Zahlen für 2025 vorgelegt. Trotzdem lässt sich nach der Bilanz-PK der baden-württembergischen Sparkassen bereits ein entscheidendes Zwischenfazit ziehen. Nämlich: Obwohl die Zinswende mittlerweile fast vier Jahre zurückliegt, pusht der Zinsüberschuss die Ergebnisse vieler regionaler Banken weiterhin massiv. So mussten die Kommunalinstitute im Ländle zwar einen Kostenanstieg von 10% verkraften. Salopp gesagt war das aber mehr oder weniger egal. Schließlich schoss der um derivate Einflüsse bereinigte Zinsüberschuss um 14% (!!!) auf fast 4,2 Mrd. Euro nach oben – der höchste Wert überhaupt, seit der baden-württembergische Regionalverband die Kennziffer ausweist (also höher auch als 2022 und 2023). Nun mögen Connaisseure einwenden, dass die erwähnte KPI von begrenzter Aussagekraft ist (weil das Derivate-Ergebnis zum Zinsergebnis gehört wie der Alkohol zum Bier). Zudem sei erwähnt, dass im Falle der BaWü-Sparkassen beim Zinsergebnis noch Nachholbedarf bestand (es macht bei ihnen immer noch nur rund 1,75% der durchschnittlichen Bilanzsumme aus). Bloß – solche Feinheiten ändern nichts an der grundsätzlichen Diagnose. Denn wenn unsere Interpretation der Lage richtig ist, dann können Primärbanken, die von der Zinswende besonders stark profitierten, ihre Zinsergebnisse immer noch zumindest grob verteidigen (wir sprechen konkret von der National-Bank Essen mit 2,09% der DBS, von der Volksbank Mittelhessen mit 1,91% oder auch von der Sparkasse Mittelthüringen mit 2,07%). Zugleich fiel dieser Tage der Fall der Wiesbadener Volksbank ins Auge. Sie gehörte ähnlich wie die BaWü-Sparkassen eher nicht zu den ursprünglichen Zinswende-Gewinnern. Nun aber – hat auch sie sich auf immerhin 1,81% emporgekämpft. Die Ursachen für all das? Liegen teilweise auf der Hand (kaum noch Druck auf der Einlagenseite), reichen teilweise aber auch sehr tief (da gehen wir vielleicht ein andermal drauf ein). Hübscher Nebenaspekt: Auch wenn es bei ihr andere Gründe hat, rechnet die Deutsche Bank in diesem Jahr mit von Quartal zu Quartal teils deutlich steigenden Zinsergebnissen.
Wie der Tresorraum der Sparkasse Gelsenkirchen nach dem Schließfach-Raub aussah
Neue regulatorische Vorgaben zur Wohnimmobilien-Finanzierung sorgen für Unruhe bei Sparkassen und Volksbanken. Während manche Institute bereits ihr Neugeschäft zurückfahren, wird andernorts über deutliche Belastungen beim Eigenkapital geklagt. Seit Februar gibt es ein erstes konkretes – und prominentes – Beispiel, welch spürbare Folgen die neuen Regeln offenbar nach sich ziehen, mindestens mal in Einzelfällen. So war am Rande der Bilanz-PK der Volksbank Darmstadt Mainz zu erfahren, dass deren Gesamtkapitalquote im vergangenen Jahr um bemerkenswerte 90 Basispunkte auf nur noch 15,4 % geschmolzen ist – und das, obwohl das Institut mittels einer signifikanten Erhöhung der Geschäftsguthaben gegensteuerte (siehe unseren Artikel –> Volksbank Darmstadt Mainz kämpft um ihre Kapitaldecke). Dem Vernehmen nach soll die Erosion des Kapitalpuffers weit überwiegend aus den besagten neuen Vorgaben rühren. Mit offiziellen Aussagen hält man sich in der Branche bislang zurück, gesicherte Erkenntnisse gibt es noch keine. Geraunt wird allerdings, dass der Effekt in Darmstadt und angeblich auch bei anderen genossenschaftlichen Instituten um die 100 Basispunkte ausmache. Dazu muss man wissen: Mit einer Bilanzsumme von 15,5 Mrd. Euro ist die Volksbank Darmstadt Mainz das fünftgrößte genossenschaftliche Primärinstitut überhaupt. Es handelt sich also um keinen kleinen Player, den es hier erwischt zu haben scheint. Und auch nicht um einen Player, der bis dato durch ungewöhnlich riskante Geschäfte aufgefallen wäre. Wie verbreitet ist das Problem? Und wo rührt es her: Hier entlang: FS Premium
––––––––––––––––––
Die Frankfurter Sparkasse klärt die CEO-Nachfolge erwartungsgemäß intern. Neuer Vorstandschef wird der bisherige Firmenkunden-Vorstand Arne Weick (59), der von Amtsinhaber Ingo Wiedemeier auch dessen bisherige Ressorts erbt – darunter die Bereiche Strategie, Personal, Recht und IT. Marktvorstand Sven Matthiesen übernimmt dafür zusätzlich den Firmenkundenvertrieb und das Treasury. Inklusive Risikovorständin Andrea Kilian verkleinert sich der Vorstand auf zunächst drei Mitglieder, soll aber perspektivisch wieder aufgestockt werden. Vollzogen wird das Revirement zum 1. April, wenn Wiedemeier als Finanzchef zur Mutter Helaba wechselt (siehe unseren Personalien-Ticker aus dem September).
Sämtliche Sparkassen-News aus Dezember 2025 und Januar 2026
Die Artikel von Finanz-Szene sind urheberrechtlich geschützt und nur für den jeweiligen Premium-Abonnenten persönlich bestimmt. Die Weitergabe – auch an Kollegen – ist nicht gestattet. Wie Sie Inhalte rechtssicher teilen können (z.B. via Pressespiegel), erfahren Sie hier.
Danke für Ihr Verständnis. Durch Ihr Abonnement sichern Sie ein Stück Journalismus!