von H. Kohlhaus, H.-R. Dohms und C. Behr, 16. Februar 2026
Innerhalb des Sparkassenverbands Baden-Württemberg gibt es einen veritablen Krisenfall. Wie Recherchen von Finanz-Szene zeigen, wurde die Sparkasse Pfullendorf-Meßkirch (Bilanzsumme: 1,0 Mrd. Euro) per Ende 2024 im Risikomonitoring des SVBW der Stufe „Rot“ zugeordnet – ein äußerst seltener Fall (schlechter ist nur „Dunkelrot“, ergo ein Sanierungsfall). Der Vorstand selbst spricht im Geschäftsbericht von einer „Bewertungsstufe rot“ und hält selbstkritisch fest: „Insgesamt beurteilen wir unsere Risikolage unter Berücksichtigung der Regulatorik, eingetrübten Konjunktur und der nicht befriedigenden Ertragslage als sehr herausfordernd.“
Zu alldem muss man wissen, dass die Sparkasse Pfullendorf-Meßkirch just im Jahr 2024 verschiedentlich in die Schlagzeilen geraten war. Zunächst wegen eines bundesweit aufsehenerregenden Urteils über intransparente Gebühren bei Riester-Sparverträgen (das vom Oberlandesgericht Stuttgart allerdings kürzlich aufgehoben wurde, wie wir dieser Tage berichteten). Dann wegen der Entlassung von Vorstand Carsten Knaus infolge des ersten Riester-Urteils. Mit dem Rauswurf war für die Sparkasse der nächste Rechtsstreit verbunden.
Mit diesen Verwicklungen hat die betriebswirtschaftliche Schieflage allerdings nur am Rande zu tun. Stattdessen sieht es so aus, als sei die Sparkasse Pfullendorf-Meßkirch schon seit Jahren damit beschäftigt, immer neue Löcher ihrer GuV zu stopfen. Schon 2020 (also weit vor der Zinswende) schönte der Vorstand das Ergebnis durch die Aktivierung latenter Steueransprüche, zwei Jahre später wurde der Fonds für allgemeine Bankrisiken angezapft (nebst weiterer Aktivierung latenter Steueransprüche). Wiederum ein Jahr später pimpte das Institut seine außerordentlichen Erträge, indem die beiden Hauptstellengebäude und ein Filialstandort in eine neu gegründete Tochtergesellschaft eingebracht wurden. Wo kommen die Probleme her? Und hat die Sparkasse Pfullendorf-Meßkirch überhaupt noch eine Zukunft?
Wir haben das Institut unserem eigenen Rating-Verfahren unterzogen. Sehen Sie hier, was herausgekommen ist:
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