Exklusiv

Wie sich die Outlaw-Volksbank für den Showdown rüstet

13. September 2021

Von Christian Kirchner

Im Dauerkonflikt um die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden läuft alles auf einen baldigen Showdown zwischen Bankspitze, Bafin und BVR hinaus. Im Mittelpunkt steht dabei der Untreue-Verdacht u.a. gegen den Vorstandsvorsitzenden Stefan Siebert (Az: 530/JS/50227/18). Die seit 2018 laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nähern sich nach Finanz-Szene-Informationen allmählich dem Abschluss, wenngleich es seitens der Staatsanwaltschaft nur heißt: die Ermittlungen dauern an.

Vom Ausgang eines möglichen Verfahrens ist abhängig, ob die Bafin, die 2019 ein „Abberufungs-Verlangen“ gegen Siebert eingeleitet hatte, dieses dann auch formal vollzieht. Beim BVR wäre man über eine Absetzung vermutlich nicht ganz unglücklich. Der genossenschaftliche Bankenverband – dem auch der sektoreigene Prüfungsverband untersteht – verfolgt die geschäftspolitischen Umtriebe in Schmalkalden (siehe hier, hier, hier und hier) schon länger mit Sorge. Das dürfte auch daran liegen, dass das thüringisches Institut derzeit bundesweit um neue Einleger buhlt und dabei (in diesen Zeiten eher ungewöhnlich) mit einer Verzinsung von 0,2% winkt. Offiziell heißt es von der Bafin: Kein Kommentar.

Die Führung der VR Bad Salzungen Schmalkalden rüstet unterdessen für die kommenden Monate und will dabei unseren Recherchen zufolge die eigenen Mitglieder komplett auf Linie bringen. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Generalversammlung entschieden, dass die Bank auf mögliche Regressansprüche gegen Siebert verzichten werde.

Doch das ist noch nicht alles. Wie aus der Einladung für die diesjährige Generalversammlung hervorgeht, sollen Vorstandschef Siebert und Vorstandskollege Jan Wettstein auch die durch die Ermittlungen sowie das Abberufungs-Verfahren entstehenden Kosten erstattet werden. Der Aufsichtsrat ist diesem Begehren bereits gefolgt. Nun sollen auch die Mitglieder zustimmen. Das entsprechende Einladungsschreiben (danke wieder mal an unsere Leser-Reporter!) liegt Finanz-Szene vor. Ein Banksprecher wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern.

Im Genosektor wird dieser Tage mit Erstaunen registriert, dass die Schmalkaldener Genossen trotz der brisanten Gemengelage nun sogar eine anderes Institut de facto übernehmen wollen, nämlich die mit Verlusten kämpfende Raiffeisenbank Borken Nordhessen (siehe unsere exklusive Berichterstattung aus der vergangenen Woche). Schließlich werden auf diesem Wege geschäftspolitische Fakten geschaffen, die dann auch für eine etwaige neue Führung gelten würden. Dazu muss man wissen: Ein Abberufungs-Verlangen ist eine der schärfsten Maßnahmen der Bafin überhaupt. Die Aufseher zücken dieses Schwert normalerweise nur bei schweren Verdachtsmomenten. 2019 wurden – einschließlich des Verfahrens gegen Siebert – nur zwei entsprechende Verfahren in Gang gesetzt. 2020 kein einziges.

Hier noch für Leserinnen und Leser, die neu hinzugekommen sind, die Hintergründe: Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen geht seit 2018 dem Verdacht nach, die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden könnte beim Verkauf einer Immobilie an den Vorstandschef einen deutlichen Preisnachlass gewährt haben soll – und im Gegenzug mehr Geld für den Erwerb von weiteren Immobilien vom selben Verkäufer bezahlt haben, um die Transaktion zu verschleiern. Die Bank dementiert die Vorwürfe schon länger, spricht von „haltlosen Anschuldigungen“.

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