Fusion der Sparkassen Holstein und Südholstein gescheitert. Aber woran???

20. Oktober 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Bis vor ein paar Wochen sah es so aus, als bräche unterm roten „S“ eine regelrechte Fusionitis aus.

  • Die Sparkasse Memmingen und die Kreissparkasse Augsburg kündigten ihren Zusammenschluss an (ein Vorhaben, das inzwischen als beschlossen gilt)
  • Die Sparkasse Worms-Alzey-Ried und die Sparkasse Mainz begannen sich füreinander zu interessieren (auch hier sieht es gut aus, einer der Träger hat just dieser Tage sein Plazet gegeben)
  • Weitere Fusionspläne wurden in NRW (Rhein-Maas + Goch-Kevelaer-Weeze und Gevelsberg-Wetter + Ennepetal-Breckerfeld) …
  • … sowie abermals in Bayern (Oberland + Garmisch-Partenkirchen) aktenkundig.

Nun jedoch: Sind binnen kürzester Zeit gleich zwei geplante Zusammenschlüsse spektakulär geplatzt. So hatten wir Ihnen ja eben erst vom gescheiterten Versuch der katastrophal wirtschaftenden Sparkasse Radevormwald-Hückeswagen berichtet, bei der ungleich gesünderen Sparkasse Wermelskirchen anzudocken. Gestern Abend kam dann die Nachricht, dass auch das Fusionsvorhaben der Sparkassen Holstein und Südholstein nicht weiter verfolgt wird.

Dazu muss man wissen: In diesem Fall hätte es sich für Sparkassen-Verhältnisse um einen veritablen Mega-Merger gehandelt. Zusammen wären die beiden Nord-Institute (deren Geschäftsgebiet von Pinneberg unweit Hamburgs bis zur dänischen Grenze gereicht hätte) nämlich auf eine Bilanzsumme von stolzen 13,6 Mrd. Euro gekommen.

Die Gründe für das Scheitern? In einer an ausgewählte Medien versandten Mitteilung der Südholsteiner ist von „Unterschieden“ die Rede, die größer gewesen seien „als ursprünglich erwartet“. Die Holsteiner? Zeigten sich hiervon gestern Abend „irritiert“, wie die „Lübecker Nachrichten“ berichten – zumal der Impuls für den Zusammenschluss ja eigentlich von den Südholsteinern ausgegangen war.

So bleibt der Eindruck, dass das mit den „Unterschieden“ eher wie eine Schutzbehauptung klingt. Denn wie Finanz-Szene im Sommer detailliert nachgewiesen hatte, sind sich die beiden holsteinischen Sparkassen strukturell und bezogen auf die Leistungskennzahlen ja ausgesprochen ähnlich (siehe –> Ein Deep Dive ins Zahlenwerk der geplanten neuen deutschen Groß-Sparkasse). Ungewöhnlich waren eher die Begleitumstände des Vorhabens. Siehe Ende August unser Artikel: –> Drohne vorm Fenster: Fühlte sich Sparkassen-Chef bedroht?

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