Kurz gebloggt

285.000 Kunden und 9 Mrd. Euro Einlagen zu verschenken …

20. April 2021

Von Christian Kirchner

Was sind am deutschen Bankenmarkt knapp 285.000 Retailkunden mit einem aggregierten Einlagenvolumen von 9 Mrd. Euro wert? Die Antwort: In Nullzinszeiten offenbar gar nichts mehr. Oder wie soll man sonst interpretieren, was die niederländische Rabobank da gerade tut? Die nämlich hat auf unsere Anfrage hin nun auch offiziell bestätigt, was wir (siehe unsere Berichte hier und hier) ja bereits gemutmaßt hatten – sprich: dass sie ihr hiesiges Angebot „Rabodirect“ nicht nur nicht weiterführen, sondern mangels Kaufinteressent aller Voraussicht nach schlicht abwickeln wird …

… Nachdem „mit mehreren Parteien“ letztlich erfolglose Gespräche zu einem möglichen Verkauf geführt worden seien, habe man „die proaktive Suche nach einem Käufer“ eingestellt, hieß es gestern wörtlich. Das ist in erster Linie natürlich übel für die Mitarbeiter, die bereits laut Rabobank informiert worden seien.

Aber auch für die Kunden hat es Konsequenzen: Bereits per Ende dieser Woche werden sämtliche Zinsen für Tagesgelder und Spareinlagen radikal von zuvor bis zu 0,2% auf nur mehr 0,01% bis 0,03% gekürzt. Logisch: Warum soll man Kunden, die sich nicht mal mehr verkaufen lassen, noch einen Zins zahlen?

… Was der Rückzug für die Branche bedeutet? Nun, er ist mindestens mal ein Alarmsignal. Und zwar nicht nur für die Banken. Sondern mindestens ebenso sehr für manches Fintech. Denn, um es noch einmal zu betonen: Wir haben es hier mit knapp 300.000 aktiven, rein digital geonboardeten und rein digital versorgten Kunden zu tun, betreut von einem überschaubaren Frankfurter Team. Offenbar ist selbst das zu teuer in Zeiten, in denen man sich einen deutschen Sparer gegen kleine Provision auch bei einem Einlagenbroker wie Raisin oder Deposit Solutions besorgen kann. Plus: Einen solchen Einlagenkunden wird man, wenn er irgendwann vom „Asset“ zur „Liability“ mutiert, auch leichter wieder los.

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