Analyse

Die DKB will zukaufen! Aber wen? Fünf Ideen unsererseits

2. September 2021

Von Christian Kirchner

Mal angenommen, die BayernLB will die DKB wirklich behalten – was, bitteschön, ist dann der Masterplan hinter der derzeit zu besichtigenden Operation „Free DKB“???

Dazu eine kleine Anekdote: Im vergangenen November konfrontierten wir die DKB mit der simplen Feststellung, dass sie ihr selbst gestecktes Kundenziel (acht Millionen bis 2024) im aktuellen Wachstumstempo nie und nimmer wird erreichen können – es sei denn, sie kauft zu. Worauf uns die zweitgrößte deutsche Direktbank ernsthaft entgegenhielt, es gebe „unterschiedliche Skalierungs-Phasen, um die gesetzten Ziele zu erreichen“. Aha. Phasen. Mmmhhh.

Kunden Nettowachstum
2014 3.071.000 271.000
2015 3.251.000 180.000
2016 3.518.000 267.000
2017 3.761.000 243.000
2018 4.074.000 313.000
2019 4.368.000 294.000
2020 4.660.000 292.000
H1 ’21 4.800.000 140.000

Nun, neun Monate später, ist von unterschiedlichen Skalierungs-Phasen nicht mehr die Rede. Stattdessen spricht DKB-Chef Unterlandstättner gegenüber „Bloomberg“ jetzt explizit von Wachstum auch durch „Übernahmen“. Wozu man wiederum wissen muss:

  1. Unterlandstättner betont, dass die DKB nicht in den Bereichen expandiert, in denen sie bereits gutes Geld verdient (Infrastruktur, Firmenkunden) – sondern ausdrücklich in dem Bereich, in dem sie gerne gutes Geld verdienen würde (B2C)
  2. Eine Übernahme jenseits der Grenzen macht nicht wirklich Sinn. Woraus sich, wiederum, …
  3. … ableiten lässt: Unterlandstättner hat diese Woche nicht weniger als eine Übernahme im deutschen Retailbanking angekündigt. Spannend!

Wer könnte infrage kommen? Fünf Ideen unsererseits (ohne dass uns konkrete Kauf- oder Verkaufabsichten bekannt sein würden …):

Norisbank

Die Deutsche Bank hat die Trennung von ihrer operativ seit langem glücklosen Direktbank ja zumindest mal erwogen hat (siehe hier). Am Ende blieb die Norisbank mit ihren 550.000 Kunden dann aber doch Teil des Konzern – Spötter sagen: als umgemalte Postbank-App in anderen Farben.

Was also bringt die Norisbank der Deutschen Bank noch? Die operativen Zahlen verfinstern sich von Jahr zu Jahr, zuletzt betrug das Minus 18 Mio. Euro – und die Funktion des guten, alten Einlagelieferanten für den Treasurer des Mutterkonzerns hat sich in Zeiten überquellender Einlagen überholt. Vom konditionsfrei kostenlosen Girokonto hat sich Norisbank derweil auch verabschiedet, zudem muss sie einen immensen Aufwand bei der Brutto-Neukundengewinnung betreiben, um ihre Kundenzahl überhaupt zu verteidigen.

Sprich: Wenn der Preis stimmt …


Consorsbank

Was wollte die BNP Paribas hierzulande noch mal werden? Ach ja: Eine „führende digitale Retailbank mit mehr als 5 Mio. Privatkunden“. Und zwar bis 2020. So angekündigt im Jahr 2017.

Und, hat’s geklappt? Der Konsumenten-Finanzierer Consorsfinanz stand zuletzt bei „ca. 2 Millionen Kunden“ zu Buche“, die Consorsbank (inklusive DAB Bank) kommt auf 1,84 Millionen.

Von den Consors-Kunden wiederum haben nur 340.000 ein Girokonto (immerhin 30.000 mehr als vor einem Jahr), ist Massenanbieter sind die Nürnberger in dem Beritt also nicht. Stattdessen experimentiert die Consorsbank schon länger mit neuen Kontomodellen (siehe hier), kippt die Girocard (siehe hier) und das Kostenlos-Konto … Kurzum: Es wird also viel gerudert, aber Skaleneffekte dürften sich so zumindest im Kontobereich nicht wirklich einstellen.

Da hätte die DKB doch ganz andere Möglichkeiten, oder?


Degussa Bank

Was für die Degussa Bank spricht: Die steht ja sogar ganz offiziell zum Verkauf. Der Kaufpreis von kolportierten rund 400 Mio. Euro sollte zu stemmen sein (ob er gerechtfertigt wäre, ist freilich eine andere Frage)

Was bekäme die DKB dafür? Eine Bank mit zuletzt 1,3 Mio. Kunden (Nettozuwachs 2020: +108.000), bei der sich aber bilanziell nicht erkennen lässt, ob die Eigentümer – also die auch hinter M.M. Warburg stehenden Familie Olearius und Warburg – mit dem Retail-Kundengeschäft überhaupt irgendwas verdienen. Denn es ist das Immobiliengeschäft, dass die Degussa Bank zuletzt gerade noch gerade so über die Nulllinie hievte (siehe unsere Analyse hier).

Gehen wir mal statt von 400 Mio. Euro von 300 Mio. Euro aus: Das würde bedeuten, dass die DKB 1,3 Mio. Retailkunden zu einem Preis von 230 Euro je Kunde bekäme zuzüglich einer maximal profitable Immobilienfonds-Tochter, die Jahr für Jahr zweistellige Mio-Beträge abwirft. Zum Vergleich: Bei der Einverleibung der Comdirect durch die Commerzbank kamen die Wertgutachter auf einen Preis von 563 Euro je Kunde. Ohne Immo-Fonds!!! Aber dafür natürlich mit hoher Wertpapier -Affinität …

Mal rechnen, lieber Herr Unterlandstättner?


Santander

Die Santander Bank agiert in Deutschland ebenso unauffällig wie erfolgreich – und zwar mittel profitablen Dahinschrumpfens. 2020 sanken die Personaufwendungen 7%, die Sachaufwendungen 10%. Was das operative Ergebnis um 2% auf 444 Mio. Euro steigen ließ.

Nun muss man dazu zweierlei wissen:

  1. Was auch schrumpft, ist die Kundenzahl, wie schon mehrfach herausgearbeitet (siehe hier und hier  und hier). Und …
  2. Das Geld verdient wird bei der Santander im Konsumentenkreditbereich, nicht im Brot- und Butter-Geschäft mit den Girokonten

Von denen (also von den Girokonten) waren zuletzt noch 484.000 übrig. Gemessen an 4,8 Millionen Konten insgesamt. Sprich: 90% der Santander-Konten sind in irgendeiner Form kreditbasiert, nur 10% basieren auf dem Zahlungsverkehr.

Sind die 10% strategisch wichtig? Eher nicht, oder? Zumal die Santander mit der Openbank ja eine alternative oder zumindest zweite Kontomarke in Deutschland zu etablieren versucht.

Zumindest mal anfragen?


1822direkt

Mal angenommen, die Operation„Free DKB“ wäre in einem größeren Sparkassen-Landesbanken-und-wir-schieben-uns-die-Assets-hin-und-her-Kontext zu sehen … Ist ja nicht so, als gäbe es da nichts, was auf den Namen „Retail“ hört. Etwa die zur LBBW gehörende BW Bank. Oder die dem DSGV gehörende Berliner Sparkasse. Die zur Helaba gehörende Frankfurter Sparkasse. Oder die zur NordLB gehörende Braunschweigische Landessparkassen.

Doof nur: Ist halt alles mit Filiale … Ach, nee, upps … Zur Frankfurter Sparkasse gehört ja wiederum die 1822 direkt!!!

Keine Filiale! Faust aufs Auge!! Deckel auf Topf!!! Vulgäranalytisch gesprochen.

Die strategischen Themen der 1822 sind denen einer Norisbank, Degussa Bank oder Consorsbank beileibe nicht unähnlich:

  • Kaum Wachstum (2015 wurden 550.000 Konten und Depots geführt, inzwischen sind 590.000 … wobei wir nicht wissen, wie viel hiervon wirklich aktiv sind – angesichts eines raschen Kommen und Gehens vermutlich viele)
  • Gefühlt zielloses Schrauben am Geschäftsmodell (Wegfall des kostenlosen Kontos und Ende der Neukunden-Manie)
  • Nur 0,9 Mio. Euro Gewinn (so jedenfalls steht’s im 2019er-Geschäftsbericht)

Übernahme die DKB die 1822, wäre das ja in gewisser Weise auch eine Form der Landesbanken-Konsolidierung. Womöglich sogar eine strategisch sinnvolle.

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