Exklusiv

ING Diba setzt nach BGH-Urteil sämtliche Preiserhöhungen aus

28. Juni 2021

Von Christian Kirchner

Die ING Deutschland wird laut Informationen von Finanz-Szene.de alle vom Gebühren-Urteil des BGH erfassten Preiserhöhungen aussetzen. Details wollte die größte Onlinebank des Landes auf Anfrage zwar keine mitteilen – dem Vernehmen nach geht es aber auch im die im Mai 2020 eingeführte Kontoführungsgebühr in Höhe von 4,90 Euro. Von ihr waren diejenigen Kunden betroffen, die nicht mindestens einen Geldeingang von 700 Euro monatlich nachweisen konnten (siehe hier). Darüber hinaus will die ING Diba auch diverse kleinere Gebührenerhöhungen zurückdrehen. So hatte die Oranje-Bank auch per Mai 2021 diverse Leistungen verteuert bzw. neu bepreist (siehe hier). Konkret ging es dabei um …

  • Scheckeinreichungen
  • geplatzte Lastschriften
  • die Ein- und Auszahlungen von Bargeld in den Filialen des Kooperationspartners Reisebank sowie
  • um den Bezug von Bargeld im Ausland

Die Entscheidung der deutschen ING dürfte Signalwirkung für die gesamte Branche haben. Denn: Auch wenn seit der Veröffentlichung der Urteilsbegründung (siehe unser Stück-> „Begründung zum BGH-Urteil bestätigt alle Befürchtungen. Jetzt drohen Rückstellungen!“) kaum noch Zweifel an der Tragweite des Urteils bestehen, schweigen sich viele Banken und Sparkassen zu den konkreten Folgen weiterhin aus. Als Finanz-Szene.de zuletzt einen Fragenkatalog an rund ein Dutzend namhafte Institute schickt, lautete die Antwort, man wolle zunächst die Urteilsbegründung eingehend prüfen (zuvor übrigens hatte es wochenlang geheißen, man müsse die Urteilsbegründung zunächst abwarten …).

Nach dem Vorstoß der ING Deutschland wächst nun aber der Druck auf die Konkurrenz, sich gegenüber den eigenen Kunden und der Öffentlichkeit ebenfalls ehrlich zu machen. In ähnlich weitreichender Weise wie die ING Diba hatte ich bislang nur die Deutsche Bank geäußert. Sie räumte kürzlich ein, dass es ertragsseitig nicht nur um die Rückzahlung bereits erhobener Gebühren geht (das war allgemein erwartet worden), sondern auch darum, dass die entsprechenden Gebühren vorerst nicht mehr erhoben werden dürfen. Siehe unser Stück „BGH-Urteil: Die wahre Dimension des Deutsche-Bank-Geständnisses“. Allem Anschein nach deutet man die Folgen des Urteils innerhalb der ING Diba nun als genauso massiv wie bei der Deutschen Bank.

Verglichen mit vielen Sparkassen und Volksbanken, die von Kontogebühren regelrecht abhängig sind, dürfte der deutschen ING das Aussetzen der Preiserhöhungen deutlich leichter fallen. Weil: Der Gewinn der Direktbank fußt traditionell zu vier Fünfteln auf dem Zinsüberschuss; Gebühreneinnahmen spielen bis dato eine untergeordnete Rolle. Gleichwohl: ING-Deutschland-CEO Nick Jue (hier in unserem Podcast neulich) hatte sich speziell von den 4,90 Euro Kontoführungsgebühr natürlich trotzdem Mehreinnahmen versprochen. Kalkulationen gingen davon aus, dass bis zu 700.000 weitgehend inaktive Kunden die Gebühre berappen würden. Daraus errechnete sich eine theoretisches Ertragspotenzial von maximal 41 Mio. Euro pro Jahr. Zum Vergleich: 2020 erwirtschaftete die ING 835 Mio. Euro an Provisionserträgen.

In der Praxis wäre die Summe allerdings deutlich niedriger ausgefallen – nicht zuletzt, weil betroffene Kunden ihr Konto mit der Zeit kündigen oderes aktiver nutzen. Auch die übrigens Preismaßnahmen (siehe oben) sollten nur kleiner Mehreinnahmen bringen. Die ING hatte stets betont, dass es ihr weniger um die möglichen Erträge gehe, sondern darum, die Kunden zu mehr Aktivität zu bewegen und dazu,  die ING als Hausbank zu nutzen.

Bunq erhöht die Kontogebühren. Aber ist das BGH-konform???

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