"Produkt & Kunde"-Ticker

Alle News rund um „Produkt und Kunde“ aus August & September 2023

In unserem „Produkt und Kunde“-Ticker beschreiben wir, was sich bei Banken und Fintechs an der Schnittstelle zum Kunden so alles tut. 

Hier unser Ticker für August und September 2023:

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Exklusiv: Notbetrieb in Postbank-Filialen wird zum Dauerzustand

Es war der unvermeidliche Kotau. „Wir sind unserer Verantwortung nicht gerecht geworden“, erklärte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing diese Woche beim „Handelsblatt-Banken-Gipfel“ zum IT-Chaos bei der Postbank. Und fügte hinzu: „Wir können uns nur entschuldigen.“ Jenseits der rhetorischen Botschaft war aber vor allem interessant, wie Sewing die tiefgreifenden Probleme bei der gelben Marke zu begründen versuchte. Nämlich weniger mit dem IT-Umzug der Postbank als solchem („Rein technisch ist die Migration ordentlich verlaufen“). Sondern mit fehlenden personellen Kapazitäten („Letztlich haben wir unterschätzt, welches Volumen von Kundenanfragen auf uns zukommt“). An diesem Punkt wird die Argumentation nun allerdings heikel. Denn die große, über die IT-Migration hinausgehende Frage beim Umgang der Deutschen Bank mit den Postbank-Kunden lautet: Was ist Versäumnis? Und was Intention? Konkret: Schon im letzten Dezember hatte Finanz-Szene über den sich häufenden Notbetrieb in den Filialen der Postbank berichtet – ein Phänomen, das damals seitens des Instituts vor allem mit der Erkältungs- und Corona-Welle begründet wurde. Ein dreiviertel Jahr später zeigen weitere Recherchen von Finanz-Szene allerdings: Die vermeintlich saisonalen Probleme sind nicht weniger geworden. Sondern sogar deutlich mehr! Vielerorts scheint der Notbetrieb inzwischen der Dauerzustand zu sein. Was steckt dahinter? Die ganze Geschichte: FS Premium

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Wussten Sie schon?

… dass sich Trade Republic wegen der neuen App (siehe bereits unseren gestrigen Artikel) weiterer Kritik ausgesetzt sieht? Dabei geht es nicht mehr nur um Optik und Usability, sondern um eine voreingestellte Funktion, die sich „Nutzungsdaten teilen“ nennt und möglicherweise gegen die DSGVO verstoßen könnte, wie der Tech-Blog „Basic Thinking“ argwöhnt. Nun wollen wir die rechtliche Bewertung des Vorgangs anderen überlassen. Fest allerdings steht: Tatsächlich gab es in der alten App (wie Finanz-Szene reproduzieren konnte) gar keine entsprechende Funktion. In der neuen App dagegen – war die Einstellung „Nutzungsdaten teilen“ bei unserem Test tatsächlich aktiviert, ohne dass wir selber sie aktiviert hätten. Und das alles eher versteckt unter „Sicherheit & Datenschutz“.

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Verheerendes Feedback nach Relaunch der Trade-Republic-App

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Kurz getickert

  • Der Berliner Neobroker Trade Republic steigt nun doch wieder voll in den Zinswettlauf ein. Zu Jahresbeginn hatte das Milliarden-Fintech die Konkurrenz mit seinem „2% auf Alles“-Zins düpiert – seitdem die Konditionen allerdings nicht mehr verbessert. Nun geht’s gleich auf 4%, und zwar auch diesmal für Bestands- und Neukunden gleichermaßen. Die Strategie dahinter? Wenn man’s wüsste.

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Leser-Blog

Angestellt ist Leser S. zwar bei einer traditionellen Bank – sein Konto oder wenigstens eines seiner Konten führt er allerdings bei der C24 Bank. Und so wirft uns Herr S. nicht einfach nur vor, aus unserem gestrigen Briefing (siehe –> Dark Pattern? Warum es die 4% Zins bei der C24 Bank nicht einfach so gibt) würden „Argwohn“ und eine „recht negative Weltanschauung“ sprechen. Sondern: Er untermauert diese Einschätzung auch mit seiner persönlichen Nutzererfahrung: „Aus Sicht eines Bestandskunden sind die im Artikel beschrieben Schritte idiotensicher und werden einem förmlich aufgedrückt.“ Nicht ganz, aber doch ein wenig in dieselbe Kerbe schlägt Leser A.: Ja, das Vorgehen der Check24-Tochter sei zwar „mistig“. Aber: „Immerhin springt einem das direkt nach dem Einloggen ins Gesicht. Bei Trade Republic musste man die 2% Zinsen im Januar als Bestandskunde ebenfalls aktivieren – dort hatte man sich aber erst mal durchs Menü zu scrollen, um sich dann via AGB-Änderung den Zins zu sichern.“

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Dark Pattern? Warum es die 4% Zins bei der C24 Bank nicht einfach so gibt

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Partner-Blog:

Wie Banken ihre ESG-Scores im Kreditvertrieb strategisch nutzen

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Kurz getickert

  • Die neuen Debitkarten von Visa und Mastercard bereiten vielen Kunden von DKB, ING Diba und anderen Banken offenbar merkliche Schwierigkeiten – diesen Rückschluss lässt jedenfalls eine von Anfang Februar bis Mitte Juli durchgeführte „Marktbeobachtung“ der Verbraucherzentralen zu. Insgesamt meldeten Verbraucher in diesem Zeitraum 1.853 „Probleme“ mit ihrer Bezahlkarte (wobei es meist um fehlende Akzeptanz ging). 94% dieser Fälle betrafen die neuen Debitkarten, verglichen mit lediglich 4% bei der Girocard und 1% bei Kreditkarten. Repräsentativ in dem Sinne, dass sich seriös abschätzen ließe, wie viele Verbraucher insgesamt mit ihrer Debitkarte regelmäßig auf Probleme stoßen, sind die Ergebnisse nicht. Untersuchung im Original (PDF)

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Bafin gegen Deutsche Bank – warum die Postbank-Schelte so massiv ausfällt

Folgt man dem Bild, dass die Deutsche Bank in den letzten Monaten von sich selber malte – dann hat das Privatkundengeschäft endlich die Kurve gekriegt. Die Erträge beginnen zu steigen. Das Kostenproblem wird adressiert. Der Führungswechsel (Karl von Rohr –> Claudio de Sanctis) verlief reibungslos. Die neue Strategie ist in der Mache. Und vor allem, vor allem, vor allem: Die Integration der Postbank, dieser ewige Mühlstein am Hals der Deutschen Bank – sie ist endlich abgeschlossen. Hieß es zuletzt jedenfalls immer … Ein gänzlich anderes Bild von den Zuständen bei der größten Bank der Republik hat nun allerdings gestern Abend die Bafin gepinselt. Übrigens auffälligerweise erst nach Börsenschluss. Was wohl weniger daran lag, dass die Bafin dieser Tage mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen hat (siehe weiter unten). Sondern schlicht der Schwere der Vorwürfe geschuldet ist. Die als „Verbraucher-Rundschreiben“ getarnte und unter gewohnt knorriger Headline („Information der Bafin zu Störungen der Geschäftsabwicklung bei der Postbank – eine Niederlassung der Deutsche Bank AG“) verbreitete Mitteilung hat es nämlich von der ersten bis zur letzten Zeile in sich. Eine Generalabrechnung, wie man sie in dieser Form selten gelesen hat. Was genau wirft die Bafin der Postbank vor? Und warum fallen die Anschuldigungen so massiv aus? Unsere große Analyse: FS Premium

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Die Integration der Postbank soll abgeschlossen sein? Von wegen …

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Targobank bereitet Launch eines neuen Retail-Brokers vor

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Exklusiv: DAB verrechnet sich bei Depot-Zinsen

Bei der DAB BNP Paribas (also jener Depotbank, bei der unter anderem die Konten der „Smartbroker“-Kunden liegen) ist es bei der Berechnung fälliger Zinsen jüngst zu einer Panne gekommen. Hintergrund: Die Berechnung diverser Depotposten (etwa bei Wertpapierkrediten) fußt auf dem sogenannten Basiszins der Bundesbank – welcher zum 1. Januar erstmals seit über zehn Jahren wieder in den positiven Bereich gestiegen war, und zwar auf 1,62%. Im ersten Halbjahr vergaß die DAB nun allerdings augenscheinlich bei einem Teil ihrer Kunden, jenen Anstieg einzuberechnen. Entsprechend musste die Differenz im Juli nacherhoben werden, wie aus einem Finanz-Szene vorliegenden Kundenanschreiben hervorgeht. Laut einem DAB-Sprecher waren „weniger als ein halbes Prozent“ der Kunden betroffen, die Korrektur sei bereits automatisch erfolgt, „ohne, dass den Kunden dadurch ein Schaden entstanden ist“.

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Kurz getickert

  • Zinsschlacht I: Die C24 Bank erreicht als erstes Institut die Schallmauer von 4% beim Tagesgeld und bietet diesen Zinssatz ab 1. September bis 100.000 Euro an, garantiert bis zum Jahresende.
  • Zinsschlacht II: Der Neobroker Scalable Capital zog Anfang vergangener Woche bei 4% gleich, allerdings unter anderen Bedingungen: Neukunden im Premium-Brokermodell Prime+ erhalten bis Dezember 2023 bei mindestens vier Transaktionen einen Gesamtzins von 4% auf neue Einlagen, bestehend aus 2,6% Basiszins und 1,4% Bonuszins…
  • Zinsschlacht III: Auch die IKB bietet nun 4% auf Tagesgeld für Neukunden bis 100.000 Euro, …
  • Zinsschlacht IV: … während sich die Bank11 mit 4,01% (bis maximal 250.000) Euro vorläufig an die Spitze setzt
  • Die Genossenschaftsbanken wollen Stück für Stück auf Bezahlkarten aus Holz statt Plastik umsteigen und haben dazu eine eigene Tochterfirma namens Copecto gegründet. (HB)
  • Bei der Kiosk-Bank Nickel wächst der Bestand an Partnershops langsam, aber stetig: Inzwischen listet die BNP-Paribas-Tochter 86 Verkaufsstellen in Deutschland.

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Kurz getickert

  • Das durchschnittliche Girokonto hierzulande kostet laut „Finanztest“ derzeit 117 Euro pro Jahr. Von 175 untersuchten Kreditinstituten bieten nur noch neun ein Gratiskonto an (im Vorjahr waren es noch zwölf). Der Maximalbetrag für die Kontoführung liegt den Verbraucherschützern zufolge bei 307,86 Euro.
  • Mit einem Lockangebot von 4,0% durchbricht die C24 Bank (also die Tochter von Check24) als erstes hiesiges Geldinstitut die 4%-Marke beim Tagesgeld.
  • Update von Klarna: Die Schweden planen ein Tagesgeld-Angebot für den deutschen Markt

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Sämtliche „Produkt & Kunde“-News von Mai bis Juli

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