Analyse

Zwei Banken, ein Produkt: Die Copycat-Moves von ING und DKB

4. November 2021

Von Christian Kirchner

Glaubt man der ING Diba, dann ist die Girocard ein ganz hervorragendes Bezahlmittel. Oder genauer: Sie war es. Nämlich bis vorgestern. „Überall in Deutschland“ sei die Girocard „eine gern gesehene Karte – egal, ob beim Bäcker um die Ecke, im Supermarkt oder im Parkhaus.“ So konnte man es bis vorgestern auf der ING-Diba-Website lesen. Oder, noch so ein Zitat: „Geldabheben mit der Girocard: Kostenlos in vielen Supermärkten teilweise schon ab einem Einkaufswert von 5 Euro.“ Und noch eins: „Wenn in Ausnahmefällen in Deutschland mal keine Visa Card akzeptiert wird, zahlen Sie ganz einfach mit Ihrer Girocard –  natürlich auch kontaktlos.“

Indes, wie gesagt: Das war vorgestern. Dann jedoch: Verschwanden die lobhudelnden Sätze allesamt von der ING-Diba-Website. Während parallel ein neues Preis-Leistungs-Verzeichnis auftauchte, laut dem die bislang kostenlose Girocard in Zukunft 99 Cent im Monat kosten soll (siehe unser gestriger Scoop).

Nun sind wir nicht die Interessenvertretung der Girocard; und auch nicht die Verbraucherzentrale Hessen. Sondern, wir wollen auf was ganz anderes hinaus: Haben wir die quasi identische „Bepreisung + Madigmachung der Girocard“-Aktion nicht vor wenigen Tagen erst bei einer anderen führenden Retailbank erlebt, nämlich bei der DKB? Und ist das nicht komisch, wenn die zwei größten deutschen Direktbanken binnen Tagen ein und denselben Schritt gehen?

Nun: Komisch – vielleicht. Aber: Überraschend – keineswegs. Die Produktstrategien von DKB und ING Diba haben sich inzwischen nämlich erstaunlich stark angeglichen. Und krasser noch: Dauerte es ehedem Jahre, bis der eine tat, was der andere schon getan hatte, wurden es irgendwann Monate, dann nur noch Wochen – und nun sind wir bei Tagen angelangt.

Glauben Sie nicht? Hier die Top 5 der ING-DKB-Copycat-Moves, sortiert nach dem Dauer zwischen den Schritten.

1.)  Incentivierung für aktive Kontonutzung

  • DKB: 1. Dezember 2017: „Aktivkundenstatus“ ab 700 Euro Geldeingang/Monat, Quelle
  • ING: 6. Februar 2020: Gebühr von 4,90 Euro/Monat bei unter 700 Euro Geldeingang/Monat, Quelle

Abstand zwischen den beiden Maßnahmen: 2 Jahre und 3 Monate



2.) Reduktion Erreichbarkeit Kundenservice am Telefon um rund 60 Prozent

  • DKB: April 2020 von 24 Stunden / 7 Tage pro Woche auf Mo-Fr 7 bis 19 Uhr, Quelle
  • ING: Anfang August 2021 von 24 Stunden / 7 Tage pro Woche auf Mo-Sa 8 bis 19 Uhr, Quelle: Webarchive.org / eigene Recherchen

Abstand zwischen den beiden Maßnahmen: 1 Jahr und 4 Monate



3.) Verwahrentgelt für Bestandskunden

  • ING: 28. Juni 2021; -0,5% ab 50.000 Euro (individuell vereinbart); Quelle
  • DKB: 25. August 2021; -0,5% ab 50.000 Euro (individuell vereinbart); Quelle

Abstand zwischen den beiden Maßnahmen: knapp 2 Monate



4.) Verwahrentgelt für Neukunden

  • ING: 4. November 2020; -0,5% ab 100.000 Euro; Quelle
  • DKB: 3. Dezember 2020; -0,5% ab 100.000 Euro; Quelle

Abstand zwischen den beiden Maßnahmen: 29 Tage



5.) Bepreisung + Optionalisierung der Girocard

  • DKB: 26. Oktober 2021: 0,99 Euro pro Monat (Neukunden); Quelle
  • ING: 2. November 2021; 0,99 Euro pro Monat, Quelle

Abstand zwischen den beiden Maßnahmen: 7 Tage.



Was sagen die beiden Banken selbst dazu?

  • ING: „Bezüglich unseres angebotenen Produkt- und Serviceportfolios orientieren wir uns nicht an einzelnen Wettbewerbern.“
  • DKB: „Ob, wann und zu welchen Bedingungen wir Produkte einführen bzw. verändern, ist gesondert vom Wettbewerb zu betrachten“

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