Exklusiv

Die Solarisbank hat jetzt mehr als eine Million Konten

1. Februar 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Knapp fünf Jahre nach ihrer Gründung hat die Berliner Solarisbank die Marke von einer Million Kundenkonten überschritten. Wie Chief Commercial Officer Jörg Diewald im Interview mit Finanz-Szene.de erläuterte, ist die Zahl vor allem in den zurückliegenden Monaten regelrecht explodiert. „Für die ersten 400.000 Endkundenkonten haben wir ungefähr vier Jahre gebraucht, jetzt sind binnen eines guten halben Jahres weitere 600.000 hinzugekommen.“

Die Solarisbank tritt bekanntlich nicht selber im Endkunden-Geschäft auf, sondern liefert die Infrastruktur für „Frontend“-Player wie die Business-Banking-Spezialisten Penta und Kontist oder die N26-Herausforderer Tomorrow und Vivid Money. Zu den Kunden gehört darüber hinaus der Berliner Neobroker Trade Republic, um den in den vergangenen Monaten ein regelrechter Hype entbrannt ist.

Als Depotbank von Trade Republic fungiert zwar HSBC, die Depot-Verrechnungskonten liegen allerdings bei der Solarisbank. Insofern dürfte die Mehrzahl der eine Million Konten mittlerweile Trade-Republic-Kunden zuzuschreiben sein (siehe unsere Analyse hier), was die die Explosion der vergangenen Monate vielleicht nicht relativiert, aber zumindest greifbarer macht.

Vorstand Diewald sieht in den Zahlen einen Beleg, dass das Geschäftsmodell des „Banking as a Service“-Spezialisten tatsächlich trägt: „Das Thema Skalierung ist für uns extrem wichtig. Die Entwicklung der Endkundenkonten zeigt, dass unsere Plattform für schnell wachsende Geschäftsmodelle wie die unserer Partner hervorragend geeignet ist.“

Die große Frage lautet nun: Wie hat sich die Explosion bei den Konten auf die GuV der Solarisbank ausgewirkt? 2019 hatte der Whitelabel-Spezialist Erträge in Höhe von 28,1 Mio. Euro erwirtschaftet und im Prognosebericht für 2020 ein „signifikantes Wachstum“ in Aussicht gestellt.

Branchenkenner gehen davon aus, dass die Solarisbank pro Konto im Schhnitt irgendwas um die 25 bis 50 Euro jährlich generieren dürfte – jedenfalls wenn man neben der eigentlichen Provision auch etwaige Zinseinnahmen und mögliche Interchange-Gebühren, die im Kartengeschäft anfallen, mit einbezieht. Annualisiert käme man dann allein aus dem Kontengeschäft auf Erträge zwischen 25 und 50 Mio. Euro. Allerdings: Aus dem Bauch heraus würden wir vermuten, dass pro Depot-Verrechnungskonto wie bei Trade Republic weniger hängen bleibt als pro Zahlungsverkehrskonto wie zum Beispiel bei Penta. Diewald wollte sich zu diesem Thema nicht äußern und verwies auf die noch ausstehende Veröffentlichtung der 2020er-Zahlen.

Ob die Solarisbank mit ihrem B2B2C-Modell letztlich besser fährt als der Berliner Rivale N26, der die Kunden direkt anspricht und bei dem inzwischen sieben Millionen Menschen ein Konto halten, wird sich über die nächsten Jahre zeigen (siehe hierzu auch unseren Head-to-Head-Vergleich zwischen den beiden Berliner Vorzeige-Fintechs aus dem vergangenen Jahr). Während die Kehrseite des N26-Modells im immens hohen Cashburn liegt (und darin, dass es zumindest außerhalb Kontinentaleuropas eine ganze Reihe von sehr starken Playern gibt, die ein fast identisches Modell verfolgen), ist es bei der Solarisbank die Abhängigkeit vom Erfolg der Partnerbanken.

Skalieren die Partnerbanken zu wenig, drohen sie im schlimmsten Fall aus dem Markt auszuscheiden. Skalieren sie hingegen so stark, wie das beispielsweise Trade Republic zuletzt getan hat, stellt sich die Frage, ob die Partner nicht irgendwann eine eigene Banklizenz anstreben und sich somit von der Solarisbank lösen könnten (so wie sich N26 einst nach Erhalt der Banklizenz von seiner Whitelabel-Bank Wirecard löste).

Diewald zeigte sich im Finanz-Szene-Interview zuversichtlich, dass es dazu nicht kommen werde: „Natürlich besteht grundsätzlich die Möglichkeit, dass einer unserer Partner irgendwann eigene Wege geht. Die Gründung einer Bank mit einer eigenen Lizenz ist allerdings erstens kein triviales Thema. Und zweitens vertraue ich auf unsere Stärke, dass wir aufgrund von Plattform-Effekten unsere Dienstleistung immer günstiger werden anbieten können, als wenn ein Frontend-Spezialist das selber macht.“

Für das laufende Geschäftsjahr kündigte Diewald hierzulande eine „stärkere Fokussierung auf die Bestandspartner“ an. Wie am Freitag berichtet, hatte die Solarisbank zum Jahreswechsel den bisherigen „Managing Director Lending“ Krishna Chandran in die erweiterte Geschäftsführung berufen, um den entsprechenden Bereich „Partnerships“ zu leiten. Expandieren will die Solarisbank vor allem im Ausland. „Im zweiten Halbjahr wollen wir in Italien, Spanien und Frankreich mit lokalen IBANs live gehen“, sagte Diewald.

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