„Fintech-Frauen“-Serie (III)

Hier kommt: Delia König, Managing Director bei der Solarisbank

14. Mai 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Stimmt schon: In der deutschen Fintech-Branche herrscht ein krasses Männer-Übergewicht. Was aber nicht bedeutet, dass das auf alle Zeiten so bleiben muss. In unserer Serie „Hier kommen die Fintech-Frauen“ stellt Finanz-Szene.de jeden Tag eine spannende Managerin oder eine aufstrebende Mitarbeiterin eines deutschen Finanz-Startups vorstellen. Heute, Teil III:

Delia König, 28 Jahre

Delia König, Solarisbank

Ich bin:

Managing Director der „Identity Unit“ der Solarisbank

Das heißt?

Ich entwickle mit meiner Unit Lösungen zur Identifizierung von Privat- und Geschäftskunden für Finanzdienstleistungen (KYC). Dabei setzen wir auf innovative Prozesse, um das Kunden-Onboarding so reibungslos wie möglich zu gestalten und dabei 100% compliant zu sein. Aktuell werden unsere Prozesse von Fintechs wie Tomorrow, Kontist oder Penta, aber auch von größeren (digitalen) Playern wie Otto oder Banken besonders im Volksbanken-Umfeld genutzt.

Vorher war ich:

Während und nach meinem Wirtschaftsinformatik-Studium an der Uni Münster habe ich bei der Unternehmensberatung zeb als IT-Consultant gearbeitet. Nach etwas mehr als zwei Jahren beschloss ich, meine Erfahrungen zu nutzen, um mich selbständig zu machen. Der Aufbau eines Startups zu Beginn meiner Karriere hat mich extrem geprägt und schließlich auch meinen Weg in die Fintech-Welt geebnet. Nach einer Station als Product Lead bei Bergfürst wechselte ich zur Solarisbank und bin seit 2018 Managing Director.

Wenn ich nicht in der Fintech-Branche gelandet wäre, dann …

… mit Sicherheit in einem anderen Bereich, der von digitaler Disruption geprägt ist. Mir macht es unglaublich Spaß, kundenzentriert zu arbeiten, smarte Produkte zu bauen und alte Denkweisen und Vorgehen herauszufordern.

Warum arbeiten nicht mehr Frauen in der deutschen Fintech-Branche?

Ich nenne einen der Gründe dafür mal salopp „Double Trouble“, da sich sowohl die Tech- als auch die Finanzbranche in Deutschland durch eine geringe Dichte von weiblichem Führungspersonal auszeichnen. Ich kann aus persönlicher Erfahrung sagen, dass für mich Unternehmen als Arbeitgeber attraktiver werden, wenn ich dort diverse Teams vorfinde. Es zeigt einfach, dass Gleichberechtigung ernst genommen wird. Gleichzeitig führt das natürlich zu einem Teufelskreis, bei dem sich nur wenige Frauen auf wenig-diverse Teams bewerben, die somit dann natürlich auch nicht diverser werden. Es bedarf hierfür also mutiger Pionierinnen, die sich auch in schwierigeren, weniger diversen Umfeldern zurechtfinden und durchsetzen können.

Was muss sich ändern, damit es in 2-3 Jahren deutlich mehr sein werden als heute?

Ich persönlich glaube, dass unsere Branche noch viel zu sehr in engstirnigen alten Denkmustern arbeitet. Management-Positionen werden nach Stereotypen ausgerichtet, von denen angenommen wird, dass sie das Unternehmen nach vorne bringen. Ein gutes Beispiel dafür finde ich immer das in Stellenbeschreibungen typische „x Jahre Branchenerfahrung“. Solche Schablonen führen einerseits dazu, dass gewisse Positionen nur mit einer „eralterten“ Seniorität besetzt werden, und andererseits dazu, dass nicht über den Branchen-Tellerrand hinausgeschaut wird. Das führt auf lange Sicht dazu, dass immer wieder die gleichen Profile nach oben gestellt werden.

Wichtig ist mir, dass wir als Branche mutig sind, auch Talente zu fördern, die ein nicht ganz so typisches Profil haben, da sie beispielsweise aus einer anderen Branche kommen oder nicht den vermeintlich typischen Werdegang haben. Das erweitert den Pool möglicher Führungskräfte und führt auch dazu, dass Führung diverser werden kann.

Zudem sind gute Netzwerke entscheidend. Ich sehe immer wieder, dass Frauen-Netzwerke (noch) nicht auf dem Level sind, wo sie sein könnten. Daran arbeiten auch in der Fintechbranche bereits viele tolle Frauen, aber es wird sicherlich noch ein paar Jahre dauern, bis die Breite davon profitiert.

Diese Fintech–Managerin finde ich inspirierend:

Für mich ist DAS weibliche Gesicht der Branche Miriam (Wohlfahrt). An ihr bewundere ich, dass sie sich nicht nur für das Thema Diversity sondern auch für viele Themen rund um Digitalisierung und Bildung einsetzt. Inspirierende Führungskräfte findet man aber nicht immer nur an der Spitze von Unternehmen. Ich kenne viele tolle Frauen, auch bei der Solarisbank, die mich tagtäglich durch ihr Talent, ihren Drive und ihr Wissen inspirieren. Dafür bedarf es keines C-Titels.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing