„Fintech-Frauen“-Serie (IX)

Hier kommt Noor van Boven, Chief People Officer bei N26

1. Juni 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Stimmt schon: In der deutschen Fintech-Branche herrscht ein krasses Männer-Übergewicht. Was aber nicht bedeutet, dass das auf alle Zeiten so bleiben muss. In unserer Serie „Hier kommen die Fintech-Frauen“ stellt Finanz-Szene.de jeden Tag eine spannende Managerin oder eine aufstrebende Mitarbeiterin eines deutschen Finanz-Startups vorstellen. Heute, Teil IX:

Noor van Boven, 43 Jahre

Ich bin:

Chief People Officer bei N26

Das heißt?

In meiner Funktion verantworte ich alle Personalthemen bei N26. Gemeinsam mit meinem Team kümmere ich mich strategisch um die Frage, wie N26 als Unternehmen zukünftig aussehen soll. Hierzu gehört die Entwicklung der Unternehmenskultur, das Verankern der Unternehmenswerte und – besonders wichtig – es unseren Teams zu ermöglichen, jeden Tag das beste Ergebnis zu erzielen.

Vorher war ich:

Vor meinem Start bei N26 war ich VP People bei SoundCloud und habe die Bereiche Recruiting, sowie Talent- und Organisationsentwicklung bei TomTom geleitet. Darüber hinaus habe ich als HR Business Partner für verschiedene internationale Tech-Unternehmen gearbeitet, unter anderem für Dell. Insgesamt habe ich 15 Jahre Erfahrung im Personalbereich, insbesondere im Aufbau, Skalierung und Transformation von Organisationen.

Wenn ich nicht in der Fintech-Branche gelandet wäre, dann …

… wäre ich trotzdem in der B2C-Branche tätig. Ich mag es bei einem Unternehmen zu arbeiten, das einen echten Einfluss auf das tägliche Leben der Menschen hat. N26 bietet mir die Möglichkeit Menschen dabei zu unterstützen, ihre Finanzen besser zu managen und ihnen so einen positiveren Umgang mit dem Thema Geld zu ermöglichen. Außerdem arbeite ich gerne für Produkte, die ich auch persönlich nutze und deren Einfluss ich in meinem direkten Umfeld täglich sehe und erlebe.

Warum arbeiten nicht mehr Frauen in der deutschen Fintech-Branche?

Ich finde den Mangel an Diversität unter den Führungskräften in der Finanzindustrie insgesamt beunruhigend. Diese Branche beeinflusst nicht nur unsere persönlichen Finanzen, sie ist auch einer der wichtigsten Bestandteile unserer Wirtschaft und ein entscheidender Faktor für die gesellschaftliche Stabilität. Eine größere Diversität in Führungsebenen ist kein nice-to-have, sondern von zentraler Bedeutung für den zukünftigen Erfolg der Finanzbranche. Dieser Wandel wird Zeit brauchen. Es ist nicht einfach in eine wenig diverse Branche einzusteigen und mit der Erwartung konfrontiert zu werden, nun ein Treiber des Wandels zu sein. Es ist aber ermutigend zu sehen, dass insbesondere Fintechs die Diversität in Führungspositionen aktiv fördern.

Was muss sich ändern, damit es in 2-3 Jahren deutlich mehr sein werden als heute?

Generell müssen wir die Möglichkeiten, die die Finanzbranche bietet, deutlicher hervorheben. Wir sollten aber auch den sozialen Einfluss von Finanzdienstleistungen auf unsere Gesellschaft stärker kommunizieren. Auch wenn die meisten, die heute im Finanzbereich arbeiten, nicht mehr für eine Rolle in “The Wolf of Wall Street” infrage kämen, verbinden trotzdem viele Menschen die Themen Geld und Macht eng mit der Finanzindustrie. Die Branche muss daher stärker betonen, welche Rolle Finanzen in unserer Gesellschaft und in unserem täglichen Leben spielen. Dann werden Finanzunternehmen als Arbeitsplatz auch wieder attraktiver für Frauen.

Diese Fintech-Managerin  finde ich inspirierend:

Darf ich einen Manager nennen? Pieter van der Does, CEO und Co-Founder von Adyen. Ich habe ihn zwar noch nicht persönlich getroffen, habe die Entwicklung des Unternehmens aber immer mit großem Interesse verfolgt. Es ist beeindruckend, dass er zwei erfolgreiche Unternehmen aufgebaut hat – jeweils mit demselben vierköpfigen Gründerteam und denselben ersten vier Mitarbeitern, zunächst Bibit, dann Adyen. Das zeugt von großer Führungsstärke. Die Mitarbeiter beschreiben die Unternehmenskultur als offen, ehrlich und menschlich. Das finde ich sehr sympathisch – was aber auch daran liegen mag, dass Pieter und ich den gleichen niederländischen Background haben.

Wenn ich Pieter einen Rat geben könnte: Gerade startete die erste Frau in Führungsteam von Adyen. Das ist ein guter erster Schritt zu einem diverseren Top-Management-Team.

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