Kurz gebloggt

Eine Münchner Bank zwischen Bafin-Rüffel, Weltsparen und Creditshelf

24. November 2021

Von Heinz-Roger Dohms und Christian Kirchner

Frei nach Tolstoi* wollen wir heute einfach mal behaupten, dass alle gewöhnlichen Banken einander gleichen, jede ungewöhnliche Bank jedoch auf ihre eigene Weise ungewöhnlich ist.

Womit wir auch schon beim Bankhaus Obotritia wären, dessen Geschäftsmodell wir nach flüchtiger Lektüre des Geschäftsberichts so deuten, dass das in München (Ausfallstraße, viertes Obergeschoss) ansässige Institut über das Berliner Fintech Raisin („Weltsparen“) Einlagen einsammelt, dieses Geld dann – unter anderem – in „Megatrends“ investiert, dabei allerdings einen beträchtlichen Teil der via Raisin eingesammelten Mittel aus uns nicht ersichtlichen Gründen frohgemut bei der EZB ablädt (wobei: Auch das Abladen von Geld bei der EZB ist ja in gewisser Hinsicht ein Megatrend …).

Belegzitate:

  1. „Die Refinanzierung des Kreditgeschäftes ist weitestgehend fristenkongruent und erfolgte im Berichtsjahr 2020 über die Plattform Weltsparen/Raisin.“
  2. „Erfreulich verlief der Aufbau des Eigengeschäfts im Depot A […] in den Branchen Home-Entertainment, erneuerbare Energien, Kliniken u.a […] Durch den Aufbau […] wird das Bankhaus auch an weiteren Wertsteigerungen an den Aktienmärkten […] partizipieren können […] Mit weiterem Aufbau […] wird hinsichtlich der Auswahl der Emittenten auch auf künftige Entwicklungen und Veränderungen sowie Megatrends Wert gelegt.“
  3. „Hinsichtlich des Einlagenwachstums wurden die gesetzten Ziele […] deutlich übertroffen. Entsprechend betrug das Guthaben bei der Zentralbank zum Jahresende […] EUR 47,3 Mio. und damit deutlich mehr wie im Vorjahr, diese erfreuliche Entwicklung erhöhte jedoch auch die Provisionsaufwendungen für die Hereinnahme der Einlagen.“

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Nun lässt sich über das Bankhaus Obotritia natürlich noch viel mehr erzählen als das, was wir bis hierhin schon erzählt haben, etwa …

  • Hinter der Bank steht mittelbar der Immobilien-Investor und frühere Staranalyst Rolf Elgeti
  • Das Bankhaus Obotritia gehört zur Obotritia Capital KGaA, die im Gegensatz zum Bankhaus Obotritia über eine Website verfügt
  • Besagte Website wird von dem Zitat „Klein uns Häuflein, wild unser Blut“ geschmückt
  • Die Obotritia Capital KGaA steht nicht nur hinter dem Bankhaus Obotritia, sondern auch hinter der Hevella Capital KGaA
  • Bei besagter Hevella Capital KGaA handelt es sich um die größte Aktionärin der Frankfurter Kreditplattform Creditshelf
  • Rolf Elgeti ist Aufsichtsratsvorsitzender von Creditshelf
  • Das Bankhaus Obotritia investiert nicht nur in Aktien und EZB-Guthaben, sondern auch in Immobilienfinanzierungen sowie in Unternehmenskredite
  • Diese Unternehmenskredite werden laut Geschäftsbericht „über eine Kreditvermittlungsplattform hereingenommen“
  • Bei dieser Plattform dürfte es sich um Creditshelf handeln – jedenfalls ordnet der Creditshelf-Geschäftsbericht dem Bankhaus Obotritia für das Jahr 2019 ein „angekauftes Volumen“ in Höhe von 12,2 Mio. Euro und für 2020 in Höhe von 7,4 Mio. Euro zu (wobei sich die angekauften Volumina sämtlicher Investoren, die als „nahestehende Unternehmen über den Aufsichtsratsvorsitzenden Rolf Elgeti“ klassifiziert werden, sogar auf 93,7 Mio. bzw. 54,5 Mio. Euro summieren)

… jedenfalls: All das wollten wir Ihnen heute Morgen eigentlich gar nicht erzählen, sondern hierauf sind wir bei einer kleinen Internet-Recherche gestern Nachmittag eher zufällig gestoßen. Was wir Ihnen eigentlich erzählen wollten, das ist, dass die Bafin dem Bankhaus Obotritia gestern einen ziemlich heftigen öffentlichen Rüffel verpasst hat. Wir zitieren:

  • „Die BaFin hat am 13. September 2021 gegen das Bankhaus Obotritia GmbH die Sicherstellung der ordnungsgemäßen Geschäftsorganisation angeordnet.“
  • „Das Institut hatte gegen die Anforderungen an eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation im Sinne des § 25a Absatz 1 Satz 3 Nrn. 1 bis 3 und § 25b Kreditwesengesetz (KWG) verstoßen.“
  • „Die Anordnung zur Sicherstellung der ordnungsgemäßen Geschäftsorganisation basiert auf § 25a Absatz 2 Satz 2 KWG.“

Vom Bankhaus Obotritia war gestern Nachmittag zunächst keine Stellungnahme zu erhalten; sobald uns eine Stellungnahme vorliegt, werden wir diese ergänzen.


* In der Ursprungsfassung der Artikel hatten wir das Zitat peinlicherweise Dostojewski zugeordnet. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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