Podcast (#49)

Herr Blessing, sind Banker gute Fintech-Investoren?

24. Januar 2022

Von Christian Kirchner

Eine Megaübernahme. Eine Finanzkrise. Eine Teilverstaatlichung. Eine Eurokrise. Zwei milliardenschwere Kapitalerhöhungen. Das Ende der Zinsen. Und die ein oder andere unternehmerische Nahtod-Erfahrung.

Mit dem, was Martin Blessing in seiner achtjährigen Amtszeit (2008-2016) als Vorstandschef der Commerzbank erlebt hat, hätte man gut und gerne zwei bis drei CEO-Leben füllen können. Einzig mit Fintech hatte der gute Mann eigentlich nie was am Hut. Meint man jedenfalls so zu erinnern – und täuscht sich! Denn selbst da gibt es einen Bezug: In die Blessing-Ära fiel nämlich auch (2014!) die Gründung der CommerzVentures – also jenes hauseigenen Risikokapitalfonds, der bei seinen Fintech-Investments seit Jahren ein derart sichere Händchen beweist, dass er Blessings Nach-Nachfolger (also Herrn Knof) heutzutage mitunter die Quartalsergebnisse rettet.

Als sich Martin Blessing nach seinem Ausscheiden bei der UBS, wo er von 2016 bis 2019 das Schweiz-Geschäft geleitet hatte, der Fintech-Branche zuwandte, tat er das also – gegenteiligen Meinungen zum Trotz – durchaus mit einer gewissen Street Credibility. Und so überraschte nur auf den ersten Blick, dass der Vollblutbanker mit seinem „European FinTech IPO Company 1“ genannten Fintech-SPAC beim Börsengang vor zehn Monaten die stolze Summe von 382 Mio. Euro einsammelte. Dann allerdings geschah Wunderliches. Denn: Das Wesen eines Fintech-SPACs (das Kürzel steht für „Special Purpose Acquisition Company“ und lässt sich mit „Börsenmantel“ übersetzen) sollte es ja eigentlich sein, mit dem eingeworbenen Geld ein Finanz-Startup zu erwerben. Doch stattdessen: Will Blessing mit seinem Vehikel – vorbehaltlich der Zustimmung der Investoren – nun einen niederländischen Medienkonzern namens Azerion ummanteln.

Ist der frühere Coba-Chef bei seiner Suche nach einem spannenden Fintech also nicht fündig geworden? Sind die Bewertungen in der Branche möglicherweise so übertrieben, dass man sein Geld inzwischen besser anderweitig investiert? Oder ist es am Ende so, dass man als Banker von Fintechs vielleicht doch besser die Finger lässt?

Über all das und etliche andere Fragen, die sich momentan an der Schnittstelle von alter und neuer Finanzwelt stellen, haben wir für die heutige Folge von „Finanz-Szene – Der Podcast“ mit Martin Blessing gesprochen. Auf geht’s:

Darüber haben wir gesprochen:

  • Was Blessing in den letzten Jahren gemacht hat
  • Warum Blessings SPAC kein Fintech zum Kauf fand
  • Was genau das Zielunternehmen Azerion macht
  • Wie Blessing die zuletzt dramatisch steigenden Bewertungen vieler Fintechs beurteilt
  • “CommerzVentures” – und die Beteiligungen an Marqeta, Mambu und Co.
  • Warum die Online-Banken nicht mehr Marktanteile gewinnen
  • Branchentrends
  • Wo Blessing noch Lücken sieht im Fintech-Angebot

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