Solarisbank verdreifacht Provisionserträge – und gewinnt Auslandskunden

26. Februar 2021

Von Heinz-Roger Dohms und Caspar Schlenk

Die Solarisbank kann ihre ambitionierten Ziele allmählich auch mit entsprechenden Ertragszahlen untermauern. Im Geschäftsjahr 2020 kam der „Banking as a Service“-Spezialist auf Gesamterträge in Höhe von 35 Mio. Euro, wie aus vorläufigen Zahlen hervorgeht, die das Fintech gestern veröffentlichte. Im Vergleich zum Vorjahr entsprach dies einer Steigerung von 83% (um etwaigen Leserbriefen der Bilanz-Aficionados vorzubeugen: Die Solarisbank definiert „Gesamterträge“ als Summe aus Zinsergebnis, Provisionserträgen und sonstigem betrieblichem Erträgen. Über die Sinnhaftigkeit dieser Berechnungsmethode mag man streiten.)

Bedeutender als die schiere Summe von 35 Mio. Euro erscheint uns, dass fast drei Viertel hiervon dem Provisionsgeschäft entstammten – also Aktivitäten, die gemeinhin als nachhaltiger und weniger risikoreich gelten als das Zinsgeschäft. Tatsächlich gelang es der Solarisbank, die Erträge  in diesem Bereich von 8,3 Mio. auf 25 Mio. Euro glatt zu verdreifachen. Aus dem im Vorjahr deutlich hochgefahrenen Zinsgeschäft kamen dagegen nur noch 18% der der Gesamterträge (verglichen mit 30% in 2019). Für das laufende Geschäftsjahr kündigte die Solarisbank derweil an, ihre Einnahmen „um mindestens 50% zu steigern“.

Bei aller positiven Wachstumsdynamik: Von ihrem einstigen (aber längst revidierten) Ziel, im Geschäftsjahr 2020 bereits schwarze Zahlen zu schreiben, war die Solarisbank bemerkenswert weit entfernt. So summierte sich der Verlust auf 27 Mio. Euro verglichen mit 23 Mio. Euro ein Jahr zuvor. Ob das ein Grund zur Sorge ist? Schwer zu sagen: Offenkundig jedenfalls ist, dass die Solarisbank – angefacht durch das 60-Mio.-Euro-Funding im vergangenen Sommer – längst einen brachialen Wachstumskurs fährt und Verluste billigend in Kauf nimmt.

Das zeigt sich auch am Ausbau der Belegschaft auf mittlerweile mehr als 400 Beschäftigte. Und es zeigt an der für dieses Jahr geplanten Expansion nach Frankreich, Spanien und Italien. In Frankreich übrigens, so ist dortigen Medien zu entnehmen, hat die Solarisbank bereits den ersten Kunden gewonnen. Es handelt sich um die Challenger-Bank Helios, nach unserem Verständnis vergleichbar mit Tomorrow hierzulande.

Ausführlicher mit den Solarisbank-Zahlen werden wir uns übrigens beschäftigen, wenn irgendwann in den nächsten Monaten der komplette Geschäftsbericht vorliegt; die gestern zur Verfügung gestellten Zahlen waren doch eher bruchstückhaft (oder anders gesagt: Viel mehr als das, was wir hier verwendet haben, haben wir auch nicht gekriegt)

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