02/09/20: Haspa, Auxmoney, Web ID, DWS, Ratepay, Hypatos

2. September 2020

Ob Sie uns das glauben oder nicht, liebe Sparkässler – aber eigentlich hätten wir es für heute sehr gern bei der obigen Erfolgsmeldung belassen. Dummerweise allerdings hat der nach Bilanzsumme größte Vertreter Ihrer Zunft, nämlich die Haspa, just gestern die Zahlen fürs erste Halbjahr veröffentlicht – und die sind, man kann es nicht anders sagen, ein Schock. Denn: Die Hamburger Sparkasse, die über Jahre und Jahrzehnte nichts anderes als Gewinne ausgewiesen hat, muss für den Zeitraum von Januar bis Juni ein Nachsteuerergebnis von „Null“ eingestehen. Und zwar nicht etwa wegen Corona (das Bewertungsergebnis ist völlig okay). Sondern weil’s in der GuV strukturell nicht mehr passt. Nun hatten wir ja schon geweissagt, dass es bald so kommen würde (siehe hier). Indes: Wenn man bei einer kürzlich noch scheinbar kerngesunden Großsparkasse die „Null“ dann plötzlich vor sich sieht, dann hat das doch noch einmal eine andere Qualität. Metaphorisch gesprochen: Der Haspa-Chef Vogelsang war der Kaiser von Hamburg. Doch niemand wollte wahrhaben, dass seine Kleider nicht aus Zinsen und Provisionen gewebt waren, sondern aus Kreditersatzgeschäft. Nun indes hat sich ebendieses aufgelöst – und der Kaiser ist nackt. Die Zahlen: Finanz-Szene.de

Auch das „Handelsblatt“ (genauer: die Kollegin Schneider) hat heute Morgen einen veritablen Kracher im Portefeuille. Und zwar: Der US-Finanzinvestor Centerbridge und weitere Investoren pumpen 150 (!!!) Mio. Euro in den Düsseldorfer Marketplace-Lender Auxmoney, wie dessen Gründen und CEO Raffael Johnen dem „HB“ verraten hat. Wenn uns nicht alles täuscht, dann ist das – wenn man N26 mal außen vorlässt – das höchste Equity-Funding, das ein deutsches Fintech jemals erhalten hat. Und das in Corona-Zeiten! Also in einem Umfeld, das insbesondere den Kredit-Fintechs schwer zusetzt (bei Auxmoney gibt es weiterhin Kurzarbeit). Da versteht es sich fast von selber, dass sich die Amerikaner ihr ebenso spektakuläres wie wagemutiges Investment entsprechend in Anteilen vergüten lassen. Denn wie Johnen dem „HB“ ebenfalls sagte, hält Centerbridge jetzt die Mehrheit an Auxmoney. Wir selber haben es gestern Abend nur noch geschafft, auf unserer Website die 2-3 wichtigsten Details zusammenzufassen – falls Sie mehr Zitate und Hintergründe möchten, verweisen wir Sie sinnigerweise aufs „Handelsblatt“ (E-Paper/Paywall)

Und dann ist dem gestrigen Tag noch eine weitere Fintech-Meldung entsprungen, die mehr Aufmerksamkeit verdient hätte, als es unsere Kapazitäten hergeben: Der Münchner Identifizierungs-Spezialist ID Now hat sich aus der Wirecard-Insolvenzmasse mal eben die Wirecard Communication Services AG (früher hätte man gesagt: die Callcenter) geschnappt; immerhin ein „Großteil“ der 150 Mitarbeiter soll übernommen werden. Ein Deal, der mindestens zweierlei lehrt: 1.) ID Now (letztes Jahr 40 Mio. Dollar Funding …) gehört zu den deutschen Fintechs, die klotzen können; 2.) Der unwirklich anmutende Onlinebroker-Boom ist so verrückt, dass die Dienstleister im Hintergrund (Firmen wie ID Now braucht’s für die digitale Depot-Eröffnung) nicht mit den Kapazitäten nachkommen. Süddeutsche

News

Hübsche Retourkutsche, nachdem sich die DWS bei ihren wilden und wildesten Wirecard-Wetten (siehe hierhier und hier) ja auch auf die jahrelangen Prüfsiegel von Ernst & Young verlassen hatte. Neuer DWS-Wirtschaftsprüfer wird nämlich anders als geplant nun doch nicht EY – sondern wohl KPMG (HV-Einladung) +++  Und es kommt noch dicker: Denn wie die „SZ“ heute morgen scoopt, erwägt die Commerzbank (die als kreditgebende Bank zu den finanziell am härtesten getroffenen Wirecard-Blinden überhaupt zählt), Ernst & Young den Prüfauftrag zu entziehen. Uff! (Süddeutsche, Print) +++ Apropos Wirecard: Sämtliche Oppositionsparteien im deutschen Bundestag plädieren für einen Untersuchungs-Ausschuss (Spiegel) +++ Liebe Ratenkredit-Banker, jetzt bitte einmal in die Luft gucken und unschuldig pfeifen: Die Bafin sieht die Höhe von Prämien und Provisionen für Restschuld-Versicherungen weiterhin kritisch. (dpa/Onvista) +++ Bei Berenberg gehören David Morlock und Christian Kühn seit gestern nun auch offiziell der künftig dreiköpfigen „phG“-Riege an. Zur Erinnerung: Der „phG“ Riehmer bleibt „phG“, der  „phG“ Peters wechselt hingegen demnächst in den Verwaltungsrat. (HB/Paywall) +++  Exklusiv: Bei Ratepay zieht noch eine weitere Frau in die Geschäftsführung ein, nämlich die IT-Expertin Luise Linden. Wenn Sie die letzten Tage aufgepasst haben, wissen Sie somit: Ratepay wird jetzt von einem weiblichen Triumvirat (Wohlfahrt, Pütz, Linden) geführt. Von wegen Fintech-Frauen. +++ Die Sparkassen Koblenz und Rhein-Nahe loten eine Fusion aus. Es entstünde das größte rheinland-pfälzische Kommunalinstitut (Rhein-Zeitung) +++ Und noch ’ne News: Das Potsdamer Semi-Fintech Hypatos (Automatisierug von Backoffice-Prozessen) erhält von Investoren 10 Mio. Euro (Deutsche Startups)

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