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Das war’s wohl mit Bargeld-Renaissance – und weitere Lehren aus den EHI-Zahlen

Der hiesige Kartenmarkt ist bekanntlich dermaßen schlecht kartografiert (zumal die Zahlungsverkehr-Statistik der Bundesbank nur alle drei Jahre erscheint), dass sich am Ende immer alle auf die EHI-Zahlen stürzen. Also auch wir. Nun sind die Erhebungen des EHI nicht frei von methodischen Schwächen. Und dass das EHI Retail Institute vom deutschen Einzelhandel finanziert wird, merkt man seinen Mitteilungen (stabiler Grundtenor: Girocard hui, Rest pfui) natürlich an. Und doch bieten auch die gestern vorgestellten 2023er-Zahlen (basierend auf der Befragung von rund 100.000 stationären Händlern mit gut 270 Mrd. Euro Gesamtumsatz) wieder Einblicke, wie man sie sonst so nicht kriegt. Und zwar …

  • Bargeld kracht: Mit der Post-Corona-Mini-Renaissance des Bargelds (siehe unser damaliger Podcast mit Coba-CFO Orlopp) scheint es wieder vorbei zu sein. Nachdem der Rückgang des Cash-Anteils an allen Umsätzen im Geschäftsjahr 2022 bei gerade einem Prozentpunkt gelegen hatte, verdoppelte sich der Marktanteilsverlust diesmal wieder (der Anteil ging nämlich um 2,0 Punkte auf nur noch 35,5% zurück).
  • Kreditkarte und Lastschrift verteidigen Position: Die Lastschrift (deren Marktanteil in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken war) zeigt sich diesmal mit gut 6% stabil. Die Kreditkarte konnte – was bemerkenswert ist angesichts der zuletzt stark sinkenden Zahl an umlaufenden Karten – sogar leicht zulegen auf 8,6%.
  • Girocard durchaus wacker: Der Girocard halten ihre Kritiker ja gern vor, dass sie zwar in absoluten Zahlen wächst – aber nicht mehr relativ. Und wenn doch, dann auf Kosten der Lastschrift. 2023 traf keiner der beiden Kritikpunkte zu. Denn die Girocard legte relativ um immerhin einen halben Prozentpunkt auf 42,5% zu und tat dies, siehe oben, diesmal nicht zulasten ihres Zwillings, also der Lastschrift (der dritte gängige Kritikpunkt, nämlich dass die Girocard online kaum eine Rolle spielt, bleibt natürlich trotzdem valide).

… Bleibt ein großer Gewinner. Oder sollte man vielleicht eher von einem vermeintlich großen Gewinner sprechen? Denn: Die Debitkarten von Visa und Mastercard haben ihren Marktanteil zwar abermals deutlich von zuvor 2,9% auf nunmehr 4,1% gesteigert. Aber müsste das Wachstum (immerhin haben inzwischen ja von der ING Diba über die DKB bis hin zur Comdirect etliche kundenstarke Player auf „Debit first“ umgestellt) nicht eigentlich viel kräftiger sein? Oder ist das Potenzial der beiden Newcomer womöglich schon bald ausgeschöpft?

Das Phänomen dröseln wir hier noch einmal ganz genau separat auf -> „Warum gewinnen die Debit-Karten von Visa und Mastercard nicht mehr Marktanteile?“ 

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