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Der >10-Millionen-Kunden-Deal: Sparkassen bandeln mit Payback an

Die Sparkassen-Gruppe und das kundenstärkste deutsche Loyalty-Programm Payback planen eine Kooperation: Kunden soll es demnach künftig möglich sein, mit der im roten Lager Sparkassen-Card genannten Girocard auch Payback-Punkte zu sammeln, ohne separat die Payback-Karte zücken zu müssen. Die geplante Zusammenarbeit hat Gewicht, denn insgesamt kursieren in Deutschland rund 50 Mio. Sparkassen-Cards. Payback  – eine Tochtergesellschaft von American Express – hat nach eigenen Angaben allein hierzulande 31 Mio. aktive Kunden. Die Schnittmenge beider Kundengruppen dürfte im niedrigen zweistelligen Millionenbereich liegen.

Publik wurde die geplante Zusammenarbeit bei der Sparkassen-internen Großveranstaltung “Scope22” am Mittwoch in Mainz. Da hielten Stefan Roesler, Co-Geschäftsführer beim Deutschen Sparkassenverlag (dem Payment-Spezialisten innerhalb der S-Finanzgruppe), und André Pallinger, Geschäftsführer der DSV-Tochter S-Markt & Mehrwert, einen gemeinsamen Impulsvortrag zu dem Unterfangen. Zahlreiche der über 2.000 Besucher veröffentlichten auf sozialen Medien daraufhin Fotos des Vortrags und versahen sie mit Hashtags. “Maximale Reichweite auf allen Kanälen” versprachen die Vortragenden, zudem fielen Formulierungen wie “DAS größte Programm” und das “bestmögliche Ertragsergebnis für Sparkassen”.

Ein Sprecher der Sparkassen-Finanzgruppe wollte sich auf Finanz-Szene-Anfrage nicht weiter zu dem Projekt äußern. Es wurde lediglich bestätigt, dass “die S-Markt & Mehrwert als zuständiger Dienstleister für umfassende Mehrwertleistungen in der Sparkassen-Finanzgruppe aktuell in Gesprächen mit einem bundesweiten Multipartner-Kundenbindungsprogramm” sei. Eine Sprecherin von Payback bestätigte, dass es zwar eine Absichtserklärung zur Kooperation gebe, aber noch keine finale Entscheidung.

Payback versuchte sich schon mehrmals als Payment-Anbieter

Dass die Absicht der Kooperation bereits vor einer vierstelligen Zuhörerzahl kommuniziert wird, obwohl bislang nur ein “Letter of Intent” unterzeichnet ist, kann zweierlei bedeuten: Entweder, man wollte im Sparkassen-Lager unbedingt einen kommunikativen Knaller landen, obwohl der noch gar nicht in trockenen Tüchern ist. Oder aber: Die Planungen sind bereits so weit fortgeschritten, dass der Launch der Kooperation und einer gemeinsamen Karte nur noch Formsache ist. Für letzteres spricht, dass auf der “Scope22”-Veranstaltung auch der globale Payback-CEO Bernhard Brugger über die Chancen der Zusammenarbeit sprach.

Die geplante Kooperation ist insofern spannend, als Payback als extrem reichweitenstarkes Bonusprogramm selbst auch immer wieder Gehversuche als Payment-Anbieter unternommen hat:

  • 2009 gab Payback etwa – in Zusammenarbeit mit der inzwischen untergegangenen WestLB – eine eigene Payback-Maestro-Card heraus, die binnen kurzer Zeit eine halbe Mio. Kunden gewann. Das Programm wurde allerdings 2016 eingestellt.
  • Im Kreditkarten-Segment kooperiert Payback mit der eigenen Mutter American Express und ist Co-Branding-Partner einer Charge-Kreditkarte – also einem Produkt, zu dem die neue Karte mit den Sparkassen in direkte Konkurrenz treten würde, denn das Kernfeature der Payback-Kreditkarte ist ebenfalls das automatische Punktesammeln beim Einsatz der Karte.
  • 2016 (und damit sehr früh) entwickelte Payback zudem das eigene Payment-System Payback Pay, mittels dessen sich auch via App Bezahlvorgänge durchführen lassen, die dann über ein hinterlegtes Konto liquidiert werden – im Prinzip also ein Konkurrenzprodukt zu Apple Pay, Google Pay und Paypal. Die jüngste Bundesbank-Zahlungsstudie (siehe dazu unsere große Analyse -> “10 Erkenntnisse aus der großen Payment-Studie der Bundesbank”) ermittelte für Payback Pay einen Bekanntheitsgrad von 48% unter der Bevölkerung – damit ist die Bekanntheit annähernd auf Augenhöhe mit den Bezahl-Apps von Banken (49%), Apple Pay (56%) und Google Pay (57%). Allerdings gaben nur 11% an, auch Payback Pay zu nutzen – verglichen mit 38% für Apple Pay.

Nun aber will das Unternehmen mit den Sparkassen zum großen Wurf ansetzen. Tatsächlich könnte die Zusammenarbeit Verbesserungen für alle Beteiligten bringen: Wer zugleich Kunde bei Payback und einer Sparkasse ist, benötigt womöglich künftig nur noch eine Karte oder Wallet-Lösung, um zugleich zu bezahlen und Bonuspunkte zu sammeln. Die Bindung der Sparkassen-Kunden an die Sparkassen-Card würde erhöht, zugleich winkt Payback wie auch den Sparkassen ein incentivierter und noch häufigerer Einsatz der Karte. Daran würden auch die ausgebenden Institute mitverdienen.

Die Sparkassen dürften es sich von Payback entsprechend vergüten lassen, wenn sie das Programm in der Breite über eine gemeinsame Karte ausrollen. Die Kehrseite: Payback gilt als extrem datenhungrig, die Auswertung des Konsumverhaltens bei knapp 700 Partnern im Handel ist Kern des Geschäftsmodells – traditionell ist der Datenschutz aber für Banken ein sensibles Thema, das hohe Rechtsrisiken birgt.

Finanz-Szene geht ab Oktober hinter die Paywall ...

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