Exklusiv

Payment-Riese Nets stockt bei POS-Fintech Orderbird auf

21. September 2021

Von Caspar Schlenk und Heinz-Roger Dohms

Auch das dritte der drei deutschen Kassensystem-Fintechs gerät unter den Einfluss eines internationalen Payment-Konzerns: Laut gemeinsamen Recherchen von „Finance Forward“ von „Finanz-Szene.de“ hat der milliardenschwere dänische Zahlungsdienstleister Nets seinen Anteil  an dem 2011 gegründeten Berliner Startup Orderbird auf annähernd 40% aufgestockt. Das Investment soll zu einer Bewertung an die 100 Mio. Euro erfolgt sein, bestätigten uns mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen.

Schon zuvor hatte Nets rund 20% an Orderbird gehalten – eine Beteiligung, die der Eschborner Zahlungsdienstleister Concardis vor Jahren eingegangen war, bevor Concardis bald darauf von Nets übernommen wurde (wobei Nets wiederum inzwischen mit dem nochmal größeren italienischen Payment-Riesen Nexi angebandelt hat, doch das würde jetzt zu weit führen …)

Orderbird betreibt diverse virtuelle Kassensysteme, die sich ursprünglich vor allem an Gastronomen richteten – inzwischen aber zum Beispiel auch bei Friseuren oder kleine Einzelhändlern zum Einsatz kommen. Die Umsatzerlöse speisen sich zum überwiegenden Teil aus Lizenzgebühren. Dabei zahlen die Kunden pro Gerät und pro Monat eine pauschale Gebühr. Zusätzliche Einnahmen kommen aus verschiedenen Zusatz-Services. Im  Geschäftsjahr 2019/2020 erwirtschaftete Orderbird ein Rohergebnis von 11,1 Mio. Euro. Demgegenüber stand ein betrieblicher Aufwand von 11,4 Mio. Euro, womit der „Point of Sale (POS)“-Spezialist zu den wenigen Berliner Fintechs gehört, die bereits die Schwelle zur Profitabilität erreicht haben. (siehe das Porträt über Orderbird in unserer „Fintech unplugged“-Serie).

Auch wenn Orderbird erst einmal eigenständig bleibt und es angeblich auch keinen Automatismus gibt, wonach Nets seinen Anteil weiter aufstocken kann: Unter Branchenkennern gilt schon lange als ausgemacht, dass viele reine POS-Spezialisten früher oder später von den großen Payment-Konglomeraten aufgesogen werden.

Tatsächlich war Anfang vergangenen Jahres bereits der 2011 gegründete Orderbird-Rivale Gastrofix an den kanadischen Plattform-Betreiber Lightspeed verkauft worden – übrigens ebenfalls zu einer Bewertung von rund 100 Mio. Euro (siehe unseren Artikel -> Payment-Fintech Gastrofix legt 100-Mio.-Exit hin. Können die was?). Wenige Monate später wurde dann bekannt, dass ein weiteres hiesiges Kassensystem-Fintech drauf und dran ist, seine Eigenständigkeit zu verlieren, nämlich Tillhub. Offiziell hält der vom US-Investor KKR alimentierte Heidelberger Payment-Konzern zwar erst ein Viertel der Tillhub-Anteile. Insider berichten jedoch von einer Option, die Beteiligung bei Gelegenheit hochzufahren (siehe bei „Finance Forward“ der Artikel -> Der heimliche Tillhub-Exit).

Interessanterweise fließt bei dem Orderbird-Nets-Deal kein weiteres Kapital ins Unternehmen. Sondern: Die Dänen haben per Secondary-Verfahren zunächst einmal nur Anteile von diversen Altgesellschaftern übernommen. Neben mehreren Gründern, die nicht mehr an Bord sind (und diversen Angels) soll angeblich auch der Star-Investor Carsten Maschmeyer seinen Einsatz leicht zurückgefahren haben. Da Orderbird als Aktiengesellschaft organisiert ist, lassen sich die Veränderungen (anders als bei einer GmbH) nicht anhand des Handelsregisters nachvollziehen.

Sprecher von Orderbird und Nets wollten gestern auf Anfrage keine Stellung nehmen.

Wie aus Orderbird ein (nahezu) profitables Fintech wurde

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing