Payment-Ticker

Sämtliche Payment-Meldungen aus dem Januar im Überblick

In unserem Payment-Ticker finden Sie die Neuigkeiten rund um Zahlungsdienstleister, das Kartengeschäft der deutschen Banken und neue Geschäftsmodelle wie „Buy now, pay later“. 

Hier der Ticker für den Monat Januar: 

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Banken-Lobby rebelliert gegen geplante Instant-Payment-Pflicht

Echtzeit-Überweisungen als verpflichtendes Standardprodukt samt Kostendeckel – so wünscht es sich die EU-Kommission (siehe die Berichterstattung in unserem Payment-Ticker für Oktober). In der hiesigen Banken- und Payment-Branche formiert sich nun allerdings heftiger Widerstand gegen die Pläne. Zunächst lancierte Mitte Dezember die Deutsche Kreditwirtschaft eine entsprechende Stellungnahme (siehe hier). Nun legt die Lobby-Gruppe „Payments Europe“ nach, der neben kartenausgebenden Banken wie DKB und BW Bank auch diverse Zahlungsabwickler („Acquirer“) sowie Mastercard und Visa angehören. Tenor des dieser Tage veröffentlichten Positionspapiers: Die von Brüssel angedachte Preisobergrenze (die vorsieht, dass Instant-Payment nicht teurer sein soll als normale Überweisungen) sei gemessen am Aufwand wirklichkeitsfern. Den Banken müsse es daher weiterhin möglich sein, Echtzeit-Zahlungen gesondert zu bepreisen. Zudem wünscht sich „Payments Europe“ eine Übergangszeit von zwei Jahren, bis neue Regeln in Kraft treten.

Unter Händlern ist die Mauertaktik der Banken durchaus umstritten. Bezeichnend: Nachdem der DKB-Manager Sascha Dewald das Positionspapier von „Payments Europe“ diese Woche in den sozialen Medien teilte, fing er sich einen Rüffel von Stefan Hölscher ein, seines Zeichens wiederum Zahlungsexperte bei der Payment-Tochter des Versandhändlers Otto. Mit der langsamen Entwicklung von Instant Payment sei der Handel „extrem unzufrieden“, so Hölscher. Aus seiner Sicht ist es „nicht angemessen, über vier Jahre nach der Einführung mehr Zeit für die Lösung der Herausforderungen zu fordern bzw. die Regulatorik abzulehnen“. Hintergrund: Noch immer bieten einige Banken hierzulande Instant Payment gar nicht an, darunter etwa die ING Diba, die Degussa Bank und diverse Spardas. Und viele andere Institute bepreisen ausgehende Zahlungen mit bis zu 1 Euro.

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ING Diba schasst Giropay – und setzt stattdessen auf „Klein-EPI“

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Kurz getickert

  • Nach dem Verlust mehrerer Prestige-Mandate im deutschen Markt hat der französische Payment-Konzern Wordline gestern mitgeteilt, seine bestehende Kooperation mit der ING Groep (und mithin auch mit der ING Diba) um das Issuing-Processing von Debit- und Kreditkarten zu erweitern.
  • Exklusiv: Neben der Sparda Hessen (siehe -> Die Bank, die das Maestro-Aus durch einen Trick umgeht) verzichtet auch die Sparda Baden-Württemberg in Zukunft auf eine Co-Badge-Lösung für die Girocard. Die viertgrößte Genobank hierzulande wird nach dem Maestro-Aus nur noch rein „deutsche“ Girocards ausgeben — für den Auslandseinsatz brauchen Kunden dann zusätzlich entweder eine Mastercard Debit- oder Kreditkarte.

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Die Bank, die das Maestro-Aus durch einen simplen (und teuren) Trick umgeht

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Wussten Sie schon?

… dass einige der größten USBanken einen Generalangriff auf Apple Pay planen? Zu diesem Zwecke haben die Bank of America, J.P. Morgan und fünf weitere Institute ein Joint-Venture gegründet, das noch in diesem Jahr eine eigene Wallet-Lösung für mobiles Bezahlen zur Marktreife bringen soll. Den naheliegenden Einwand, dass die Initiative zu spät kommen könnte, versuchen die Banken zu zerstreuen. So würden bislang erst 3% aller stationären Transaktionen im US-Handel mit Apple Pay bezahlt. Also noch genügend Marktpotenzial.

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Kurz getickert

  • Passend zu unserem Stück „Achtung, liebe Banker! Die Konsolidierung unter Ihren IT-Beratern nimmt Fahrt auf“ gibt es einen weiteren Fall von „Buy & Build“ im deutschen Bankenumfeld. So übernimmt der niederländische Finanzinvestor Main Capital die Hamburger PDV Financial Software sowie den nahe Aachen beheimateten Zahlungsverkehrsdienstleister van den Berg. (Mitteilung)
  • Das Bundeskartellamt hat ein Verfahren gegen Paypal unter anderem wegen des Verdachts der Beschränkung des Preiswettbewerbs eingeleitet. Dabei gehe es konkret um die in den hiesigen AGB festgelegten „Regeln zu Aufschlägen“ und zur „Darstellung von Paypal“ (dpa, via MSN).

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Wie die Bundesbank auf Apple Pay, Girocard und „Klein-EPI“ schaut

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Die Buba, die DK und das Mysterium „Bezahlgeschwindigkeit“

Zu den vielen Studien, die wir nicht selber fälschen (und denen wir folglich nur bedingt vertrauen), gehören auch jene, die sich mit der Bezahlgeschwindigkeit an der Ladenkasse befassen. So berichtete die deutsche Kreditwirtschaft (in Gestalt der „Euro Kartensysteme“, also der Betreibergesellschaft der Girocard) vor einigen Wochen, eine Messung bei 1.359 Einkäufen habe ergeben, dass ein Bezahlvorgang mit Bargeld im Schnitt 19 Sekunden verschlinge – und damit länger oder mindestens ebenso lang wie bei jeder digitalen Bezahlmethode. Dieser Tage nun veröffentlichte die Bundesbank eine Erhebung zu exakt der gleichen Fragestellung, wenn auch auf breiterer empirischer Grundlage („Messung von mehr als 10.000 Bezahlvorgängen“). Und siehe da: Auf die 19 Sekunden beim Bargeld kam die Untersuchung zwar auch – ansonsten wichen die Messergebnisse aber teils deutlich ab. Der Zahlenvergleich als Grafik:

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Kurz getickert

  • Und ein interessanter Datenpunkt für unsere Payment-Freaks: Laut "Bloomberg (Paywall)" hat Goldman Sachs in seiner Retailsparte zuletzt pro Quartal rund 400 Mio. Euro verloren – zurückzuführen ganz überwiegend auf das Geschäft mit der Apple Card.
  • Laut einer Bundesbank-Studie zur Bezahlgeschwindigkeit im Einzelhandel dauert die Zahlung mit Karte im Schnitt länger als mit Bargeld. Pro durchschnittlicher Cash-Transaktion ermittelte die Untersuchung einen Wert von 18,7 Sekunden, mit der Karte seien es 25,7 Sekunden, mit Einstecken und kontaktlos immer noch 19,3 Sekunden (Mitteilung
  • Mastercard bietet zweieinhalb Jahre nach der Datenpanne bei seiner deutschen "Priceless"-Plattform (alle Hintergründe in unserem Archiv) mehreren tausend Betroffenen eine Entschädigung von bis zu 300 Euro an (Spiegel)

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Diese 41 Fintechs wurden seit 2020 verkauft, gingen pleite – oder sind ganz weg

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Bundesbank begründet Target2-Fiasko erfrischend lapidar

Der für Zahlungsverkehr zuständige Buba-Vorstand Burkhard Balz hat sich gegenüber dem "Handelsblatt" (Paywall) zum verpatzten Großprojekt "Target2-Migration" (siehe unser fast ebenso großes Themen-Dossier) geäußert. "Die Arbeitstage unserer Leute, die sich um das Projekt kümmern, haben erkennbar nicht ausgereicht", so Balz. Dabei habe Corona ebenso eine Rolle gespielt wie der Wechsel "mehrerer Mitarbeiter" in die private Wirtschaft.

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Die Bank, die in den Zaubertrank fiel – Ertragswunder bei Varengold

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Kurz getickert

  • Zweites großes Geno-Institut zieht das "Opt-out" bei Maestro: Nach der GLS Bank (siehe Anfang Dezember unseren Scoop -> "Deutsche Banken erhalten Schonfrist – Mastercard revidiert Maestro-Aus") verzögert sich unserer Interpretation zufolge auch bei der Frankfurter Volksbank die Umstellung auf ein neues Co-Badge-Verfahren. Die Kunden könnten die Girocard mit Maestro-Funktion noch bis Ende 2027 nutzen, zitiert das "Handelsblatt" (Paywall) einen Sprecher. Da neue Karten in der Regel vier Jahre gültig sind, deuten wir die Aussage so, dass die herkömmliche Girocard noch bis Ende 2023 emittiert werden wird – obwohl Mastercard ja ursprünglich den 30. Juni als Deadline genannt hatte.

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Alle Payment-Meldungen aus dem Dezember

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