Fintech-Jobboom-Serie (#3)

Das enorme Wachstum von Pliant, Moss und einiger Inkasso-Fintechs

Wenn Berlins Fintechs dieser Tage überlegen, ihre Belegschaften zu reduzieren, dann auch, weil sie diese Belegschaften über die zurückliegenden ein, zwei Jahre rasant ausgebaut haben. Zu rasant? Dieser Frage geht Finanz-Szene in der mehrteiligen “Fintech-Jobboom-Serie” nach. Heute Teil III: die Payment-Startups.

Die Payment-Sparte ist ja so etwas wie das „Grande Dame“-Segment unter den Fintechs – und so beschlich einen in diesem Frühjahr das Gefühl, die ganz großen Wachstumszeiten habe es dann doch hinter sich gelassen: Die Kassensystem-Spezialisten Tillhub und Orderbird sind verkauft (siehe etwa hier) und stagnierten zuletzt mit mageren 2% Mitarbeiterwachstum. Und der Terminal-Anbieter SumUp? Steht zwar angeblich vor einer 400-Mio.-Euro-Finanzierungsrunde zu einer Bewertung 6,5 Mrd. Dollar – dennoch (oder eventuell gerade deshalb?!) entließ das deutsche-britische Fintech Unternehmen neulich 100 Mitarbeiter in Brasilien (siehe hier). Und auch schon zuvor war das Mitarbeiterwachstum auf 12-Monats-Sicht (+3%) überschaubar ausgefallen.


Moss und Pliant sind die Payment-Mitarbeitermagnete

In der Tat, für den Job-Boom im Payment-Segment haben zuletzt andere gesorgt: die Business-Kreditkarten-Anbieter, namentlich Moss und Pliant. Fast zeitgleich gegründet (Moss 2019, Pliant 2020), beide in Berlin ansässig, beide mit Finanzierungsrunden in den letzten sechs Monaten (siehe hier und hier), bemühten sich die zwei Fintechs nicht nur um die notwendigen E-Geld-Lizenzen (siehe hier und hier), sondern auch um neue Beschäftigte. Zwar ist Moss dabei rund viermal größer als Pliant. Doch gehören beide Unternehmen in der Entwicklung ihrer Mitarbeiterzahlen (mehr >300% in einem Jahr) nicht nur zu den wachstumsstärksten Fintechs innerhalb ihres Segments, sondern auch im gesamten deutschen Fintech-Kosmos.

Das Potenzial des Geschäftsmodells liegt dabei weniger in den Kreditkarten selbst, sondern in den Datenpunkten zu Cashflow und Liquidität der Firmenkunden, die über die Karten und Konten generiert werden – wodurch die Anbieter Folgeprodukte deutlich präziser strukturieren können. Bringen sich da etwa ein paar Noch-Payment-Spezialisten für den Sprung ins Banking in Stellung? Größer als die ein oder andere Neobank (die zuletzt ja auch Mitarbeiter entließen) wären sie bereits. Und wir dürfen daran erinnern: Auch SumUp hat bereits im vergangenen Jahr seine Pläne für eine "Merchant-Bank" publik gemacht (siehe hier) – und laut Linkedin-Zahlen trotz Wachstumsflaute insgesamt seine Bereiche Engineering und Finanzen/Controlling um je mehr als 20% hochgefahren.


Auch interessant:

  • Das Münchner Benefits-Startup Spendit, das ebenfalls eine Art Firmenkarte in seinem Geschäftsmodell hat, wächst im Vergleich zu Moss und Pliant deutlich moderater.
  • Nach dem Kauf von Stocard Mitte 2021 durch Klarna (das gerade eine Entlassungswelle hinter sich hat, siehe hier) ist die Beschäftigten-Zahl bei dem Mannheimer Kundenkarten-Startup um 19% gesunken.
  • Zwar auf niedrigerem Level, aber ebenfalls beachtlich wachsend: die Inkasso- bzw. Mahnwesen-Fintechs Receeve, Troy und Pair Finance (nicht aber CollectAI).

Hier die Beschäftigtenzahlen (Stand April 2022) der Payment-Fintechs im Überblick:

Unternehmen Beschäftigte insgesamt Beschäftigungsdauer (Median) Wachstum über 1 Jahr* Wachstum über 2 Jahre*
SumUp 2931 1,7 3 % 49 %
Moss 346 0,5 317 % 918 %
AEVI International 238 2,8 17 % 17 %
Optile (gekauft von Payoneer) 103 n/a n/a n/a
Orderbird (gekauft von Nexi) 89 3,3 2 % -9 %
PAIR Finance 86 1,5 15 % 72 %
Pliant 83 0,5 325 % >1000 %
Stocard (gekauft von Klarna) 76 1,8 -19 % 12 %
Tillhub (gekauft von Unzer) 58 1,5 2 % 29 %
Receeve 55 0,9 83 % 189 %
Spendit 50 1,9 39 % 28 %
Troy 45 1,9 22 % 96 %
CollectAI 43 2,1 2 % -9 %
Payworks 16 n/a n/a n/a

Quelle: Eigene Recherche basierend auf Linkedin-Unternehmensangaben


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