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Run auf E-Geld-Lizenzen: Moss stellt Bafin-Antrag

Das extrem schnell wachsende Berliner Kreditkarten-Startup Moss hat nach Informationen von Finanz-Szene eine Bafin-Lizenz beantragt – und steht damit stellvertretend für eine Reihe namhafter deutscher und ausländischer Fintechs, die ihre Geschäftsmodelle stärker aus dem reinen Tech-Umfeld ans regulierte Bankgeschäft heranrücken. Konkret geht es um eine sogenannte E-Geld-Lizenz, die es Moss ermöglichen könnte, wesentliche Teile des Zahlenverkehrs selbst abzuwickeln. Bei Moss wollte man sich dazu gestern auf Anfrage nicht äußern.

Die E-Geld-Lizenz gewinnt unter den hiesigen Fintechs offenkundig an Popularität. Wie wir erst vergangene Woche exklusiv berichtet hatten, prüft auch Moss-Konkurrent Pliant einen entsprechenden Antrag – allerdings zunächst nicht bei der Bafin, sondern in Finnland (siehe hier). Das auf KMUs spezialisierte Banking-Startup Penta hatte bereits Ende vergangenen Jahres angekündigt, sich um eine entsprechende Lizenz bemühen zu wollen. Die britische Challenger-Bank Revolut wiederum war 2021 zunächst mit einer in Litauen erteilten E-Geld-Lizenz hierzulande unterwegs gewesen – hat allerdings mittlerweile, ebenfalls über Litauen, zu einer Vollbanklizenz aufgerüstet. Die Finanz-Startups machen sich dabei den Umstand zunutze, dass eine in einem EU-Land erteilte Zulassung mittels Passport-Verfahren andere EU-Staaten übertragen werden kann.

Warum E-Geld-Lizenzen gerade so beliebt sind

Sowohl Moss als auch Pliant betreiben die Ausgabe ihrer Kreditkarten (“Issuing”) bislang über die maltesische Transact Payment Limited. Solche Partnerfirmen ermöglichen es Payment-Fintechs in der Startphase, schnell mit Kartenprodukten an den Markt zu gehen. Doch ab einer gewissen Größe machen die Partnerschaften die Produkte an vielen Stellen tendenziell unflexibel. Mit einer E-Geld-Lizenz können die Startups selbst Karten ausgeben und Transaktionen abwickeln – und letzten Endes können sie sich von ihren Issuing-Partnern sogar komplett unabhängig machen.

Dabei vereinfacht die Zulassung auch die Erweiterung der Produktpalette. Ein Beispiel hierfür ist das Identifikationsverfahren: Will ein unlizensierter Anbieter seinen Banking-Kunden zusätzlich etwa auch Kredite anbieten, muss er die Kunden dafür bislang durch ein separates Ident-Verfahren schicken. Mit einer E-Geld-Lizenz fällt dieser Schritt weg. Ein klarer Vorteil. Und ein vergleichsweise günstiger. Denn die E-Geld-Lizenz ist gewissermaßen eine “Light”-Zulassung, bei der Kosten und Anforderungen deutlich niedriger gesteckt sind als bei einer Vollbanklizenz, wie sie etwa die Solarisbank oder N26 besitzen.

Gerade Moss geht es im Moment vor allem um Skalierung: Anfang des Jahres hat das Berliner Fintech eine Finanzierungsrunde über 130 Mio. Euro abgeschlossen und wird seither mit mehr als 500 Mio. Euro bewertet. Mit dem Kapital strebt das Unternehmen die weitere internationale Expansion an und will sein Produktangebot erweitern – vor dem Hintergrund sei eine E-Geld-Lizenz ein logischer nächster Schritt, sagen Branchenkenner.

Wer bislang alles eine E-Geld-Lizenz besitzt

Vor diesem Hintergrund mag es sonderbar anmuten, dass die Liste der über die Bafin lizensierten E-Geld-Institute mit zehn Einträgen (siehe unten) bislang noch recht überschaubar ist. Das könnte zum einen daran liegen, dass manche Unternehmen noch über anders kategorisierte Zulassungen nach dem Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (kurz: ZAG) verfügen. Und zudem daran, dass die Genehmigungsverfahren sich aufgrund eines Rückstaus bei der Finanzaufsicht aktuell stark in die Länge ziehen – sehr zum Unmut des ein oder anderen Fintechs, wie wir im Zusammenhang mit Pliant schon berichteten. Zudem tauchen im Ausland lizensierte Unternehmen mit passportierten Zulassungen in der Bafin-Liste nicht auf.

Also, hier einmal die Unternehmen mit E-Geld-Lizenz von der Bafin:

  • B2Mobility GmbH
  • Concardis GmbH
  • Esprit Card Services GmbH
  • First Data GmbH
  • PAYONE GmbH
  • PayCenter GmbH
  • RS2 Financial Services GmbH
  • Reisebank AG
  • VR Payment GmbH
  • Zalando Payments GmbH

Erste deutsche Fintechs setzen auf ausländische Lizenz

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