von C. Kirchner, H.-R. Dohms und G. Hädicke, 30. November 2025
In unserem Payment-Ticker finden Sie die Neuigkeiten rund um Zahlungsdienstleister, das Kartengeschäft der deutschen Banken und neue Geschäftsmodelle wie „Buy now, pay later“.
Hier der Ticker für Oktober und November 2025:
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Nachdem sich das ursprüngliche Ziel eines Launchs zur Jahresmitte zerschlagen hatte, hat die European Payments Initiative (EPI) gestern nun endlich den offiziellen Start von Wero im deutschen E-Commerce verkündet. Zwar handelt es sich nach wie vor um einen Roll-out mit etlichen Disclaimern (weil bankenseitig bislang nur die Sparkassen und Volksbanken bereit sind und es auch händlerseitig nach Angaben von Insidern weiterhin zu Verzögerungen kommt). Nachdem die bankeneigene Bezahllösung in den vergangenen Tagen aber bereits erfolgreich beim Ticket-Anbieter Eventim integriert wurde, nannte die Betreibergesellschaft EPI gestern zwölf weitere Händler, die „frühzeitig“ mit Wero loslegen wollen. Nämlich: Decathlon, Lidl, Rossmann, Cewe, Cineplex, Zooplus, Dott, Hornbach, Air Europa, Veepee, Käfer und Baur. Von den diversen Acquirern, mit denen EPI zusammenarbeitet, kündigte gestern zunächst Unzer an, die E-Commerce-Lösung zeitnah einführen zu wollen. Auf Bankenseite sollen „in den kommenden Wochen und Monaten“ dann auch die Postbank, die Deutsche Bank und anschließend die ING Deutschland sowie Revolut die E-Commerce-Funktion von Wero integrieren.
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Wie Embedded Finance und virtuelle Karten den B2B-Zahlungsverkehr verändern: Kartenzahlungen machen weniger als 1% des B2B-Zahlungsverkehrs aus. Besonders im KMU-Segment scheitert der Einsatz von Karten oft an komplexen Prozessen und mangelnder Integration in bestehende Systeme. Doch genau an diesem Punkt können Embedded Finance und virtuelle Karten ansetzen, um gerade für kleine und mittelständische Unternehmen die Effizienz, Kontrolle und Liquidität im Zahlungsverkehr zu steigern. Bitte sehr: Finanz-Szene (frei zugänglich)
„Die Payment-Anbieter waren ein Glied in der Wertschöpfungskette“
Es bestehe der Verdacht, dass die Beschuldigten „zur Abwicklung von Zahlungen vier große deutsche Zahlungsdienstleister kompromittiert“ haben. So formulierten es das BKA und die Bafin in ihrer Mitteilung zum großen Schlag gegen mehrere internationale Netzwerke von Kreditkarten-Betrügern. Kompromittiert??? Das kann alles und nichts heißen. Aber was heißt es wirklich? Unsere Analyse: FS Premium
Das Bundeskriminalamt und die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz sind am gestrigen Dienstag in einer international koordinierten Aktion gegen mutmaßliche Betrugs- und Geldwäschenetzwerke vorgegangen. Dabei wurden nach Angaben von BKA und Bafin zahlreiche Objekte unter anderem in Deutschland durchsucht, mehrere Personen seien festgenommen worden. Den Beschuldigten werde vorgeworfen, Kreditkartendaten von Geschädigten aus 193 Ländern genutzt zu haben, um fast 20 Mio. Abonnements über Schein-Webseiten abzuschließen. Zur Abwicklung von Zahlungen sollen die Beschuldigten vier große deutsche Zahlungsdienstleister kompromittiert haben. Die Namen der Payment-Unternehmen wurden zunächst nicht genannt (aber so viele kommen da ja nicht infrage). Den „tatsächlich eingetretenen Schaden“ beziffern BKA und Finanzaufsicht auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag. Neben der Bafin war auch die für Geldwäsche-Verdachtsfälle zuständige Financial Intelligence Unit in die Ermittlungen involviert, hieß es am Abend.
In der internationalen Payment-Branche war diese Woche ordentlich was los. Hier die wichtigsten Links:
Worldline beklagt schwaches Geschäft bei Payone. Und: Das Ende des Schecks
Bei Nexi Germany halbiert sich nach Abschreibung der Jahresgewinn
Ohne großes PR-Tamtam haben zehn der elf Sparda-Banken dieser Tage den neuen europäischen Bezahldienst Wero eingeführt, wie Finanz-Szene entdeckt hat. Damit wächst der Kreis der potenziellen Nutzerinnen und Nutzer um weitere 3,1 Millionen. Außen vor bleibt für den Moment lediglich das mit gut 600.000 Kunden größte Institut der Gruppe, nämlich die Sparda West – sie plant den Rollout für das erste Halbjahr 2026. Hintergrund für den Verzug dürfte sein, dass das Düsseldorfer Institut erst am letzten Wochenende die Kernbank-Migration zur Atruvia vollzogen hat (übrigens ohne größere Komplikationen, wie gestern mitgeteilt wurde) und die Wero-Einführung hiervon entkoppeln wollte. Ähnlich wie die Sparkassen und die ING Deutschland incentivieren auch die meisten Sparda-Banken die Aktivierung bzw. Nutzung mit 5 Euro.
Wie das Management von Solaris ausdünnt – und wer als nächstes gehen könnte
Paypal gewinnt bei seinem Frontalangriff auf Apple Pay bemerkenswert schnell an Traktion. Rund vier Monate nach dem Start der neuen Kontaktlos-Bezahlfunktion für die Ladenkasse (siehe in unserem Payment-Ticker die Meldung „Tap to pay – Paypal startet den nächsten Versuch am physischen Point of Sale“) kommen die Amerikaner hierzulande bereits auf 5 Mio. Aktivierungen, wie die neue Deutschland-Chefin von Paypal, Carola Wahl, am Wochenende mitteilte. Zur Einordnung: Laut Angaben aus dem Jahr 2022 kam Paypal zum damaligen Zeitpunkt auf rund 33 Mio. Kunden in Deutschland. Man kann also grob davon ausgehen, dass etwa jeder siebte Paypal-Kunde die neue Funktion freigeschaltet hat.
Paypal hatte die neue Wallet-Lösung im Mai erstmals angekündigt – Deutschland war dabei der Pilot-Markt. Kunden können die „Tap to pay“-Funktion sowohl auf iOS- als auch auf Android-Smartphones installieren und dann mit ihrem Paypal-Konto kontaktlos bezahlen, wie es zuvor nur mit Debit- und Kreditkarten möglich war. Bei der Installation auf iOS-Geräten profitiert Paypal davon, dass Apple von der EU-Kommission Apple gezwungen worden war, seine für die kontaktlose Bezahlung nötige NFS-Schnittstelle auch für Wettbewerber zu öffnen. Siehe zu dem ganzen Thema auch unseren Podcast –> Genos vs. Paypal vs. Apple – jetzt geht die Schlacht im Payment so richtig los.
Die S-Finanzgruppe reagiert zunehmend auf die Konkurrenz großer Fintechs. Erst im Sommer hatte DSGV-Präsident Ulrich Reuter die Sparkassen-Vorstände in einem Brandbrief vor Neobrokern wie Trade Republic gewarnt (siehe –> Die lawinenartigen Umwälzungen im deutschen Retail-Brokerage). Nun gehen sie bei Auslandsüberweisungen eine neuartige Kooperation mit der US-Großbank BNY Mellon ein, um preislich besser mit spezialisierten Fintechs wie Wise oder Revolut mithalten zu können. Offenbar ist die Sorge groß, dass Kunden sonst im großen Stil zu solchen Dienstleistern abwandern.
Konkret sollen die Überweisungen in Nicht-EU-Länder bei Beträgen von bis zu 3.000 Euro um „bis zu“ 75% günstiger werden, schreibt „Reuters“. Bei zwei kleineren Sparkassen befinde sich das Projekt namens „Crossmo“ bereits in der Testphase. Ab Anfang Dezember sollen Kunden teilnehmender Sparkassen „Crossmo“ via App oder übers Online-Banking nutzen können, hat Axel Weiß, Head of Payments beim DSGV, jüngst angekündigt.
Der Service biete feste Gebühren ohne versteckte Kosten und inklusive Währungsumrechnung, die vor jeder Zahlung angezeigt werden, wird beim DSGV geworben – offenbar in Abgrenzung zur bisherigen Praxis im Retail-Zahlungsverkehr. Zum Start sollen Überweisungen in 18 Länder ermöglicht werden, darunter die USA, Türkei, Indien, Polen und Großbritannien.
Sämtliche Payment-News aus September 2025
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