Payment-Ticker

Sämtliche Payment-News aus Oktober und November 2025

In unserem Payment-Ticker finden Sie die Neuigkeiten rund um Zahlungsdienstleister, das Kartengeschäft der deutschen Banken und neue Geschäftsmodelle wie „Buy now, pay later“. 

Hier der Ticker für Oktober und November 2025: 

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Wero ruft Marktstart für E-Commerce aus – und nennt die Namen von 13 Online-Händlern

Nachdem sich das ursprüngliche Ziel eines Launchs zur Jahresmitte zerschlagen hatte, hat die European Payments Initiative (EPI) gestern nun endlich den offiziellen Start von Wero im deutschen E-Commerce verkündet. Zwar handelt es sich nach wie vor um einen Roll-out mit etlichen Disclaimern (weil bankenseitig bislang nur die Sparkassen und Volksbanken bereit sind und es auch händlerseitig nach Angaben von Insidern weiterhin zu Verzögerungen kommt).  Nachdem die bankeneigene Bezahllösung in den vergangenen Tagen aber bereits erfolgreich beim Ticket-Anbieter Eventim integriert wurde, nannte die Betreibergesellschaft EPI gestern zwölf weitere Händler, die „frühzeitig“ mit Wero loslegen wollen. Nämlich: Decathlon, Lidl, Rossmann, Cewe, Cineplex, Zooplus, Dott, Hornbach, Air Europa, Veepee, Käfer und Baur. Von den diversen Acquirern, mit denen EPI zusammenarbeitet, kündigte gestern zunächst Unzer an, die E-Commerce-Lösung zeitnah einführen zu wollen. Auf Bankenseite sollen „in den kommenden Wochen und Monaten“ dann auch die Postbank, die Deutsche Bank und anschließend die ING Deutschland sowie Revolut die E-Commerce-Funktion von Wero integrieren.

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Kurz getickert

  • Die größte deutsche Sparkasse, also die Hamburger Haspa, schafft in etwa jeder zweiten ihrer noch rund 100 Filialen den Kassenschalter ab (Abendblatt/Paywall)
  • Nach der kolportierten Absage von Ex-Flatex-Chef Frank Niehage befindet sich die Solarisbank laut Handelsblatt (Paywall) aktuell in Verhandlungen mit zwei neuen Vorstandskandidaten – nämlich zum einen Steffen Jentsch (ebenfalls ehemals Flatex-Degiro) und zum anderen Jonas Philippi (der in seinem Social-Media-Profil als „Head of Platforms“ bei FNZ Germany firmiert, also was früher mal Ebase war). Jentsch könnte demnach bei dem Berliner Fintech künftig die Position des Marktfolge-Vorstands vornehmen. Für welche Rolle Philippi ausersehen ist, sei dagegen unklar, so das HB.
  • J.P. Morgan macht die 2021 von Volkswagen Financial Services erworbene „VW Payments“-Plattform dicht. Unter dem Dach des Wolfsburger Autokonzerns hatte das Spinoff zunächst Lösungen wie „In-Vehicle-Payments“ entwickelt – also das mobile Bezahlen eines Tank- bzw. Ladevorgangs. Die US-Bank wollte solche Ideen auf andere Industrien ausweiten, hat nun aber nach eigenen Angaben eingesehen, mit der zwischenzeitlich in „Mobility Payments Solution“ umbenannten Plattform kein Geld zu verdienen. Laut damaligen Medienberichten hatte J.P. Morgan einen niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionenbetrag für „VW Payments“ bezahlt. Bloomberg (Paywall)
  • Als zweiter Zahlungsdienstleister nach Unzer bietet nun auch der Sparkassen-Acquirer Payone dem Handel die Integration von Wero im E-Commerce an
  • Der Wettbewerb um den physischen Point of Sale (und damit für klassische deutsche Zahlungsanbieter wie Payone oder VR Payment) wird immer härter. So hat der vor allem auf den deutschen Markt fokussierte, erst 2022 gestartete dänische Terminal-Spezialist Flatpay bei einer Finanzierungsrunde überaus beachtliche 145 Mio. Euro eingeworben – zu einer Bewertung von angeblich 1,5 Mrd. Euro. Allein in Deutschland beschäftigt das Payment-Fintech nach eigenen Angaben bereits mehr als 500 Mitarbeiter.
  • Die Bundesbank protegiert mal wieder (hier war’s ja genauso) das Bargeld. Sie hat nämlich einen Aufkleber (sic!) für Ladentüren entwickelt, der signalisieren soll, dass „Bargeld willkommen“ sei.

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Linktipp

  • Schneller und günstiger – warum ausgerechnet der „Buy now, pay later-„Spezialist Klarna einen dollar-basierten Stablecoin auf den Markt bringt. Heise

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Partner-Blog

Wie Embedded Finance und virtuelle Karten den B2B-Zahlungsverkehr verändern: Kartenzahlungen machen weniger als 1% des B2B-Zahlungsverkehrs aus. Besonders im KMU-Segment scheitert der Einsatz von Karten oft an komplexen Prozessen und mangelnder Integration in bestehende Systeme. Doch genau an diesem Punkt können Embedded Finance und virtuelle Karten ansetzen, um gerade für kleine und mittelständische Unternehmen die Effizienz, Kontrolle und Liquidität im Zahlungsverkehr zu steigern. Bitte sehr: Finanz-Szene (frei zugänglich)

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„Die Payment-Anbieter waren ein Glied in der Wertschöpfungskette“

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Welche Rolle haben Payone, Concardis und Unzer im Payment-Betrugsfall gespielt?

Es bestehe der Verdacht, dass die Beschuldigten „zur Abwicklung von Zahlungen vier große deutsche Zahlungsdienstleister kompromittiert“ haben. So formulierten es das BKA und die Bafin in ihrer Mitteilung zum großen Schlag gegen mehrere internationale Netzwerke von Kreditkarten-Betrügern. Kompromittiert??? Das kann alles und nichts heißen. Aber was heißt es wirklich? Unsere Analyse: FS Premium

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Kurz getickert

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Schlag gegen Kreditkarten-Betrüger – deutsche Payment-Provider kompromittiert

Das Bundeskriminalamt und die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz sind am gestrigen Dienstag in einer international koordinierten Aktion gegen mutmaßliche Betrugs- und Geldwäschenetzwerke vorgegangen. Dabei wurden nach Angaben von BKA und Bafin zahlreiche Objekte unter anderem in Deutschland durchsucht, mehrere Personen seien festgenommen worden. Den Beschuldigten werde vorgeworfen, Kreditkartendaten von Geschädigten aus 193 Ländern genutzt zu haben, um fast 20 Mio. Abonnements über Schein-Webseiten abzuschließen. Zur Abwicklung von Zahlungen sollen die Beschuldigten vier große deutsche Zahlungsdienstleister kompromittiert haben. Die Namen der Payment-Unternehmen wurden zunächst nicht genannt (aber so viele kommen da ja nicht infrage). Den „tatsächlich eingetretenen Schaden“ beziffern BKA und Finanzaufsicht auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag. Neben der Bafin war auch die für Geldwäsche-Verdachtsfälle zuständige Financial Intelligence Unit in die Ermittlungen involviert, hieß es am Abend.

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Linktipps

In der internationalen Payment-Branche war diese Woche ordentlich was los. Hier die wichtigsten Links:

  • PayPal signs deal with OpenAI to become the first payments wallet in ChatGPT. CNBC
  • Fiserv Stock Crashes 44%—Here’s Why. Forbes
  • Mastercard poised to acquire crypto startup Zerohash for nearly $2 billion. Fortune

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Kurz getickert

  • Im EU-Parlament regt sich weiterer Widerstand gegen den digitalen Euro. Laut dem zuständigen Berichterstatter Fernando Navarrete sollten die Pläne für die neue Währung nur dann vollumfänglich umgesetzt werden, wenn privatwirtschaftliche europäische Alternativen fehlten (HB/Paywall)
  • Die EZB belässt den Einlagenzins für die Geschäftsbanken erwartungsgemäß bei 2,0%. Überdies bestätigte die Notenbank gestern offiziell, was wir ja schon vermeldet hatten – nämlich dass es für den digitalen Euro beim Startjahr 2029 bleiben soll.
  • Das bislang vor allem als „Buy now, pay later“-Dienst bekannte schwedische Milliarden-Fintech Klarna will sich hierzulande jetzt mit einem selbstbewusst bepreisten Abo-Modell gegen Neobanken und Kreditkarten-Programme positionieren. Für 18 Euro im Monat („Klarna Premium“) gibt es grob das, was es bei N26 oder Revolut auch gibt (Bezahlkarte, Cashback, Reiseversicherung, Sim-Karte), für 45 Euro („Klarna Max“) sogar einen Hauch von „Black-Card“-Feeling (unbegrenzter Zugang zu Flughafen-Lounges). Der Rest sind typische Junior-Affluent-Abonnements, von GQ bis Blinkist.
  • Der Start einer eCommerce-Lösung des europäischen Bezahldienstes Wero verzögert sich – das berichtet zumindest das öffentlich-rechtliche Nachrichtenportal „VRT“ aus Belgien. Demnach verschiebe sich der eigentlich zunächst für Oktober in Belgien geplante Marktstart auf 2026. Die Implementierung benötige bei den Unternehmen im EPI-Ökosystem mehr Zeit, zitiert das Portal Beteiligte.

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Worldline beklagt schwaches Geschäft bei Payone. Und: Das Ende des Schecks

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Bei Nexi Germany halbiert sich nach Abschreibung der Jahresgewinn

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Exklusiv: Auch die Sparda-Banken (jedenfalls die meisten) haben Wero ausgerollt

Ohne großes PR-Tamtam haben zehn der elf Sparda-Banken dieser Tage den neuen europäischen Bezahldienst Wero eingeführt, wie Finanz-Szene entdeckt hat. Damit wächst der Kreis der potenziellen Nutzerinnen und Nutzer um weitere 3,1 Millionen. Außen vor bleibt für den Moment lediglich das mit gut 600.000 Kunden größte Institut der Gruppe, nämlich die Sparda West – sie plant den Rollout für das erste Halbjahr 2026. Hintergrund für den Verzug dürfte sein, dass das Düsseldorfer Institut erst am letzten Wochenende die Kernbank-Migration zur Atruvia vollzogen hat (übrigens ohne größere Komplikationen, wie gestern mitgeteilt wurde) und die Wero-Einführung hiervon entkoppeln wollte. Ähnlich wie die Sparkassen und die ING Deutschland incentivieren auch die meisten Sparda-Banken die Aktivierung bzw. Nutzung mit 5 Euro.

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Wie das Management von Solaris ausdünnt – und wer als nächstes gehen könnte

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Kurz getickert

  • Der Deutungsstreit um die Kosten für die Einführung des digitalen Euro geht in die nächste Runde. Nachdem die europäischen Geschäftsbanken im Juni auf Basis einer selbst in Auftrag gegebenen PwC-Studie argumentiert hatten, dass der Branche ein Gesamtaufwand von 18 Mrd. bis 30 Mrd. Euro drohe, präsentiert die Europäische Zentralbank (die bei dem Projekt bekanntlich die Federführung innehat) nun deutlich überschaubarere Zahlen. Laut der am Freitag veröffentlichten Erhebung müssen die Banken in der Euro-Zone angeblich nur Kosten irgendwo zwischen 4 Mrd. und knapp 6 Mrd. Euro befürchten – die EZB verweist darauf, dass die EU-Kommission bei ihrer Schätzung (2,8 Mrd. bis 5,4 Mrd. Euro) auf ganz ähnliche Zahlen gekommen sei. Dow Jones (via Finanzen.ch), BÖZ (Paywall), Studie im Original (PDF)

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Paypal kommt mit seiner deutschen POS-Lösung bereits auf 5 Mio. Aktivierungen

Paypal gewinnt bei seinem Frontalangriff auf Apple Pay bemerkenswert schnell an Traktion. Rund vier Monate nach dem Start der neuen Kontaktlos-Bezahlfunktion für die Ladenkasse (siehe in unserem Payment-Ticker die Meldung „Tap to pay – Paypal startet den nächsten Versuch am physischen Point of Sale“) kommen die Amerikaner hierzulande bereits auf 5 Mio. Aktivierungen, wie die neue Deutschland-Chefin von Paypal, Carola Wahl, am Wochenende mitteilte. Zur Einordnung: Laut Angaben aus dem Jahr 2022 kam Paypal zum damaligen Zeitpunkt auf rund 33 Mio. Kunden in Deutschland. Man kann also grob davon ausgehen, dass etwa jeder siebte Paypal-Kunde die neue Funktion freigeschaltet hat.

Paypal hatte die neue Wallet-Lösung im Mai erstmals angekündigt – Deutschland war dabei der Pilot-Markt. Kunden können die „Tap to pay“-Funktion sowohl auf iOS- als auch auf Android-Smartphones installieren und dann mit ihrem Paypal-Konto kontaktlos bezahlen, wie es zuvor nur mit Debit- und Kreditkarten möglich war. Bei der Installation auf iOS-Geräten profitiert Paypal davon, dass Apple von der EU-Kommission Apple gezwungen worden war, seine für die kontaktlose Bezahlung nötige NFS-Schnittstelle auch für Wettbewerber zu öffnen. Siehe zu dem ganzen Thema auch unseren Podcast –> Genos vs. Paypal vs. Apple – jetzt geht die Schlacht im Payment so richtig los.

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Kampf gegen Wise & Co: Sparkassen schmieden Payment-Bündnis mit US-Großbank

Die S-Finanzgruppe reagiert zunehmend auf die Konkurrenz großer Fintechs. Erst im Sommer hatte DSGV-Präsident Ulrich Reuter die Sparkassen-Vorstände in einem Brandbrief vor Neobrokern wie Trade Republic gewarnt (siehe –> Die lawinenartigen Umwälzungen im deutschen Retail-Brokerage). Nun gehen sie bei Auslandsüberweisungen eine neuartige Kooperation mit der US-Großbank BNY Mellon ein, um preislich besser mit spezialisierten Fintechs wie Wise oder Revolut mithalten zu können. Offenbar ist die Sorge groß, dass Kunden sonst im großen Stil zu solchen Dienstleistern abwandern.

Konkret sollen die Überweisungen in Nicht-EU-Länder bei Beträgen von bis zu 3.000 Euro um „bis zu“ 75% günstiger werden, schreibt „Reuters“.  Bei zwei kleineren Sparkassen befinde sich das Projekt namens „Crossmo“ bereits in der Testphase. Ab Anfang Dezember sollen Kunden teilnehmender Sparkassen „Crossmo“ via App oder übers Online-Banking nutzen können, hat Axel Weiß, Head of Payments beim DSGV, jüngst angekündigt.

Der Service biete feste Gebühren ohne versteckte Kosten und inklusive Währungs­umrechnung, die vor jeder Zahlung angezeigt werden, wird beim DSGV geworben – offenbar in Abgrenzung zur bisherigen Praxis im Retail-Zahlungsverkehr. Zum Start sollen Überweisungen in 18 Länder ermöglicht werden, darunter die USA, Türkei, Indien, Polen und Großbritannien.

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Sämtliche Payment-News aus September 2025

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