Exklusiv

Sparkassen starten mit der „Online-Girocard via Apple Pay“

7. Juli 2021

Von Christian Kirchner

Die Girocard geht online! Jedenfalls bei den Sparkassen und in Verknüpfung mit Apple Pay. Konkret: Laut exklusiven Informationen von Finanz-Szene.de stehen Deutschlands Sparkassen kurz davor, die Girocards ihrer Kunden für Online- und App-Einkäufe mittels Apple Pay freizuschalten. Einzelne Kommunalinstitute machen ihre Kunden sogar schon auf die neue Möglichkeit aufmerksam. So heißt es etwa auf den Websites der Sparkasse Bochum sowie der Sparkasse an der Lippe wortgleich: „Ab sofort ist nun auch die girocard mit Apple Pay und der Sparkassen-Card in Apps und im Web bei immer mehr Händlern nutzbar“. Ein Sprecher des deutschen Sparkassenverbands bestätigte gestern Abend gegenüber Finanz-Szene.de die Einführung der neuen Lösung bei ausgewählten Instituten.

Bislang können Sparkassen-Kunden zwar via Apple Pay mit ihrer Girocard zahlen – allerdings nur am physischen Point of Sale, also wie bei einer klassischen Girocard auch. In Apps oder beim Online-Shopping ist Apple Pay dagegen bislang nur nutzbar, wenn die Kunden nicht nur ein Apple-Gerät, sondern zugleich auch eine Kreditkarte besitzen. Das allerdings tut nur eine niedrige einstellige Millionenzahl. Während bei den Sparkassen zuletzt 46 Mio. Girocards im Umlauf waren.

Technisch funktioniert die „Online-Girocard via Apple Pay“ wie folgt: Die Kunden wählen im Online-Shop oder in der App die Akzeptanz von Apple Pay und bestimmen anschließend als Zahlungsmittel die Girocard und geben die Zahlung per Touch-ID, Face-ID oder Gerätecode auf einem Apple-Gerät frei. Eine mit Google Pay nutzbare digitale Girocard soll zu einem späteren Zeitpunkt folgen.

Vordergründig ist der Schritt eine Win-Win-Win-Situation für alle Beteiligten:

  • Apple bekommt einen direkten Zugang zu jenem Teil der knapp 40 Millionen Sparkassen-Kunden, die ein Apple-Gerät, aber keine Kreditkarte besitzen und bislang Apple Pay nur stationär an Terminals nutzen konnten
  • die Sparkassen verbessern die Girocard an einem entscheidenden Punkt: der bislang fehlenden Online-Nutzungsfähigkeit
    Händler können ihre Zielgruppe auf jene Kunden ausweiten, die bislang noch keine Online-Zahlungsfähigkeit hatten, aber nur eine Sparkassen-Girocard besitzen
  • Zudem können die Händler ihre Marge verbessern, denn die Akzeptanz von Girocards ist günstiger als die anderer Karten-Zahlungsmittel

Allerdings: Viele Sparkassen-Kunden dürften sich online längst an alternative Bezahlmethoden wie Paypal gewöhnt haben. Warum sollen sie sich umgewöhnen? Plus: Apple Pay und Sparkassen müssen als „Late-Mover“ nun Händler und Payment Service Provider an Bord holen, die neue Kombinationen zu akzeptieren. Auch das nicht zwingend ein Selbstgänger.

Ein weiterer Aspekt: Visa und Mastercard fahren derzeit eine massive Attacke auf die Girocard und kaufen sich mit ihren Debitkarten bei immer mehr Banken als „Top of Wallet“-Produkt ein(siehe hier, hier und hier). Kommt der Gegenschlag der Girocard möglicherweise zu spät?

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