Exklusiv

Sparkassen verschmähen Girocard mit Mastercard-Co-Badge

23. Februar 2021

Von Christian Kirchner

Die Meldung war nicht weniger eine Sensation: „Im zweiten Halbjahr 2020 wird das Kartenportfolio in der Sparkassen-Finanzgruppe um die Sparkassen-Card mit dem neuen Co-Badge Debit Mastercard erweitert“ – so stand es im März letzten Jahres urplötzlich auf der Website der „Finanz Informatik“, also des IT-Dienstleisters der Sparkassen (siehe unsere damalige Berichterstattung).

Mit anderen Worten: Die Sparkassen-IT wollte die gute, alte Girocard also (um sie online nutzbar zu machen und ihre Anwendungsmöglichkeiten im Ausland zu erweitern) mit den Debit-Funktionen von Mastercard ertüchtigen. Was hatte das zu bedeuten? War es ein strategischer Geniestreich? Ein Kotau vor den Amerikanern? Das Anfang vom Ende von Maestro? Solche Fragen stellte man sich damals.

Heute, ein knappes Jahr später, lautet die Frage eher: Haben die Sparkassen-Vorstände da draußen in ihren Städten und Dörfern überhaupt etwas mitbekommen von der „Sparkassen-Card mit dem neuen Co-Badge Debit Mastercard“? Interessiert die das? Fragen die Kunden danach?

Denn – so zeigen es Recherchen von Finanz-Szene.de: Obwohl die neue Karte im zweiten Halbjahr letzten Jahres gelauncht wurde und es seit Monaten eine entsprechende Internet-Präsenz namens „jetztistallesmoeglich.de“ gibt, bieten bislang allenfalls (allenfalls!!!) 5% der deutschen Sparkassen ihren Kunden das neue Produkt an. Eine ziemliche Enttäuschung.

Bezeichnend ist, dass sich selbst die großen Sparkassen (mit ihren enormen Ressourcen und ihrer größtenteils urbanen Klientel) dem Angebot bislang weitgehend verweigern. So förderte eine Finanz-Szene.de-Umfrage unter den zehn – gemessen an der Bilanzsumme – wichtigsten Instituten zutage, dass nicht eine die neue Sparkassen-Card mit Mastercard-Debit-Funktionen bereits eingeführt hat. Immerhin: Die Kreissparkasse Köln plant den Launch noch im ersten Halbjahr, vier weitere prüfen das Thema immerhin. Von fünf der zehn größten Sparkassen allerdings heißt es ganz: Nein, das ist (zurzeit) kein Thema.

Im Einsatz Einführung geplant In der Prüfung Keine Einführung geplant
Haspa x
Fraspa x
KSK Köln x
SK Köln-Bonn x
SK Hannover x
KSK München Starnberg Erbersberg x
SK Pforzheim Calw x
SSK München x
Ostsächsische SK Dresden x
MBS x

Hört man sich im Sparkassen-Sektor um, dann ist von „12 bis 18“ Instituten die Rede, die die neue Karte bereits ins Portfolio aufgenommen hätten. Welche das sind, mag aber so recht niemand sagen. Einige wenige Namen immerhin hin über die letzten Wochen und Monaten öffentlich geworden. Die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien und die Sparkasse Siegen gehören dazu. Und die Stadtsparkasse Düsseldorf plant die Einführung immer für Kunden bis 25 Jahren. Aber sonst? Von der Sparkasse Westmünsterland hieß es, sie sei dabei – aber offenbar testet sie dann doch lieber erst einmal. Auch die Ostseesparkasse sollte zu den First Movern gehören. Nun wird es 2022.

Woran liegt’s?

Dazu kursieren eine Reihe von Erklärungen:

  1. Die eigentliche Sparkassen-Card sei für viele Kunden schlicht und ergreifend ausreichend – und die Online- und Apple-Pay-affinen Sparkassenkunden haben für sich ohnehin schon längst Lösungen mit Zweit- oder Kreditkarten gefunden
  2. Die Co-Badge gefährde das Geschäft, das die Sparkassen mit klassischen Kreditkarten machen
  3. Der Praxiseinsatz ist teils tückisch, wenn Kunden keine Wahlmöglichkeit haben, welches Feature (etwa beim Geldabheben) nun genau zum Einsatz kommt – Girocard oder Debitkarte
  4. Manche Institute warten lieber mal ab – aus Angst, dass die neue Lösung womöglich doch noch nicht zu 100% technisch ausgereift sei (wobei die Beispiele Siegen und Oberlausitz ja zeigen, dass der Launch offenbar keine technischen Husarenstücke erfordert)
  5. Manche Kunden könnten sich (dieses Argument wird ernsthaft genannt) von einer Sparkassen-Card mit Co-Badge womöglich überrumpelt fühlen – weil sie eben gar keine Karte wollen, mit der sich im Internet bezahlen lässt

Sind die Limitationen der Girocard mithin ein Feature und kein Bug? Eine Lesart, mit der sich die Payment-Nerds einmal auseinandersetzen sollten.

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