Analyse

Warum der Bank-Verlag jetzt die komplette Führung auswechselt

“Beben beim Bank-Verlag – Geschäftsführer vor Abgang”, titelten wir im Mai letzten Jahres. Damals hatten wir spitzgekriegt, dass die BdB-Tochter (die ihr Geld als IT-Dienstleister für etliche private Banken hierzulande verdient) nicht nur ihr Frankfurter Vertriebsbüro schließt – sondern sich auch vom zuständigen Manager trennt, nämlich von Michael Eichler.

Gut ein Jahr später kommt es nun zu einer Art Nachbeben.

Wie der Bank-Verlag am Montag mitteilte, verlieren demnächst auch die beiden verbliebenen Geschäftsführer ihr Mandat, also zum einen Wilhelm Niehoff (über den es in dem Statement heißt, er wolle sich “nach 15 Jahren in der Geschäftsführung des Bank-Verlags neuen Projekten im Innovationsbereich zuwenden”). Und zum anderen Matthias Strobel, der allerdings bis Ende 2023 im Unternehmen verbleiben soll, “um einen sicheren und reibungslosen Übergang des IT-Betriebes zu ermöglichen”.

Dafür kommen neu: Bernd Oletzky, zuletzt zwei Jahre “Principal” bei der Innovationsberatung Rietzenhoefer & Company und davor (wovon gleich noch die Rede sein wird) rund zwei Jahrzehnte lang in Diensten der Postbank beziehungsweise der Deutschen Bank. Und Sascha Kraatz, ein Nicht-Banker, der beim BdB seit vier Jahren für IT-Themen aller Art zuständig ist und in dieser Position – so wird es jedenfalls erzählt – zuletzt schon überaus regelmäßig mit dem Bank-Verlag zu tun hatte.

Trotz Karten-Booms kommt der Bank-Verlag kaum vom Fleck

Zu den Kunden des Bank-Verlags gehört zum Beispiel die Commerzbank ebenso wie große Auslandsbanken und viele kleinere private Geldinstitute. Die Selbstbeschreibung als das “zentrale Serviceunternehmen privater Banken in Deutschland” ist trotzdem einen Tick zu selbstbewusst. Nur mal zum Vergleich: An die großen Verbund-Dienstleister im Sparkassen- bzw. im Genosektor reicht der Bank-Verlag bei weitem nicht heran. Weder in Bezug auf die Dienstleistungstiefe – noch was die Marktdurchdringung anbetrifft.

Der Fokus des in Köln ansässigen Unternehmens liegt auf dem Zahlungsverkehr und dort vor allem auf dem sogenannten Girocard-Processing. Eigentlich hätte das Unternehmen in den zurückliegenden Jahren massiv vom Trend zu elektronischen Zahlungen profitieren müssen. In der GuV ist davon allerdings nur wenig zu sehen. Jahrelang stagnierten die Umsatzerlöse bei rund 50 Mio. Euro, zuletzt näherte man sich immerhin der 60-Mio.-Euro-Marke. Im privaten Bankenlager wird geargwöhnt, der Bank-Verlag sei in den vergangenen Jahren hinter seinem Potenzial zurückgeblieben. Die Gewinnung wirklich namhafter Kunden ist nicht erinnerlich. Und auch produktseitig soll sich eher wenig getan haben.

Beben beim Bank-Verlag – Geschäftsführer vor Abgang

Zugleich dreht sich die Welt ringsherum immer schneller. Bei einer ganzen Reihe von Privatbanken – darunter auch bei klassischen Bank-Verlags-Kunden – ist die Girocard zuletzt zugunsten der Debitkarten von Mastercard und Visa degradiert worden. Durch die Abschaffung von Maestro steht zudem das klassische Co-Badge-System infrage. Während die Sparkassen in Gestalt der S-Payment schon vor Jahren auf diese Entwicklung reagierten, ist der Bank-Verlag mit seinen entsprechenden Lösungen eher spät dran (siehe Mitte Juni unseren Scoop -> Privatbanken bereiten Co-Badge-Lösung für die Girocard vor).

Die bange Frage lautet nun: Wenn sich die eigenen Kunden peu à peu von der Girocard abwenden – wenden sie sich dann früher oder später auch vom Bank-Verlag ab? Als warnendes Beispiel gilt der öffentliche Bankensektor. Dort vertraut die DKB beim “Issuer Processing” neuerdings auf den US-Giganten Visa, obwohl sie am entsprechenden sektoreigenen Dienstleister “Bayern Card-Services” selbst beteiligt ist.

“Frische Ideen” sollen die beiden Neuen einbringen

Wenn sich der BdB-Mann und Bank-Verlag-Beiratsvorsitzende Joachim Dahm in der Mitteilung nun zitieren lässt, die neue Geschäftsführung werde “mit ihrer Erfahrung und frischen Ideen den Bank-Verlag auch für die Zukunft sicher positionieren” – dann lässt sich in dieses Statement durchaus die Einsicht hineininterpretieren, dass es an frischen Ideen in den letzten Jahren gemangelt haben könnte beim Bank-Verlag. Auf ihren “Head of Information Management” Kraatz halten sie beim Bankenverband große Stücke. Schon letztes Jahr war zu hören, der IT-Spezialist mische sich als BdB-Abgesandter beim Bank-Verlag zunehmend operativ ein. Demnächst kann er das als Geschäftsführer dann auch offiziell tun.

Vom anderen Neuen, also von Bernd Oletzky, dürfte sich der BdB nicht zuletzt eine wieder stärkere Verankerung des Bank-Verlags im privaten Bankenmarkt erhoffen. Die entsprechende Street Credibility dürfte er als langjähriger Manager der Postbank bzw. der Deutschen Bank mitbringen. So fällt unter den diversen Führungspositionen, die Oletzky fast 20 Jahre lang bei den Blauen bzw. den Gelben innehatte, vor allem eine ins Auge: Von 2006 bis 2013 amtierte er als Vorstand der “Betriebscenter für Banken AG” – eines heute zur Deutschen Bank gehörenden Zahlungsabwicklers, der in jenen Jahren unter anderem die Hypo-Vereinsbank und die HSH Nordbank als Kunden gewann.

Solche Nachrichten könnte der Bank-Verlag auch mal wieder gebrauchen.

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