Gästeblog

Wieso die Deutsche Bank auf Mini-Terminals für den POS setzt

26. April 2020

Von Marcus W. Mosen*

Das ist mal eine Überraschung. Oder zumindest klingt es im ersten Moment so: Die Deutsche Bank will in Kooperation mit dem US-Konzern First Data („Telecash“) künftig Mini-Terminals für Bäcker, Kioske und sonstige kleine Händler anbieten, wie die FAZ (Paywall) am Wochenende berichtete. Nun mangelt es nicht an Konkurrenz in diesem Segment.  Anbieter wie Nets/Concardis, Payone, Sumup, die VR Payment oder die zahlreichen kaufmännischen Netzbetreiber (KNB) buhlen hierzulande mit ähnlichen Lösungen um die gleiche Klientel.

Begibt sich die Deutsche Bank also mit einem „Me too“-Produkt in einen längst gesättigten Markt? Auf den ersten Blick klingt es so. Und trotzdem gibt es eine Reihe von Gründen, warum der Schritt erfolgversprechender ist als es vielleicht scheint:

  1. Auch wenn der deutsche Markt mit ca. 1 Mio POS-Terminals durchaus als gesättigt bezeichnet werden kann, wird der Corona-Schock und der damit verbundene Hype des kontaktlosen Bezahlens bei vielen Händlern die Frage auslösen, ob er das optimale POS-Terminal im Einsatz hat und ob seine aktuellen Konditionen noch marktgerecht sind. Das Marktpotential sieht man also nicht nur in „New to Card“-Unternehmen, die noch keine Kartenakzeptanz haben.
  2. Die Deutsche Bank besaß früher eigene Payment-Assets. Zum Beispiel Easycash (2002 verkauft an die GZS) oder die Deutsche Card Service (2012 verkauft an EVO Payments). Zuletzt arbeitete sie mit Easycash zusammen, die 2009 von Ingenico übernommen wurde – und zuletzt im Ingenico-Joint-Venture mit den Sparkassen aufging (also in der neuen Payone). Dadurch ist eine Kooperation zwischen der Deutschen Bank und Ingenico/Easycash vermutlich nicht mehr opportun.
  3. Für den First-Data-eigenen Netzbetrieber Telecash waren die Sparkassen in der Vergangenheit ein wichtiger Vertriebspartner. Betonung liegt auf „waren„: Mit der Deutschen Bank hat First Data nun einen neuen Partner im deutschen Bankenmarkt gewonnen. Kombiniert man die Kartenakzeptanz noch mit einer smarten POS-Lösung mit integrierter Kassen-App, wie z.B. mit dem First-Data-eigenen „Clover“- Produkt, kann man dem Händler zugleich eine Kassenlösung anbieten.
  4. Wenn Payment und Kasse stärker zusammenwachsen, kann man über diese (Daten-)Transparenz in den Umsätzen dem Händler interessante Finanzlösungen anbieten. Und solche werden nach Corona dringend benötigt. Hier bieten sich sicherlich auch die smarten Kassenlösungen der bereits etablierten Startups wie z.B. Orderbird oder Tillhub an.

Verfolgt die Deutsche Bank also nur eine „Me too“-Strategie? Oder stecken dahinter vielleicht auch „Me more“-Überlegungen?


Marcus W. Mosen ist einer der profiliertesten deutschen Payment-Experte. Für Finanz-Szene.de analysiert er regelmäßig Nachrichten und Entwicklungen aus der Zahlungsverkehrs-Branche.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing