Analyse: Sind die Nutzerzahlen von Kwitt wirklich ein Erfolg???

Von Heinz-Roger Dohms

„Kwitt überzeugt mit inzwischen über 90.000 Transaktionen pro Woche und rund 1,2 Millionen registrierten Nutzern – Tendenz weiter steigend“: Diese Erfolgsmeldung haben die deutschen Sparkassen gestern bei ihrer Abschluss-Pressekonferenz auf dem FI-Forum präsentiert. Wobei: Sind die Zahlen des P2P-Payment-Services wirklich ein Erfolg?

Der Versuch einer  Ad-hoc-Einordnung:

  • Dass Kwitt überhaupt Transaktionsdaten veröffentlicht, ist ein Indiz, dass sich die Sparkassen mit den Zahlen zumindest nicht unwohl fühlen. Dass die (inzwischen) gescheiterten Wettbewerber Cookies, Lendstar oder Cringle jemals Transaktionszahlen veröffentlicht hätten, können wir zumindest nicht erinnern (wobei wir uns gern eines Besseren belehren lassen)
  • Wenn der Quervergleich zu Paydirekt (okay, okay – etwas anderes Modell, darum ist das ein bisschen Äpfel mit Birnen …) erlaubt sei: Nach exklusiven Informationen von „Finanz-Szene.de“ kam der bankeneigene Online-Bezahldienst zuletzt auf rund 40.000 Transaktionen monatlich. Hier ist Kwitt (obwohl deutlich später gestartet) also jetzt schon grob um den Faktor 10 voraus.
  • Paydirekt gibt die Zahl der eigenen Nutzer mit 2,1 Millionen an; bei Kwitt sind es laut der Pressekonferenz gestern 1,2 Millionen. In der Hoffnung, uns jetzt nicht kolossal verrechnet zu haben: Im Schnitt führt der durchschnittliche Paydirekt-Nutzer damit nur alle 50 Monate eine Zahlung mit Paydirekt durch, während der durchschnittlich Kwitt-Nutzer alle drei Monate eine Zahlung mit Kwitt durchführt (oder anders gesagt: Der Anteil der aktiven Kunden dürfte bei Kwitt ungleich höher sein).
  • Vergleicht man Kwitt mit sich selbst, dann hat sich die Zahl der Transaktionen innerhalb der zurückliegenden zwölf Monate in etwa verdoppelt (siehe Seite 15 der Präsentation, die gestern bei der PK gezeigt wurde). Aus dem Bauch heraus würden wir sagen: In dem immer noch frühen Stadium, in dem sich Kwitt (gestartet: vor rund zwei Jahren) befindet, ist dieses Wachstum sehr okay, aber nicht fulminant.
  • Hilfreich wäre es zu wissen, wie viele P2P-Zahlungen hierzulande über Paypal bzw. die Paypal-Tochter Venmo gemacht werden. Soweit wir wissen, gibt es hierzu aber keine öffentlichen Daten (wiederum: Wir lassen uns gern eines Besseren belehren) …
  • … indes: Vielleicht hilft ja auch ein Blick zu den großen P2P-Payment-Playern in den USA. Dort gibt es nämlich seit Mitte 2017 einen Anbieter namens Zelle, hinter dem 30 der größten amerikanischen Banken stehen – und der inzwischen ähnlich groß wenn nicht sogar größer als Venmo sein soll. Rund ein Drittel aller Zelle-Transaktionen entfallen angeblich auf Kunden der Bank of America. Im dritten Quartal waren das offiziellen Angaben zufolge 42,3 Millionen Zahlungen. Teilt man diese Zahl durch 13, so erhält man rund 3,2 Mio. Transaktionen pro Woche. Verglichen mit den 90.000 Transaktionen von Kwitt führen die Bank-of-America-Kunden damit über Zelle rund 35-mal so viele Zahlungen durch wie die Kwitt-Kunden über Kwitt.
  • Dazu muss man allerdings wissen, dass Zelle schon von 4,3 Mio. Bofa-Kunden aktiv genutzt wird. Auf den einzelnen User runtergebrochen kommt Zelle damit auf Transaktionszahlen, die „nur“ noch um den Faktor 10 höher sind als bei Kwitt.
  • Nun gälte es natürlich ganz viele Faktoren zu berücksichtigen, von denen wir nicht den blassesten Schimmer haben (Wie offensiv wird Zelle vermarktet?, Wie Mobile-Payment- bzw. P2P-Payment-affin sind die Amerikaner?, etc.pp.) …
  • … aber: Wenn wir es richtig verstehen, gilt Zelle in den USA als durchaus großer Erfolg. Und wenn wir uns nicht verrechnet haben, dann sind die Zahlen von Kwitt zumindest so ordentlich, dass sie sich ganz grob in ein nachvollziehbares Verhältnis zu diesem großen US-Erfolg setzen lassen (während Vergleiche zwischen Paydirekt und Paypal immer so enden, dass man sozusagen das Volumen der Nadel mit dem Volumen des Heuhaufens vergleicht).

Mithin: Kwitt scheint zumindest kein Misserfolg zu sein! Ob sich das Angebot tatsächlich als deutscher P2P-Payment-Standard etabliert, wird man sehen.

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