von Christian Kirchner und Bernd Neubacher, 31. März 2025
In unserem Aufsichts-Ticker verfolgen wir die alltäglichen Scharmützel zwischen der Bafin und den deutschen Banken (und Fintechs!) – und darüber hinaus berichten wir, wie sich die regulatorischen Rahmenbedingungen für die Branche entwickeln.
Hier unser Ticker mit sämtlichen Meldungen für Februar und März 2025:
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Die Bafin hat Sparkassen und Volksbanken vom Verdacht der Falschberatung bei Derivaten für Privatanleger freigesprochen. „Es gab keine systematische Fehlberatung bei Anlage-Zertifikaten. Die Institute haben Kunden nach der Zinswende nicht unzulässig zum Kauf solcher Zertifikate gedrängt“, ließ sich Exekutivdirektor Thorsten Pötzsch gestern in einer Mitteilung zitieren. Zur Tagesordnung kann die Zertifikate-Branche aber trotzdem nicht übergehen. Denn völlig überraschend trat die Bafin stattdessen eine gänzlich andere Debatte los. Hier entlang: FS Premium
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Nachdem wir just erst über das rasante Umsatzwachstum beim Einlagen-Broker Raisin berichtet hatten (siehe weiter unten), sieht sich das Berliner Groß-Fintech nun einer potenziell schärferen Kontrolle durch die Bafin ausgesetzt: Wie das „Handelsblatt“ (Paywall) unter Berufung auf Insider berichtet, prüft die Finanzaufsicht, ob Raisin als Finanz-Holding einzustufen ist – was sich unmittelbar auf die Regulierung des Fintechs auswirken würde.
Zum Hintergrund: Bislang ist die Aufsicht lediglich für eine lizensierte Raisin-Tochter direkt zuständig. Dabei handelt es sich um die 2019 übernommene MHB Bank, die mittlerweile Raisin Bank heißt und sich als „Banking as a Service“-Anbieter innerhalb des Konzerns zu einer kleinen Ertragsmaschine entwickelt hat (siehe unseren Archiv-Artikel -> Unsexy! Wie die Raisin Bank ihre Erträge auf 20 Mio. Euro verdoppelt hat).
Über die Raisin Bank laufen auch die Verrechnungskonten der durch die Mutter betriebenen „Weltsparen“-Plattform. Gegenstand der Bafin-Prüfung ist laut „HB“ nun, ob nicht nur die Bank-Tochter, sondern größere Teile des Geschäftsmodells der Raisin SE „erlaubnispflichtig“ sind. Das Fintech argumentiere indes, dass für das Kerngeschäft, also die Einlagen-Vermittlung, keine Lizenz notwendig sei. Weder die Bonner Behörde noch das Berliner Fintech äußerten sich gegenüber dem „Handelsblatt“.
Die Depesche aus Bonn kam gegen 18.30 Uhr – und las sich auf den ersten Blick eher spröde („Deutsche Bank AG: Bafin setzt Geldbußen fest“). Tatsächlich hat es die abendliche Bafin-Mitteilung allerdings in sich. Wegen gleich mehrerer Verstöße verdonnert die Finanzaufsicht das größte Geldinstitut der Republik zu Bußgeldern in Höhe von kumuliert 23,05 Mio. Euro – ein Vorgang, der quantitativ lediglich mit der 40-Mio.-Euro-Buße gegen das Institut im Jahr 2015 vergleichbar ist (damals ging es um die Rolle der Deutschen Bank beim Umsatzsteuerbetrug mit CO2-Zertifikaten). Neben der schieren Höhe der verhängten Bußgelder erstaunen aber auch die Tatbestände. Einmal nämlich geht es um den „Vertrieb von Derivaten“. Einmal um einen Komplex namens „Telefonaufzeichnung“. Und einmal um Probleme bei der „Kontenwechselhilfe“. Was genau hat es damit auf sich? Wir haben uns trotz vorgerückter Stunde für Sie schlau gemacht, liebe Leserinnen und Leser – hier unser nächtliches FAQ: FS Premium
Streit mit der EZB: Bildet die Deutsche Bank zu wenig Risikovorsorge?
„Man fragt sich, ob die Commerzbank ins Ausland will – oder ob sie ins Ausland muss“
Einerseits fielen die Reaktionen auf das drohende FIDA-Aus gestern höchst unterschiedlich aus (während manche Fintechs unter Schock stehen, überwiegt in den Banken die Erleichterung, von einem weiteren aufwendigen Regulierungsvorhaben möglicherweise verschont zu bleiben). Andererseits – überrascht waren sie alle! In Berlin bei den Verbänden. Genauso wie draußen bei IT-Anbietern, Beraterfirmen, Kanzleien und wer sich sonst noch alles neues Geschäft von FIDA versprochen hatte. Denn: Dass FIDA geschleift würde, das hatten manche durchaus erwartet angesichts der neuen globalen Großwetterlage. Aber dass die EU-Kommission das Vorhaben komplett einstampfen will? Krass, so der einhellige Tenor! Hier unser FAQ zum Regulierungs-Hammer aus Brüssel (darunter auch zur Frage, ob es sich die Kommission womöglich in letzter Sekunde doch noch mal anders überlegt, sieht nämlich fast so aus, aber vielleicht auch wirklich nur fast): FS Premium
Entsetzen bei deutschen Fintechs – zieht Brüssel die FIDA-Verordnung zurück?
Trade Republic gerät wegen seines Zinsangebots mit der Bafin in Konflikt. Laut einem Bericht des „Manager Magazins“ (Paywall) kritisiert die Aufsicht mangelnde Transparenz bei den hinter dem Zinsprodukt liegenden Geldmarktfonds. Dazu muss man wissen: Trade Republic, aber auch andere Fintechs bedienen sich solcher Fonds, um die Zinsen zu erwirtschaften, die sie dann an ihre Kunden weiterreichen (siehe in unserem Archiv –> Wie sich Fintechs an Geldmarkt-Produkten versuchen). Auch bei Trade Republic wird nur ein Teil der Summe, die ein Nutzer auf seinem Konto hat, bei der EZB geparkt – der Rest fließt in Geldmarktfonds, weil diese eine etwas höhere Verzinsung als die Notenbank bieten.
Zwar wird den Trade-Republic-Kunden in ihrer Konto-App angezeigt, wie viel von ihrem Geld in diesen Fonds liegt. Laut „Manager Magazin“ stört sich die Bafin dabei allerdings daran, dass die Details dieser Anlagen den Kunden verborgen bleiben – anders als beispielsweise bei den ETF-Anlagen, wo etwa auch der Anschaffungskurs und die täglichen Preisschwankungen abgebildet werden. Die Aufsicht fordere deshalb nun von dem Neobroker, diese Informationen den Kunden entsprechend zur Verfügung zu stellen.
… dass die Bafin gegen die Tesla Financial Service GmbH (also den hiesigen Absatzfinanzierer des US-Autobauers) vier Bußgelder in Höhe von insgesamt 11.000 Euro verhängt hat? Begründung: „Das Unternehmen hatte das Ausscheiden eines Geschäftsleiters nicht rechtzeitig, nicht richtig und nicht vollständig angezeigt. Es hatte außerdem seine Absicht, einen Geschäftsleiter zu bestellen, nicht rechtzeitig angezeigt.“
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