von C. Kirchner, B. Neubacher, H.-R. Dohms, G. Hädicke und C. Behr, 30. April 2026
In unserem „Produkt und Kunde“-Ticker beschreiben wir, was sich bei Banken und Fintechs an der Schnittstelle zum Kunden so alles tut.
Hier unser Ticker für März und April 2026:
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Es wirkt geradezu paradox. Auf der einen Seite ist Trade Republic das erfolgreichste deutsche Fintech, hat in wenigen Jahren mehr als 10 Millionen Kunden gewonnen (die mit dem Angebot größtenteils zufrieden sein dürften, ansonsten wäre der gigantische Zulauf ja kaum zu erklären). Doch auf der anderen Seite – werden die einschlägigen Foren seit jeher mit negativen Nutzerkommentaren geradezu überflutet. Gängiger Tenor: „Einen Kundendienst gibt es de facto bei TR nicht, weder per Post, per E-Mail noch per Telefon. Anfragen jedweder Art werden komplett ignoriert.“ Richtig daran ist, dass der Kundenservice bis dato lediglich aus einer Chat-Funktion besteht, deren Antworten teils von künstlicher Intelligenz generiert werden. Und richtig ist ebenfalls, dass eine signifikante Zahl von Kunden mit diesen Antworten offenkundig wenig anzufangen weiß. Und so vollzieht Trade Republic nun, zwei Jahre, nachdem der eigene Kundendienst geschlossen und das Servicethema zunächst outgesourct wurde, eine spektakuläre Trendwende. Wie Finanz-Szene vorab erfahren hat, wurden in Berlin die letzten Monate dazu genutzt, still und leise doch wieder einen eigenen Kundenservice aufzubauen. Wobei sich Trade Republic dem allgemeinen Branchentrend erstaunlicherweise widersetzt. Denn während andernorts Sprachcomputer und KI-Chatbots in den Kundenservice einziehen, verspricht Trade Republic allen Ernstes „100% menschlichen Kontakt“, natürlich nicht mehr nur per Chat, sondern auch via Telefon, und das rund um die Uhr. In Kürze soll es losgehen, rund 1.000 (!) Leuten stehen in den Startlöchern. Hier alle Details – und warum es vielleicht gar kein Widerspruch ist, dass ausgerechnet ein digitaler Player so entschieden auf menschlichen Support setzt: FS Premium
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Im Onboarding-Prozess für Banken und Fintechs bahnen sich einschneidende Veränderungen an. Wie Finanz-Szene dieser Tage ja schon berichtete, droht dem Video-Ident im Zuge der neuen EU-AML-Verordnung die Degradierung zu einem bloßen Hilfsverfahren – während die neue Regulierung insbesondere die Identifikation über den elektronischen Ausweis privilegiert (siehe –> Angriff aufs Video-Ident – neue EU-Regeln verunsichern Banken und Fintechs). Darüber hinaus könnte es für das eID-Verfahren allerdings bald einen weiteren, aus Kundensicht womöglich entscheidenden Push geben. Hier unsere exklusiven Informationen (und welche Banken sich schon mal freuen dürfen): FS Premium
…, dass die European Payments Initiative – mal wieder, möchte man mit ganz, ganz zarter Ironie hinzufügen – einen „Proof of Concept“ erbracht hat? Diesmal ging es um einen gemeinsamen Test mit zwei südeuropäischen Zahlungssystemen (Bancomat aus Italien und SIBS-MB WAY aus Portugal), bei dem festgestellt wurde, dass die jeweiligen mobilen Bezahllösungen grenzüberschreitend im stationären Handel funktionieren, Stichwort „Interoperabilität“. Fehlen jetzt also nur noch die Kunden, die es nutzen.
Preiskampf im KMU-Banking – selbst Qonto rückt von ambitioniertem Pricing ab
Die AMLA legt los – neue Behörde unterzieht Banken einem Daten-Stresstest: Die neue Anti-Geldwäsche-Behörde hat ihre erste große Abfrage bei europäischen Banken gestartet. Bis Ende April müssen die Institute umfangreiche Datensätze liefern, auf deren Basis dann entschieden wird, welche Häuser ab 2028 direkt von der AMLA beaufsichtigt werden. Gleichzeitig verschärfen neue AML-Vorgaben die KYC-Anforderungen drastisch: kürzere Aktualisierungszyklen, mehr Prüfpflichten, ein erweiterter Kreis politisch exponierter Personen. Für Banken ist die aktuelle Übung also auch ein Test des eigenen Datenmanagements – und ein Vorgeschmack auf das, was künftig regelmäßig passiert. Hier entlang: Finanz-Szene (frei zugänglich)
Zwei Jahre nach der letzten großen Debatte ums Video-Ident (siehe unseren damaligen Deep Dive) gerät das hierzulande beliebteste KYC-Verfahren erneut unter regulatorischen Druck. Dazu muss man wissen: Dass die meisten deutschen Banken beim Onboarding ihrer Kunden bevorzugt aufs Video-Ident setzen, liegt nicht zuletzt an dessen regulatorisch präferierter Stellung. So handelt es sich bei der Identifikation per Video (anders als etwa beim Foto-Ident) um eine vom GwG vollständig akzeptierte KYC-Methode, die rechtlich quasi auf einer Ebene mit der persönlichen Identifikation in der Filiale oder dem Post-Ident-Verfahren steht. Indes: Genau das könnte sich bald ändern – darauf stellen sich Banken und Fintechs, mit denen Finanz-Szene gesprochen hat, gleichermaßen ein. Hintergrund ist die für 2027 geplante neue EU-Anti-Geldwäsche-Verordnung – bzw. die sie flankierenden, aktuell zur Konsultation stehenden „Regulatory Technical Standards“. Diese RTS sehen grob gesagt vor, dass „Non-Face-to-Face“-Verfahren wie das Video-Ident künftig durch ergänzende Verfahren angereichert werden sollen, um ihre rechtliche Stellung nicht zu verlieren. Oder, so interpretiert es mancher Jurist, das Video-Ident könnte gar zum „Fallback“-Verfahren werden – damit sei es dann „de facto tot“, wird nun im Markt geraunt. Andere Gesprächspartner sehen die Dinge nicht ganz so dramatisch – räumen allerdings ein, dass zumindest dem bislang praktizierten „einfachen“ Video-Ident das Aus droht. Wie sähe nun eine angereicherte Variante konkret aus? Welche alternativen Verfahren könnten an Bedeutung gewinnen? Und was heißt das alles für Banken und Fintechs, wer profitiert, wer verliert? Unser Deep Dive: FS Premium
Gut ein Jahr ist es her, dass die Börse Stuttgart (bzw. deren Custody-Tochter) als erster deutscher Anbieter eine Micar-Lizenz erhielt – also die regulatorische Erlaubnis, bestimmte Krypto-Dienste wie Emission, Verwahrung oder Handel anzubieten. Inzwischen, also gut zwölf Monate später, hat die Bafin alles in allem schon 51 Micar-Lizenzen ausgestellt, davon 20 an klassische Banken. Dabei bildeten große Player wie die Commerzbank oder Spezialisten wie die Baader Bank lediglich die Vorhut. Inzwischen ist das Phänomen derart verbreitet, dass sich unter den Inhabern einer Micar-Lizenz auch etliche Volks- und Raiffeisenbanken, Nischenplayer wie der Düsseldorfer Wertpapierhändler Sino und selbst einige stinknormale Vermögensverwalter befinden. Sinnbildlich: Während anfangs noch großes Bohei gemacht wurde, wenn irgendwer eine Micar-Lizenz erhielt, wird inzwischen nicht mal mehr eine Pressemitteilung verschickt. Scalable Capital zum Beispiel hat seit einigen Wochen eine Zulassung, ohne dass darüber irgendwas zu lesen war, bei der MLP Banking AG ist es genauso. Micar, mit anderen Worten, ist jetzt Commodity. Hier der Überblick über alle hiesigen Lizenz-Inhaber: FS Premium
Zwei Jahre nach dem Exit – deutsche Santander strebt zurück ins Baufi-Geschäft
Die erste Mail kam Mitte März, die zweite eine Woche später. Aber offenbar handelte es sich nicht um ein allgemeines Mailing. Sondern um ein – neudeutsch – zielgruppenspezifisches. Wobei es sich in dem Zusammenhang lohnt, noch mal an den Podcast zu erinnern, den wir im September mit ING-Deutschland-Chef Lars Stoy gemacht haben. Nicht weniger als 19-mal (!) fiel in der damaligen Folge das Wort „Zielgruppe“. Man müsse besser werden im „Zielgruppen-Management“, sagte Stoy beispielsweise. Und: Man müsse „Dienstleistungen anbieten, die vielleicht nicht für jedermann passen, aber für bestimmte Zielgruppen mit bestimmtem Vermögenshintergrund dann eben doch treffend sind“. Und: Man müsse „Ansprechweisen produzieren, die die Bank noch relevanter in [bestimmten] Zielgruppen machen“. Damals klang das alles noch etwas abstrakt. Doch nun – gibt es erstmals einen Vorgeschmack, was Stoy damals gemeint hat. Hier entlang: FS Premium
Der nächste Immo-Fonds schließt – für unsere Banken aber (noch) kein Grund zur Panik
Die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD hat sich auf die wesentlichen Eckpunkte beim Altersvorsorge-Depot (a.k.a. „Riester-Reform“) geeinigt – und kurz vor der für Freitag geplanten Abstimmung im Bundestag noch einige fundamentale Änderungen gegenüber dem Entwurf aus dem Dezember vorgenommen. Während Verbraucherschützer frohlocken, zürnen Asset Manager und Versicherer. Und was heißt das alles für Banken und Fintechs? Ein paar flotte Einschätzungen zur (plötzlich ziemlich veränderten) Lage: FS Premium
Bei den Sparkassen ist der klassische Wertpapier-Absatz komplett gecrasht
Das Münchner Investment-Fintech Scalable Capital kommt erstmals mit einem klassischen Bankprodukt an den Markt. Laut Informationen von Finanz-Szene wird der Neobroker zeitnah ein eigenes Tagesgeldkonto launchen, nicht nur in Deutschland, sondern auch in weiteren europäischen Ländern. Der Zinssatz liegt zum Start bei 2,5% (für Neu- wie Bestandskunden gleichermaßen und bei unbegrenzter Einlagenhöhe) – eine ziemliche Kampfansage! Dazu muss man wissen, dass Scalable seinen Brokerage-Kunden für deren Liquidität auch jetzt schon eine Verzinsung in Höhe des EZB-Einlagenzinses (also 2,0%) zahlt. Rein inhaltlich stellt das eigene Tagesgeldkonto also eine begrenzte Weiterentwicklung der Produktpalette dar. Gleichwohl geben die Münchner sechs Monate nach dem Erhalt der Bafin-Lizenz erstmals konkret zu erkennen, sich stärker gen Bankgeschäft zu orientieren. Dabei behält sich Scalable vor, die Einlagen auf die eigene Bilanz zu nehmen oder sie mittels Treuhand-Sammelkonten an eine der Partnerbanken (Deutsche Bank, HSBC, J.P. Morgan) bzw. an einen Geldmarktfonds weiterzureichen.
Sämtliche „Produkt und Kunde“-News aus Februar 2026
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