von B. Neubacher, C. Behr, H.-R. Dohms, H. Kohlhaus und G. Hädicke, 31. März 2026
In unserem Genobanken-Ticker verfolgen wir Volks- und Raiffeisenbanken genauso wie PSD- und Sparda-Banken, die DZ-Bank-Gruppe genauso wie die Atruvia.
Hier unser Ticker für März 2026:
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Glaubt man Cornelius Riese, dem Chef der DZ Bank, dann verfügt sein Haus über ein natürliches Ergebnisniveau irgendwo zwischen 2 Mrd. und 3 Mrd. Euro (bis 2024 sprach Riese von 2,0–2,5 Mrd. Euro, seitdem von 2,5–3,0 Mrd. Euro). Ironischerweise ist es aber so, dass das tatsächliche Ergebnis irgendwie nie dem natürlichen Niveau entspricht. Entweder, die DZ Bank landet oberhalb von 3 Mrd. Euro (2021, 2023, 2024). Oder sie landet unterhalb von 2 Mrd. Euro (2020, 2022). Aber sie landet nie mittendrin. Wie ein Elfmeterschütze, der mal rechts vorbeischießt und mal links, aber der partout nicht das gut sieben Meter breite Tor treffen will. Das alles liegt nun wiederum daran, dass die DZ Bank unter ihrem Dach einen Versicherer beherbergt, dessen Ergebnisse aus Gründen, die wir nicht verstehen, aber als Banken-Newsletter auch nicht verstehen müssen („versicherungstechnisch“), wie ein Fähnlein im Sturm flattern. Mal macht die R+V kaum Gewinn (2020). Mal schreibt sie sogar Verlust (2022). Und mal (genauer: 2025) macht sie dermaßen viel Gewinn, dass in der Ableitung die DZ Bank dermaßen viel Gewinn macht, dass in der zweiten Ableitung eine große Wirtschaftszeitung vermeldete, die DZ Bank habe im abgelaufenen Geschäftsjahr sogar mehr Gewinn gemacht als die Commerzbank (merke: Wenn ein Apfel richtig, richtig dick ist, dann ist er mitunter sogar dicker, als eine Birne hoch ist). Oder anders gesagt: Die DZ Bank hat bei ihrer Bilanz-PK also einen Fabelrekordgewinn in Höhe von surrealen 4,3 Mrd. Euro präsentiert. Was aber nicht unbedingt etwas über ihre aktuelle Performance aussagt. Hier die Ergebnisse in der Einzel-Analyse: FS Premium
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Wer in den letzten Wochen unsere Berichterstattung zur Bilanzsaison in den beiden Verbünden verfolgt hat (siehe vor allem das Stück –> Wie sich die Gewinne von Sparkassen und Volksbanken verselbstständigen) – den dürfte kaum überrascht haben, dass die BVR-Oberen bei ihrer Bilanz-PK exzellente Zahlen im Gepäck hatten. Überraschend kam allenfalls, wie exzellent die Zahlen letztlich ausgefallen sind. Denn während die regionalen Sparkassen-Verbände zuletzt überwiegend von einer Verteidigung der Zinsergebnisse und damit der Betriebsergebnisse berichteten, haben die Volks- und Raiffeisenbanken den Zinsüberschuss im abgelaufenen Geschäftsjahr sogar nochmal signifikant ausgebaut – nämlich um 5% auf noch nie dagewesene 21,5 Mrd. Euro. Mit der Folge, dass das Betriebsergebnis sogar um ein Zehntel auf 9,5 Mrd. Euro nach Bewertung anschwoll. Auf die Frage, wie dieses Kunststück gelang, gibt es nun drei Antworten, nämlich zwei naheliegende (die so ähnlich auch auf die Sparkassen zutreffen dürften) und eine für die Connaisseure. Lesen Sie hier unsere Analyse der 2025er-Zahlen der genossenschaftlichen Primärebene, einschließlich der sehr interessanten Fragen, warum sich eigentlich das Provisionsgeschäft seit Jahren so anämisch entwickelt und warum bei den Sparkassen die Sachkosten explodieren, bei den Genossen aber ganz und gar nicht: FS Premium
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LSI-Stresstest: So weit senkt die Bafin die Hürden für Sparkassen und Volksbanken
Die bayerischen Genossenschaftsbanken müssen nun doch höhere Abschreibungen auf ihre Schuldschein-Engagements bei der Baywa vornehmen. Im vergangenen Jahr hatten die Institute zunächst angekündigt, nur 60% ihrer rund 220 Mio. Euro schweren Forderungen wertberichtigen zu wollen (was schon damals seltsam halbgar wirkte, siehe –> Wie sich viele Volksbanken um die gebotenen Baywa-Abschreibungen herumwinden). Nachdem der bayerische Agrarhändler vor wenigen Tagen nun ad-hoc das Sanierungskonzept für die Tochter BayWa r.e. sowie deren mittelfristige Ergebnisplanung kassiert hatte, besinnen sich die Institute nun aber offenbar doch eines Besseren. So empfiehlt der GVB – also der bayerische Regionalverband – seinen Mitgliedsinstitut jetzt, „einen weiteren Sicherheitspuffer einzuplanen“, wie Präsident Stefan Müller am Dienstag erklärte – auch Prüfungsvorstand Alexander Leißl machte „einen gewissen Nachbesserungsbedarf“ aus, gleichwohl ohne diesen zu beziffern. Die vorläufigen Ergebnisse der 175 Genobanken im Freistaat dürften die Belastung abfedern helfen. Wie der Verband berichtete, zogen der Zinsüberschuss (um 7% auf 3,8 Mrd. Euro) und das Betriebsergebnis vor Bewertung (um 7% auf 2,2 Mrd. Euro) jeweils deutlich an. Das Betriebsergebnis entsprach einem Wert von 1,03% der durchschnittlichen Bilanzsumme – sieben Basispunkte höher als der Bundesschnitt. Nach Bewertung bleiben den bayerischen Genobanken ein Ergebnis von 0,86% der DBS (bundesweit: 0,78%).
„Stößt die BAG Hamm an Grenzen?“, fragten wir kürzlich in einer großen Analyse – nun gibt es die Antwort! Laut Exklusiv-Informationen von Finanz-Szene bereitet die Bad Bank der Genossen eine umfangreiche Kapitalerhöhung vor. Hintergrund sind die vielen Sanierungen in Schieflage geratener Primärbanken in den letzten Jahren. Zwar war die BAG Hamm nicht in alle diese Fälle involviert. Gleich mehrmals nahm sie allerdings in großem Volumen faule Kredite von Probleminstituten auf die eigene Bilanz. Dadurch verdoppelte sich die Bilanzsumme der BAG Hamm schon 2024 auf mehr als 700 Mio. Euro. Die Risikoaktiva explodierten sogar um 193% auf 983 Mio. Euro, mit der Folge, dass sich die harte Kernkapitalquote (die zuvor mit 98% freilich extrem hoch gewesen war) auf nur noch 33% drittelte. Im jüngst abgelaufenen Geschäftsjahr 2025 kaufte die BAG Hamm dann nochmals Kredite im Volumen von nun sogar 1,2 (!) Mrd. Euro von anderen Genobanken auf, wie Vorstandschef René Kunsleben jüngst in einem Interview erklärte. Zu den Implikationen für die Kapitalquote äußerte sich Kunsleben zwar nicht. Dass diese sich abermals deutlich reduziert hat, dürfte allerdings auf der Hand liegen. Lesen Sie hier, in welchem Umfang die BAG Hamm nun gegensteuert und was das für den Sektor bedeutet: FS Premium
DLT-Schisma am Main – DZ Bank emittiert Anleihe über öffentliche Blockchain
Philipp Stein, der neue Verbandschef der PSD-Banken, schlug sich wacker, als er dieser Tage sein Antritts-Gespräch bei der Börsen-Zeitung hatte. „Fit für die Zukunft“ wolle er die PSD-Gruppe machen, „neue Ertragsquellen erschließen“, „die Marke stärken“. Und, ach ja, erinnert wurde bei der Gelegenheit auch noch mal an das 10 Mio. Euro schwere „Investitionspaket“, welches die PSD-Banken im November beschlossen hatten, „unter anderem“ für eine „bundesweite Markenkampagne“ und „den Einsatz von künstlicher Intelligenz“ … Um die Sache abzukürzen: Ob eine Markenkampagne das ist, was man im engeren Sinne unter einer Investition versteht, sei mal dahingestellt – entscheidender ist die Frage, ob man mit nur 10 Mio. Euro den Kampf gegen die Revoluts und ING Dibas dieser Welt gewinnen kann. Die Antwort, klar, lautet „Nein“, und so drängt sich (leider, mag man sagen) der Eindruck auf, dass der neue Verbandschef Stein früher oder später vom Gestalter zum Liquidator mutieren könnte. Denn: Auch wenn Stein in der „BÖZ“ so tat, als sei völlig handelsüblich, was da gerade in seiner Gruppe abgeht („Konsolidierung ist in der gesamten Bankenlandschaft normal. Nur ist die Grundgesamtheit der PSD-Bankengruppe kleiner, sodass es mehr auffällt“) – es ist eben nicht normal. Schließlich konsolidierten die PSD-Banken zuletzt ja nicht mehr überwiegend untereinander. Sondern in drei Fällen wurden sie aus der Gruppe rausgebrochen, um andernorts ein solideres Obdach zu finden. Zweimal handelte es sich bei dem Obdach um die BBBank, einmal um eine größere Volksbank. Und nun – steigen laut exklusiven Recherchen von Finanz-Szene auch die Sparda-Banken in die Filetierung der PSD-Gruppe ein. Hier entlang: FS Premium
Volksbanken wollen Dienstleister fusionieren – DG Nexolution als neues Powerhouse?
Im hessischen Genosektor wird weiter fleißig fusioniert. Am Donnerstag teilten die Volksbank Butzbach und die Volksbank Ober‑Mörlen mit, dass sie einen Zusammenschluss planen. Die Aufsichtsräte beider Häuser hätten eine Absichtserklärung zur Fusion unterzeichnet, die Verschmelzung solle zum 1. Januar 2027 wirksam werden. Bei einem Zusammenschluss entstünde eine Bank mit einer Bilanzsumme von knapp 700 Millionen Euro, rund 10.000 Mitgliedern und etwa 100 Mitarbeitern. Die Konsolidierung unter den hessischen Volks- und Raiffeisenbanken setzt sich damit fort. Ende Januar hatten mit der Volksbank Rhein-Lahn-Limburg, der Rheingauer Volksbank und der Raiffeisenbank Niederwallmenach drei Institute eine Fusion zur „Volksbank Rheingau-Lahn-Limburg“ bekanntgegeben.
Private Equity greift nach Prüfungsverband – BVR gibt sich gelassen
Die Volks- und Raiffeisenbanken kommen wenige Wochen nach dem Start ihrer neuen Girocard-Lösung fürs iPhone bereits auf rund 500.000 Aktivierungen, wie diese Woche bei der Bilanz-PK des BVR verlautete (und wie zuerst „Bloomberg“ vermeldete). Diese Zahl ist insofern interessant, als die Genossen – im Gegensatz zu den Sparkassen – die Einbindung der Girocard in Apple Pay seit Jahren verweigern und stattdessen (nach der regulatorisch erzwungenen Öffnung der NFC-Schnittstelle des iPhones) jetzt auf einen komplett eigenständigen Ansatz vertrauen. Die neue Lösung wurde ursprünglich Mitte Dezember gelauncht. Um einen Fehlstart zu vermeiden, wurde der Rollout allerdings über mehrere Wochen gestreckt, sodass manche VR-Banken (das jedenfalls war der Plan) ihren Kunden die neue Bezahlmethode erst ab dem 8. Januar bzw. sogar erst ab dem 15. Januar anbieten konnten. BVR-Vorständin Tanja Müller-Ziegler betonte laut der „Bloomberg“-Meldung, dass die 500.000 Aktivierungen ohne besondere Marketing-Maßnahme erreicht wurden – tatsächlich war die erste große Werbekampagne laut dem ursprünglichen Zeitplan erst fürs zweite Quartal vorgesehen. Unklar ist weiterhin, ob die Genossen künftig auch bei Kreditkarten-Zahlungen via iPhone auf die NFC-Lösung setzen wollen – siehe dazu unseren Scoop aus dem letzten Mai.
Die Liste der genossenschaftlichen Primärinstitute, die vom BVR gestützt werden mussten, ist um einen Namen reicher. Wie aus Finanz-Szene vorliegenden Dokumenten hervorgeht, hat auch die VR-Bank Magstadt-Weissach im Zuge ihrer faktischen Übernahme durch die Vereinigte Volksbank in Böblingen eine „substanzielle“ Garantie der Sicherungseinrichtung erhalten. Damit sollten „latente“ Bewertungsrisiken abgeschirmt werden. Zur Höhe der Garantien wollten sich die Beteiligten auf Anfrage nicht äußern. Man darf allerdings von einem signifikanten zweistelligen Millionenbetrag ausgehen. Dass die VR-Bank Magstadt-Weissach zu den Stützungsfällen gehörte, kommt nicht wirklich überraschend (siehe schon im April 2024 unser Stück -> Die Geschichte vom seltsamen Niedergang der VR-Bank Magstadt-Weissach). Schon bekannt waren die Stützungen für die VR-Bank Bad Salzungen-Schmalkalden (März und September 2024), die Volksbank Dortmund-Nordwest (Juli 2024 und April 2025), die Volksbank Düsseldorf-Neuss (September 2024 und Mai 2025), die Raiffeisenbank Bad Schussenried-Aulendorf (Juni 2025), die Raiffeisenbank Hochtaunus (Juli 2025) sowie das Bankhaus RSA (September 2025).
Volksbanken wollen mit neuem „Jugendkonto“ die Akquise junger Kunden forcieren
Wie das bei Verbund-Projekten halt manchmal so ist, ging’s auch bei Amberra anfangs etwas rumpelig zu (siehe etwas dieses Stück hier von Ende 2022). Nun allerdings, knapp vier Jahre nach der Ankündigung und rund zwei Jahre nach dem Launch, hat das genossenschaftliche „Venture Studio“ das angepeilte Zielvolumen von 100 Mio. Euro für seinen Wagniskapital-Fonds tatsächlich beisammen. Das Kapital dafür komme von insgesamt 180 der rund 650 genossenschaftlichen Primärbanken, erklärte Amberra-CEO Björn Schmuck diese Woche im Gespräch mit Finanz-Szene – wobei insgesamt mehr als die Hälfte der Bilanzsumme der Gruppe repräsentiert sei. Die durchschnittliche Investitionssumme pro Institut liegt also bei rund 550.000 Euro. Zu den beteiligten Banken gehören laut Amberra die Hannoversche Volksbank und die Volksbank Raiffeisenbank Würzburg. Wie Finanz-Szene darüber hinaus aus dem Verbund hört, sollen auch die Berliner Volksbank und die Frankfurter Volksbank Rhein/Main (also die zwei größten deutschen VR-Banken) sowie weitere Metropol-Volksbanken wie die aus Stuttgart und Hamburg am Start sein. Was mit dem Geld jetzt passieren soll: FS Premium
Bei der DZ Privatbank steht ein Wechsel an der Spitze an. Vorstandschef Peter Schirmbeck legt sein Amt beim genossenschaftlichen Private-Banking-Spezialisten zum 30. Juni 2026 aus persönlichen Gründen nieder. Sein Nachfolger wird Arasch Charifi, der den Vorstandsvorsitz zum 1. Juli übernimmt. Intern verkündet wurde der überraschende Wechsel am Montagabend im Rahmen einer Vorstandsinfo. Schirmbeck hatte die DZ Privatbank seit Anfang 2019 geführt. Die verwalteten Kundenvermögen erhöhten sich seitdem von 16 Mrd. Euro auf gut 30 Mrd. Euro. Der neue Vorstandsvorsitzende Charifi ist seit 2021 bei der DZ Privatbank. Seit 2024 gehört der ehemalige Deutschbanker dem Vorstand an. Charifi verantwortet das Geschäftsfeld Private Banking & LuxCredit, Treasury/Brokerage sowie das Portfoliomanagement und übernimmt künftig zusätzlich die Ressorts Strategie, Gremien und Marketing. Parallel stellt die Bank auch ihr Führungsteam neu auf: Frank Stuhlmüller steigt als CFO in den Vorstand auf, Alexander Hildner soll zum 1. Januar als neuer CRO folgen, während Alexandra Schmidt-Mintgen wie bereits bekannt zum 1. Juli 2026 in den Vorstand aufrückt.
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