von C. Kirchner, B. Neubacher und H.-R. Dohms, 30. Juni 2026
In unserem Großbanken-Ticker verfolgen wir, was bei Deutsche Bank, Commerzbank und Hypo-Vereinsbank los ist – und widmen uns auch den tendenziell im CIB-Geschäft tätigen großen Auslandsbanken.
Hier der Ticker für Juni 2026:
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Dafür, dass der Übernahmepoker um die Commerzbank letzte Woche angeblich schon entschieden war, wirkte er diese Woche dann fast schon wieder offen. Rückblick: Nachdem die Unicredit am Dienstag voriger Woche mitgeteilt hatte, ihr seien infolge ihres Übernahmeangebots knapp 8% aller Coba-Aktien angedient worden, machte kurzzeitig die Deutung die Runde, die Italiener stünden damit jetzt bei gut 50% und seien also mehr oder weniger am Ziel. Schließlich hielt (und hält) die Unicredit ja schon knapp 27% aller Aktien. Und sie verfügte (und verfügt) über zwei derivative Long-Positionen im Umfang von gut 3% bzw. gut 13%. „Schachmatt mit Ansage – Die Commerzbank hatte keine Chance“, kommentierte die Börsen-Zeitung. Dass das eine womöglich etwas vorschnelle Deutung war, darauf freilich deutete auch da schon einiges hin. So wehrte sich, erstens, die Commerzbank mit Händen und Füßen und allem, was ihr sonst noch am Leibe baumelt, gegen die 50%-Interpretation. Und zweitens sagte einem ja auch der gesunde Menschenverstand, dass da irgendwas nicht stimmte – denn warum werden der Unicredit satte 8% aller Aktien angedient, wenn sie weniger bietet als parallel an der Börse für die Papiere gezahlt wird? Jedenfalls: Inzwischen sind wir sieben Tage, ein paar Pflichtveröffentlichungen sowie etliche Posts, Artikel und sonstige Wortmeldungen zum Thema weiter. Und auch, wenn die Lage diffus bleibt, lassen sich zwei Dinge jetzt doch feststellen: 1.) Ja, es spricht inzwischen fast alles dafür, dass die Unicredit ihre Position tatsächlich aufbläht; und 2.) Ja, bis zu einem bestimmten Grade lässt sich sogar entschlüsseln, wie sie das mutmaßlich macht, warum sie das macht und warum sie das darf. Die eigentliche Erkenntnis der letzten Tage ist allerdings noch eine andere. Denn – auf Basis neuer Offenlegungen der Unicredit lässt sich nun erstmals auch in Positionen hineinblicken, die sie eigentlich gar nicht zu melden bräuchte. Und genau diese Positionen werfen plötzlich noch mal ein ganz neues Licht auf die ganze Übernahmeschlacht. Das eigentlich Relevante scheint für den Moment gar nicht zu sein, wie nah die Unicredit an den 50% ist – sondern dass sie ihr Spiel offenbar so eiskalt durchdekliniert hat, dass sie am Ende fast nur gewinnen kann, egal wie’s ausgeht. Unser Deep Dive: FS Premium
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Die deutschen Banken verteidigen trotz anhaltend ungünstiger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen ihr Ertragsniveau im Firmenkundengeschäft. Wie die zweite Auflage des Corporate-Banking-Monitors von Finanz-Szene zeigt, addierten sich die Gesamterträge der zwölf größten einheimischen Player zwischen Juli und Dezember auf 11,883 Mrd. Euro – was nicht nur einen Zuwachs verglichen mit dem Vorjahr bedeutete (+2,5%), sondern sogar etwas mehr war als im H2/23, also unmittelbar nach der Zinswende. Die Vorsteuergewinne summierten sich auf 4,489 Mrd. Euro. Das entsprach zwar nicht mehr ganz dem Level des ersten Halbjahrs (5,551 Mrd. Euro) – bedeutete aber eine deutliche Erholung (+23%) verglichen mit der Vorjahresperiode, als hohe Risikokosten die Ergebnisse auf breiter Flur hatten absacken lassen. Was derweil auffällt: Die Deutsche Bank und die Commerzbank scheinen ihre Position im hiesigen Firmenkundengeschäft aktuell auszubauen. Eine Momentaufnahme? Oder ein Indiz, dass sich beispielsweise die Landesbanken womöglich schwertun, ihr Terrain gegen die ganz großen Player zu verteidigen? Alle Entwicklungen und alle Zahlen – die zweite Auflage unseres Corporate-Banking-Monitors: FS Premium
Frankfurter EU-Einheit der Citigroup zementiert Status als Underperformer
Die Unicredit hat am Freitag in einer Pflichtmitteilung das vorläufige Ergebnis ihres Übernahmeangebots für die Commerzbank veröffentlicht. Demnach sind den Italienern bis zum Ende der regulären Annahmefrist am vergangenen Mittwoch rund 12,5% aller Coba-Aktien angedient worden. Eingedenk der Anteile, die sich auch bislang schon im Besitz der Unicredit befanden, ergibt sich somit eine Gesamtposition von 39,3% – beziehungsweise faktisch sogar von 40,9%, weil die Commerzbank zuletzt ja in größerem Stil eigene Aktien zurückgekauft hatte, die demnächst vernichtet werden (und noch nicht einmal eingerechnet sind die diversen Derivatepositionen). Zwar scheint mittlerweile festzustehen, dass die Unicredit die Annahmequote mithilfe unterstützender Investmentbanken aufgebläht hat, siehe unter anderem unseren Deep Dive –> Das Playbook der Unicredit – wir decodieren Orcels ausgefuchstes Derivate-Spiel. Das ändert allerdings nichts daran, dass die angedienten Aktien (auch wenn die Geschäftspartner diese selbst nur geliehen haben) der Unicredit gehören – an den 40,9% ist also erst einmal nichts zu rütteln. Seit dem Wochenende läuft nun die verlängerte Annahmefrist von weiteren zwei Wochen; diese endet am 3. Juli.
Und plötzlich liegt das Unicredit-Angebot über dem Coba-Kurs
Ähem, was hat Andrea Orcel denn da am hellichten Tage mitten in Frankfurt gemacht? Und wer war neben ihm der Mann, der phänotypisch aus der Ferne (liebe Leser-Reporter, benutzen Sie doch künftig bitte ein vernünftiges Teleobjektiv, wenn Sie den Unicredit-Chef vor dem „Frankfurter Hof – A Steigenberger Icon“ entdecken …) ein ganz klein wenig an Raimund Röseler erinnerte (auch wenn es sich DEFINITIV NICHT um Raimund Röseler gehandelt hat)? Fragen über Fragen!!! Unser „Aus der Szene“: FS Premium
Die Übernahmeschlacht zwischen der Unicredit und der Commerzbank erreicht die nächste Eskalationsstufe. In einer Montagfrüh verschickten Mitteilung drohte die italienische Großbank der deutschen Seite erstmals offen mit einer Kontrollübernahme auf der Hauptversammlung – und einer möglichen Absetzung des Vorstands. Auf Basis einer ausreichenden Unterstützung durch die Aktionäre sei man „in der Lage, sämtliche Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat zu wählen, der seinerseits für die Bestellung des Vorstands zuständig wäre“, schreibt die Unicredit wörtlich. Zu alldem muss man freilich wissen, dass die Unicredit seit ihrem Einstieg bei der Commerzbank schon zweimal die Möglichkeit hatte, als Großinvestor auf der Hauptversammlung in Erscheinung zu treten, diese Chance aber sowohl im vergangenen Jahr als auch bei der diesjährigen HV ungenutzt ließ (wohlweislich, wie man annehmen darf, siehe vor einigen Wochen unsere Analyse –> Niemand hat die Absicht, die Kontrolle zu erlangen – aber genau darauf läuft’s hinaus!). Zwar steht die Drohung von Montagfrüh im Widerspruch zu früheren Beteuerungen, keine feindliche Übernahme anzustreben. Zugleich passt sie allerdings zum Vorgehen der Unicredit der letzten Wochen, das darauf hinausläuft, der Commerzbank und ihren Stakeholdern klarzumachen, dass Widerstand gegen die angestrebte Übernahme auf Dauer angeblich zwecklos ist. Was ebenfalls in Einklang mit den jüngsten Ereignissen steht: Nachdem die Commerzbank zuletzt die Bafin aufgefordert hatte, das Vorgehen der Unicredit zu überprüfen, drehte die italienische Seite die Sache nun um (man habe gegenüber der Bafin angeregt, „die Umstände“ der jüngsten Commerzbank-Äußerungen, „deren Richtigkeit“ sowie „deren naheliegende Motivation, die Integrität des Übernahmeverfahrens zu beeinträchtigen und bei Stakeholdern für Verwirrung zu sorgen, zu prüfen und weiter zu untersuchen“). Coba-Chefin Bettina Orlopp wies die Vorwürfe bei einer Branchenkonferenz zurück („Wir haben nur die Fakten dargestellt“).
Unicredit meldet 11,4% angediente Coba-Aktien – und keilt weiter
Eigentlich sollte man meinen, wenn immer mehr Artikel von der künstlichen Intelligenz geschrieben werden, dann würden die Fehlerquoten sinken. Aber nein, es bleibt dabei – zumindest die seit jeher grob missverständliche Bankstellen-Statistik der Bundesbank wird auch in Zeiten des KI-Journalismus immer noch verlässlich falsch interpretiert. Und so konnte man letzte Woche also lesen, dass die Deutsche Bank ihren Filialabbau vorantreibe, sogar von einem „radikalen Kahlschlag“ war die Rede – auch wenn die echten Zahlen eine solche Deutung kaum hergeben. Also, hier nochmal kurz erklärt, was wirklich Sache ist: FS Premium
233.000 Euro pro Kopf – UBS Europe mit sportlichen Personalkosten unterwegs
Die Spindoktoren der Unicredit darf man sich als dienstbare Geister vorstellen. Und so beließ es die Mailänder Großbank am Dienstag nicht bei der schon jetzt berühmt-berüchtigten Pflichtveröffentlichung, wonach ihr im Zuge des Übernahmeangebots vom 5. Mai inzwischen 7,6% aller Commerzbank-Aktien angedient worden seien. Sondern: Darüber hinaus versandten die Italiener noch eine kurze Pressemitteilung, in der dankenswerterweise erläutert wurde, wie sich die eigene Commerzbank-Position denn jetzt insgesamt zusammensetzt. Und, tja, wer ein bisschen rechnen oder jedenfalls plusrechnen konnte, der stellte also fest, dass sich die einzelnen Positionen (26,6% bereits gehaltene Aktien plus 7,6% angediente Aktien plus 3,2% Derivate mit Lieferanspruch plus 13,2% Swaps ohne Lieferanspruch) irgendwie auf mehr als 50% addieren. Folge: Unter die überall kursierenden „Unicredit hält jetzt über 30%“-Meldungen (gemeint waren die 26,6% plus die 7,6%) mischten sich im Laufe des späten Dienstagnachmittags erste Deutungen, wonach die Unicredit jetzt sogar Zugriff auf die Mehrheit habe. Die ansonsten eher zurückhaltende Börsen-Zeitung ging sogar so weit, die Übernahmeschlacht für entschieden zu erklären („Schachtmatt mit Ansage – Die Commerzbank hatte keine Chance“). Bäm! Bäm! Bäm! Kein Wunder also, dass die anderen Spindoktoren, also die der Commerzbank, in der Folge zum Gegenschlag ansetzten. „Coba wittert Bluff“, titelten wir entsprechend schon Mittwochfrüh in unserem Newsletter, und am Mittwochabend, kurz nach 20 Uhr, ging die Commerzbank dann sogar ganz offiziell zur Attacke über. Die am Dienstag von der Unicredit gemachten Angaben seien „potenziell irreführend“ und hätten das mutmaßliche Ziel, die Unicredit-Position „in der Wahrnehmung des Markts künstlich aufzublähen“, teilten die Frankfurter in einem geharnischten Statement mit. Sogar eine Prüfung der Vorgänge durch die Bafin wurde angeregt – und weil auch bei der Commerzbank dienstbare Geister sitzen, bot sie sogar an, der Aufsicht ihre „eigene Analyse und Erkenntnisse zur Verfügung“ zu stellen. Um es also abzukürzen – ziemlich krass, was da dieser Tage passiert!! Aber was ist wirklich dran an den Vorwürfen der Commerzbank? Und kann sie diese auch irgendwie belegen? Unsere Analyse: FS Premium
Unicredit verdient im Q1 satte 3,2 Mrd. Euro netto – und auch die HVB überzeugt
Der Übernahmepoker um die Commerzbank spitzt sich unerwartet schnell zu. Laut einer am 2. Juni veröffentlichten Pflichtmitteilung sind der Unicredit im Zuge ihres freiwilligen Übernahmeangebots inzwischen satte 7,6% aller Coba-Aktien angedient worden. Eingedenk der zuvor gehaltenen 26,8% kommen die Italiener damit nach eigener Darstellung auf einen Anteil von 34,4% – und liegen folglich jetzt auch offiziell über der wichtigen 30%-Marke (wobei die Schwelle de facto ja auch vorher schon überwunden war). Das ist freilich noch nicht alles. Auch schon vor dem gestrigen Dienstag hatte die Unicredit über Derivate mit Lieferanspruch zusätzliche 3,2% kontrolliert. Hinzu kommen weitere Instrumente (sogenannte Cash Settled Swaps, mit denen kein Lieferanspruch verknüpft ist) im Umfang von bislang knapp 11% – und laut der gestrigen Mitteilung jetzt sogar 13,2%. Das ist insofern spektakulär, als die Unicredit – würde man alle diese Positionen zusammenrechnen (also die 26,8% plus die 7,6% plus die 3,2% plus die 13,2%) – jetzt tatsächlich die 50% geknackt hätte. Indes: Noch am Dienstagabend setzte hinter den Kulissen ein heftiger Deutungsstreit um die Belastbarkeit der einzelnen Teilpositionen ein, Vorwürfe kursieren. Ist die Unicredit fast am Ziel? Oder ist das alles nur ein Bluff? Die Eskalation im Detail: FS Premium
Sämtliche Großbanken-News aus Mai 2026
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