Wussten Sie schon?

Der ING Diba winkt durch den Strafzins ein veritabler Gewinnschub

6. Juli 2021

Von Christian Kirchner

Wussten Sie schon, dass die ING Diba ihren Vorsteuergewinn (der zuletzt bei 1,042 Mrd. Euro) durch das dieser Tage verkündete Verwahrentgelt grob kalkuliert um bis zu 10% (!!!) steigern könnte? Und das, obwohl das Verwahrentgelt dem Institut zufolge nur 8% der Kunden überhaupt erfasst?

Hier kommt die Rechnung:

  • Die 8% entsprechen rund 750.000 Kunden
  • Da das Verwahrentgelt ab einer Einlagenhöhe von 50.000 Euro erhoben wird, haben diese Kunden also zwingend jeweils mindestens 50.000 Euro auf einem Konto der ING Diba (offizieller Name bekanntlich: ING Deutschland) liegen
  • 750.000 x 50.000 Euro = 37,5 Mrd. Euro. Für diesen Betrag (der übrigens 28% des gesamten Einlagevolumens von zuletzt 136 Mrd. Mrd. Euro in Deutschland entspricht) stehen diese Kunden also schon mal mindestens
  • Nun dürfte die meisten dieser Kunden allerdings mehr als nur (und exakt) 50.000 auf dem Diba-Konto liegen haben
  • Unsere Schätzung (die auf diversen Parametern beruht und von Kennern der Bank als nicht völlig unplausibel erachtet wird) lautet: Die 750.000 Kunden stehen statt für 37,5 Mrd. Euro eher für grob veranschlagte 50-55 Mrd. Euro
  • Wenn man hiervon nun besagte 37,5 Mrd. Euro abzieht (denn für die ersten 50.000 Euro je Konto greift ja der Freibetrag), dann bleiben 12,5 Mrd. bis 17,5 Mrd. Euro übrig, die vom neuen Verwahrentgelt betroffen sind …
  • …, wobei: Fassen wir die Spanne sicherheitshalber ein bisschen weiter, gehen wir also nicht von 12,5 Mrd. bis 17,5 Mrd. Euro aus, sondern lieber von 10 Mrd. Euro bis 20 Mrd. Euro (kleiner Plausibilitätscheck: die Commerzbank hat bei bislang erheblich laxeren Verwahrentgelt-Regelungen rund 10 ihrer 150 Mrd. Euro Privatkunden-Einlagen bereits bepreist, die Deutsche Bank 12 von 301).
  • Macht also bei der ING bei 0,5% Strafzins irgendwas zwischen 50 Mio. und 100 Mio. Euro an Zinserträgen bzw. gesparten Zinsaufwand

Klar, das ist eine Rechnung mit vielen Annahmen und etlichen Unbekannten – und allen voran der Frage, ob die Kunden Gelder abziehen. Aber ist sie so unplausibel?


P.S.: Wenn die ING Deutschland von 8% bzw. 750.000 Kunden spricht, dann werden einige dieser Kunden nicht nur ein Konto bei der Diba, sondern vielleicht ja auch zwei (ein Girokonto und eines fürs Tagesgeld). Da die 50.000 aber nicht pro Kunde, sondern pro Konto gelten könnte der Basiswert, von dem wir hier die ganze Zeit ausgegangen sind, also sogar größer als 750.000 sein …

ING Diba setzt nach BGH-Urteil sämtliche Preiserhöhungen aus

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