Analyse

Der ultimative Vergleich zwischen Sparkassen und Volksbanken

17. März 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Niemand wird behaupten, dass wir den Geschäftszahlen aus den beiden Verbünden in den letzten Wochen zu wenig Detailliebe geschenkt hätten. So haben wir den Ertrags-GAU bei der Haspa ebenso gewürdigt wie die üppige Risikovorsorge der Sparkasse Bremen, den Wertpapierabsatz bei den Mitgliedsbanken des Genoverbands ebenso wie das relative Betriebsergebnis vor Bewertung bei den VR-Banken in der Weser-Ems-Region, das Selbstlob der bayerischen Genobanker ebenso wie die ausufernde Bilanzsumme der Kreissparkasse Köln.

Indes: Kann es sein, dass wir vor lauter Details so ein bisschen das Big picture vernachlässigt haben??? Wer hat denn nun besser gewirtschaftet im abgelaufenen Geschäftsjahr, die Sparkassen oder die Volksbanken? Wer hat entschiedener konsolidiert, reduziert, diversifiziert, digitalisiert? Wer hat sich wo verbessert. Und wer wo verschlechtert?

Ein Vergleich in sieben Kategorien auf Basis von insgesamt 17 verschiedenen Kennziffern:

1.) Erträge und Ergebnis

Sparkassen
in Mrd. Euro in% der DBS Veränderung
Zinsüberschuss 19,6 1,45 -3,3
Provisionsüberschuss 8,5 0,63 2,4
Betriebsergebnis vor Bewertung 9,4 0,70 -2,2
Vorsteuerergebnis 6,8 0,48 -22,7

… versus …

Genobanken
in Mrd. Euro in% der DBS Veränderung
Zinsüberschuss 15,9 1,55 -1,9
Provisionsüberschuss 5,7 0,55 3,8
Betriebsergebnis vor Bewertung 7,3 0,71 0,4
Vorsteuerergebnis 6,6 0,61 k.A.

Man sieht: Die Sparkassen drehen zwar das größere Rad, die Volksbanken allerdings haben beim Zinsüberschuss weniger verloren, beim Provisionsüberschuss stärker zugelegt – und vor allem kommt bei ihnen letztlich beim Vorsteuerergebnis fast dasselbe (absolut betrachtet) bzw. deutlich mehr (relativ betrachtet) herum. Wobei es an der Stelle jetzt tricky wird. Das Vorsteuerergebnis haben wir nämlich selber versucht zu errechnen und uns dabei ganz grob an die Bundesbank-Definition angelehnt. Die 6,8 Mrd. Euro bzw. 6,6 Mrd. Euro setzen sich zusammen aus: Nachsteuerergebnis + Steuer + Vorsorgepositionen gemäß § 340 (und zwar e, f und g).

Nun werden Sie weiter unten, liebe Leserinnen und Leser, sehen, dass die Genobanken kaum Risikovorsorge gebildet haben (und stattdessen offenbar mehr „in 340“ gesteckt haben). Vielleicht sollte man also beim Vergleich der Ertragskraft stärker aufs Betriebsergebnis vor Bewertung achten – denn da sind die Kreditvorsorge und das sonstige Bewertungsergebnis noch nicht berücksichtig. Bei dieser Kennziffer liegen die Sparkassen absolut deutlich vor den Genos, und relativ liegt man quasi gleichauf.


2.) Kosten

Die Kosten gehören zwar streng genommen in die Ertragsschau weiter oben, wir haben sie aber um der Betonung willen einfach mal ausgeklammert. Voilà:

Sparkassen
in Mrd. Euro in% der DBS Veränderung
Verwaltungsaufwand 19,0 1,40 -1,3

…. versus …

Genobanken
in Mrd. Euro in% der DBS Veränderung
Verwaltungsaufwand 14,8 1,44 -0,3

Man sieht: Viel nehmen sich die beiden Verbünde auch hier nicht, allerdings haben die Sparkassen die Aufwendungen (warum auch immer) deutlicher runtergefahren als die Genos. Die Cost-Income-Ratio beträgt nach eigenen Angaben bei Rot übrigens 66,8%, bei Blau 68,6%. Und zwar jeweils vor Bewertung (wobei wir trotzdem nicht sicher sind, ob die CIR wirklich identisch ermittelt wird).


3.) Risikovorsorge

Auch die Risikovorsorge schlägt sich, wie erwähnt, bereits im Vorsteuerergebnis weiter oben nieder. Dennoch widmen wir auch dieser Kennziffer eine eigene Kategorie – allein schon, weil die Weigerung der Volks- und Raiffeisenbanken, in nennenswertem Ausmaß Risikovorsorge zu bilden, in der Tat erstaunlich ist  (und zwar unabhängig von den Gründen hierfür).

Sparkassen
in Mrd. Euro in BP des Kreditbuchs
Risikovorsorge 1,3 14

… versus …

Genobanken
in Mrd. Euro in BP des Kreditbuchs
Risikovorsorge 0,4 6

Man sieht: Krasser Unterschied!


4. Kreditgeschäft

Sparkassen
Bestand in Mrd. € Veränderung in %
Kundenkredite 906 5,2
davon Unternehmen 470 5,8
davon Privat 383 5,3

… versus …

Genobanken
Bestand in Mrd. € Veränderung in %
Kundenkredite 665 6,0
davon Unternehmen 343 7,0
davon Privat 321 5,4

Man sieht: Beide Verbünde haben offenbar auch 2020 wieder rausgehauen, was geht (wobei wir es leider nicht geschafft haben, mal aufzuschlüsseln, wie viel Volumen im Privatkundengeschäft auf die Baufi und wie viel auf Konsumenten entfällt).

Interessant ist übrigens die enorme Differenz bei den KfW-Corona-Hilfskrediten: Hier waren die Sparkassen mit 22,1 Mrd. Euro seeeeehr viel aktiver als die Genobanken mit 8,7 Mrd. Euro.

5. Konsolidierung

Sparkassen
Zahl Veränderung in %
Mitgliedsinstitute 376 -3 -0,8

…versus …

Genobanken
Zahl Veränderung in %
Mitgliedsinstitute 814 -27 -3,2

… und …

Sparkassen
Zahl Veränderung in %
Filialen (ohne SB) 8174 -688 -7,8

…versus …

Genobanken
Zahl Veränderung in %
Filialen (ohne SB) 8566 -778 -8,3

Man sieht: Naja, sehen Sie ja selbst …


6.) Diversität

Sparkassen Genobanken
Frauen-Quote bezogen auf die Vorstandsebene rd. 6% 4,1 %

Man sieht: Da ist noch ein ganz klein wenig Luft nach oben.

7.) Rund um Produkt und Kunde

Sparkassen Genobanken
Private Girokonten in Mio. (per Ende 2019) 34,9 26,3
davon online 21,4 16,0

… und …

Sparkassen Genobanken
Girocard (Bezahlvorgänge in Mrd.) 2,6 1,3

Man sieht: Hier sind die Sparkassen doch deutlich voraus. Wobei sich natürlich fragt, ob  und wie viel mehr Geld sie mit ihrem Mehr an Konten verdienent.


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