Kreissparkasse Köln soll „schlechteste deutsche Sparkasse“ retten

15. Dezember 2021

Von Heinz-Roger Dohms und Thomas Borgwerth

Was wir neulich in unseren Snippets schon angedeutet hatten, ist nun offiziell: Die Kreissparkasse Köln soll die Sparkasse Radevormwald-Hückeswagen übernehmen – also jenes Kommunalinstitut, das laut unserer großen Sektor-Studie die schlechtesten Kennzahlen sämtlicher deutscher Sparkassen aufweist. Die Gespräche über ein mögliches Zusammengehen begännen Anfang kommenden Jahres, heißt es in einer gestern versandten Pressemitteilung. „Über die Ergebnisse der Sondierungsgespräche werden die beiden Sparkassen zeitnah informieren.“

Finanz-Szene.de hatte die enormen Probleme der im Bergischen Land beheimateten Sparkasse Radevormwald-Hückeswagen in diesem Sommer erstmals öffentlich gemacht (-> Deutschlands schlechteste Sparkasse flieht in Fusion). Damals hatte es geheißen, die – übrigens hervorragend aufgestellte – Nachbarsparkasse aus Wermelskirchen würde mit dem Kriseninstitut zusammengehen. Bald darauf nahmen die Wermelskirchener von der Transaktion allerdings Abstand. Ein möglicher Grund könnte gewesen sein, dass den dortigen Entscheidungsträgern ursprünglich gar nicht bewusst war, wie schlecht es um die Sparkasse Radevormwald-Hückeswagen in Wirklichkeit bestellt ist. Mitte November berichteten wir dann exklusiv über eine mögliche Rettungsaktion durch die Kreissparkasse Köln. Die hatte sich dazu seinerzeit nicht äußern wollen.

Laut unserer Sparkassen-Studie wies die Sparkasse Radevormwald-Hückeswagen in vier der fünf Geschäftsjahre zwischen 2015 und 2019 eine Cost-Income-Ratio von mehr als 100% aus; im Schnitt lag die Aufwand-Ertrag-Relation in dieser Zeit bei 103,8%. Dass das Institut jemals wieder aus eigener Kraft gesundet, schien auf Basis unserer Analysen schwer vorstellbar – auch weil die Kostenstruktur kaum tragbar ist. So muss das Institut zum Beispiel allein 2,3% seiner Bilanzsumme für die Versorgung seiner Ex-Vorstände aufbringen.

Gleichwohl: Der Studie zufolge ist es auch um die Kreissparkasse Köln nicht wirklich gut bestellt. Die bringt mit einer Bilanzsumme von rund 29 Mrd. Euro zwar eigentlich beste Voraussetzungen mit, um kraftvoll wirtschaften zu können – gehört jedoch als eine der wenigen größeren Sparkassen zum Dezil (also zu den 10%) der gemäß durchschnittlicher Cost-Income-Ratio schlechtesten Sparkassen hierzulande.


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