Exklusiv

Rolf Elgetis Investment-Vehikel Obotritia setzt Zinszahlung aus

19. April 2022

Von Christian Kirchner

Wenn es bei Finanz-Szene um den unternehmerischen Tausendsassa Rolf Elgeti geht, dann entweder in Zusammenhang mit Creditshelf – schließlich ist Elgeti direkt oder indirekt Hauptaktionär, Aufsichtsratschef und wesentlicher Geschäftspartner des Frankfurter Fintechs (siehe hier). Oder im Zusammenhang mit Elgetis Bankhaus Obotritia, das zuletzt den Groll der Bafin auf sich zog (siehe hier). Dagegen ging es immer nur am Rande: um die Obotritia Capital KGaA, deren persönlich haftender Gesellschafter Elgeti ist. Die 2009 gegründete Gesellschaft ist die Mutter des Bankhauses Obotritia. Und Elgeti hält einen Teil seiner Creditshelf-Aktien über die Obotritia Capital (die anderen hält er über ein weiteres verbundenes Unternehmens namens Hevella Capital).

Jedenfalls: Dass die Obotritia Capital – Bilanzsumme per Ende 2020: ziemlich exakt 765 Mio. Euro – nun verstärkt auf unserem Radar auftaucht, hängt mit einer unscheinbar daherkommenden Veröffentlichung im Bundesanzeiger mit Datum 14. Februar zusammen. Darin erklärt Elgeti als Gesellschafter der Obotritia Capital, unter Bezugnahme auf die Anleihebedingungen sei entschieden worden, die eigentlich am 26. Februar fällige Zinszahlung von 8,5% auf die Anleihe mit der ISIN DE000A1616U7 “auszusetzen”.

Nun könnte man dies als vielleicht nicht ganz alltäglichen, aber eben auch nicht völlig ungewöhnlichen Vorgang abtun. Denn die Anleihebedingungen des an allen gängigen deutschen Börsen gehandelten Nachrangpapiers sehen die Aussetzung der Zinszahlung als Möglichkeit explizit vor – sie ist gewissermaßen freiwillig und kann, nicht untypisch für “hybride” Bonds ohne feste Laufzeit, auch aufgeschoben werden. “Zinsen werden für jede Zinsperiode an dem unmittelbar auf diese Zinsperiode folgenden Zinszahlungstag fällig, sofern sich die Emittentin nicht durch eine Mitteilung (…) innerhalb einer Frist von nicht weniger als 10 und nicht mehr als 15 Tagen vor dem betreffenden Zinszahlungstag dazu entscheidet, die betreffende Zinszahlung auszusetzen”, heißt es darin.

Eigentlich soll die Zahlung bis Ende März nachgeholt werden. Eigentlich.

Gleichwohl: Es gehört zu den ungeschriebenen Regeln des Kapitalmarkts, dass Emittenten ihre Zinsen zahlen – selbst wenn sie formal berechtigt sind, die Zahlungen auszusetzen und dann nachzuholen. Zumal es sich bei der Anleihe mit der ISIN DE000A1616U7 nicht um irgendein Papier handelt. Die sogenannte hybride (und nachrangige) Anleihe der Obotritia Capital KGaA hat ausweislich der entsprechenden Anleihedatenbanken ein Volumen von fast einer Viertelmilliarde Euro, genauer: von 226,7 Mio. Euro, weil sie seit Erstemission vor sechs Jahren mehrfach aufgestockt wurde. Das entspricht einem Drittel der Bilanzsumme der Obotritia Capital – und mehr als der Hälfte der gesamten Anleiheverbindlichkeiten laut dem 2020er-Jahresabschluss. Der Kurs der Anleihe jedenfalls fiel in sehr dürrem Handel von knapp 100% vor der Ankündigung auf zuletzt noch 89% des Nennwerts.

Tatsächlich kündigte Elgeti in der besagten Bundesanzeiger-Veröffentlichung von Mitte Februar an, die Zahlung bis Ende März nachzuholen. Wörtlich hieß es damals: “Die Emittentin beabsichtigt, die Aufgeschobene Zinszahlung (wie in den Anleihebedingungen definiert) noch im Laufe des 1. Quartals 2022 nachzuzahlen”. Und: Der “freiwillige Nachzahlungstermin” werde “gesondert veröffentlicht”.

Nun allerdings ist das erste Quartal schon fast drei Wochen um. Und die Kuponzahlung immer noch nicht geflossen, auch keine Nachzahlung im Bundesanzeiger angekündigt worden. Und das bleibt auch (erst einmal) so, wie uns Rolf Elgeti kürzlich mitteilte, nachdem mehrere E-Mail-Nachfragen von Finanz-Szene zunächst unbeantwortet geblieben waren: “Es handelt sich bei der Anleihe um eine nachrangige Hybridanleihe. Der Kupon beträgt 8,5% und die Zahlung ist gemäß Anleihebedingungen freiwillig. Im aktuell sehr spannenden Marktumfeld haben wir von dieser Option Gebrauch gemacht, um maximal flexibel sein zu können. Über den genauen Zeitpunkt der Zahlung werden wir über den Bundesanzeiger informieren, wenn wir uns dazu entschieden haben.”


Transparenzhinweis: Finanz-Szene hat zu Recherche-Zwecken die kleinstmögliche Einheit der besagten Anleihe im Nennwert von 1.000 Euro erworben, um den Eingang möglicher Zinszahlungen nachvollziehen zu können

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