Viele Derivate, wenig Zinsen: Das Problem der SK KölnBonn

3. März 2022

Von Heinz-Roger Dohms

Nach der Kreissparkasse Köln (siehe hier) hat auch die benachbarte Sparkasse KölnBonn arg durchwachsene Zahlen für 2021 vorgelegt.  Das sogenannte Jahresergebnis (das sich aus dem Vorsteuergewinn plus Reservebildung zusammensetzt) sank um 24% auf nur mehr 83,2 Mio. Euro – gemessen an der Bilanzsumme von 28 Mrd. Euro (die KölnBonner sind die drittgrößte deutsche Sparkasse hinter der Haspa und der KSK Köln) ein kaum auskömmlicher Wert. Der Vorstand zeigte sich dennoch zufrieden: Man habe sich “in einem weiterhin schwierigen Umfeld gut behauptet”, heißt es in einer am Nachmittag verschickten Pressemitteilung.

So weit sich die zur Verfügung gestellten Zahlen ad-hoc beurteilen lassen, leiden die beiden Kölner Sparkassen unter mehr oder weniger identischen strukturellen Problemen. Beide verlieren weiterhin massiv an Zinsüberschuss (bei den KölnerBonnern waren es diesmal 6%) – was, wie man fairerweise sagen muss, vor allem damit zu tun hat, dass beide umfangreiche Zinssicherungs-Geschäfte betreiben und dadurch einen höheren Zinsaufwand stemmen müssen als die allermeisten anderen Sparkassen und Volksbanken (siehe hierzu auch die Erkenntnisse unserer großen Sparkassen-Studie). Die Folge: Auch bei der Sparkasse KölnBonn deckt das Zinsergebnis (341 Mio. Euro) selbst vor den Risikokosten nicht einmal mehr annähernd den allgemeinen Verwaltungsaufwand (418 Mio. Euro). Viele gut dastehende Primärbanken kommen, wenn man die beiden Kennziffern ins Verhältnis setzt, immer noch auf einen Wert von >1 (siehe nochmal unser Stück von neulich).

Was die Sparkasse KölnBonn mit einem Londoner Clearinghaus zu tun hat

Was man der Sparkasse KölnBonn zugutehalten muss: Sie scheint sich um operative Fortschritte wenigstens zu bemühen. So stieg das Provisionsergebnis um immerhin 5% auf sehr ordentliche 187 Mio. Euro an, während der Personalaufwand um 3% auf 249 Mio. Euro sank und die Sachkosten mit 169 Mio. Euro stabil blieben; schon in den letzten Jahren hatten es die KölnBonner geschafft, ihre Verwaltungskosten auf üppigem Niveau zumindest mal einzufrieren.

Dass das Jahresergebnis trotzdem deutlich sank, hatte unter anderem mit Einmaleffekten zu tun. Wie ein Instituts-Sprecher gestern Abend auf explizite Nachfrage von Finanz-Szene.de mitteilte, hatten die Sparkasse KölnBonn im Geschäftsjahr 2020 Einmalerträge aus der Schließung von Derivate-Geschäften in Höhe von rund 25 Mio. Euro erwirtschaftet. 2021 ist es dann zu einem sozusagen gegenteiligen Effekt gekommen. In der Stellungnahme des Sprechers heißt es: “Im Hinblick auf den Brexit und die befristete Anerkennung des Londoner Clearinghauses LCH haben wir weitere Derivate geschlossen und in diesem Kontext per Saldo Aufwendungen in Höhe von rund 29 Mio. Euro getragen.”

Im roten Bereich – Die Sparkassen-Studie von Finanz-Szene.de