Rückblick

Was während unserer Pause in der hiesigen Bankenbranche los war

Deutsche Bank kassiert nun auch das relative Kostenziel

Die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal einen Vorsteuergewinn von 1,547 Mrd. Euro erwirtschaftet – leicht über den Analystenschätzungen in Höhe von 1,330 Mrd. Euro). Dabei machte sich vor allem die Zinswende bemerkbar: Der Zinsüberschuss stieg um 27% (!) gegenüber dem Vorjahresquartal und um 21% zum Vorquartal. Der Ausblick aufs Gesamtjahr fiel gleichwohl trist aus. Nachdem die Bank bereits vergangenen Sommer von ihrem absoluten Kostenziel abgerückt war (siehe u.a. unsere Analyse -> Wie die deutsche Bank sukzessive ihre Kostenziele verwässert), hält sie nun auch das relative Kostenziel von 70% Cost-Income-Ratio für mich mehr erreichbar. Stattdessen werde sie eher im niedrigen bis mittleren 70er-Bereich liegen.

Im Zuge dessen stellte der Vorstand auch die angepeilte Eigenkapitalrendite von 8% infrage. Das makroökonomische Umfeld habe sich zuletzt verschlechtert, man stehe vor einem “herausfordernderen” zweiten Halbjahr. Die Deutsche-Bank-Aktie, deren Crash wir Anfang Juli analysiert hatten (siehe -> Investoren schreiben die Deutsche Bank ab – aber warum?) gewann auf Monatssicht lediglich 10% hinzu und hat seit Jahresbeginn ein Fünftel an Wert verloren.


Commerzbank legt starke Q2-Zahlen vor

Die Commerzbank hat die Serie starker Quartalszahlen (siehe auch hier und hier) fortgesetzt und im zweiten Quartal einen Nettogewinn von 470 Mio. Euro erwirtschaftet – exakt 100 Mio. Euro mehr, als Analysten erwartet hatten. Dabei überraschte das Institut sowohl bei den Kosten (welche mit 1,453 Mrd. Euro um 2% unter den Schätzungen lagen) als auch bei den Erträgen, die mit 2,422 Mrd. Euro den Analystenkostens um 6% übertrafen. Genau wie (siehe oben) die Deutsche Bank profitierte auch die Commerzbank von einem starken Anstieg des Zinsüberschusses. Dieser kletterte um 26%, wozu aufgrund der in Polen schon weit fortgeschrittnen Zinswende vor allem die Warschauer Tochter mBank (Zinsüberschuss plus 126% zum Vorjahresquartal, operatives Ergebnis plus 158% auf 103 Mio. Euro) beitrug.

Allerdings kostete die mBank die Coba im Q2 zugleich 123 Mio. Euro an zusätzlichen Pflichtbeiträgen und Risikokosten und dürfte das Ergebnis im dritten Quartal sogar mit 210 Mio. bis 290 Mio. Euro belasten, weil Kreditnehmern in Polen regulatorisch eine Zinspause eingeräumt werden muss. Die Folge: Das ursprüngliche Kostenziel der Gesamtbank von 6,3 Mrd. Euro für dieses Jahr sei nun nicht mehr erreichbar, stattdessen rechnet die Coba nun mit 6,4 Mrd. Euro. Am Ziel eines Konzernsgewinns von >1 Mrd. Euro halten die Frankfurter dagegen fest. Und die Coba-Aktie? Legte 22% auf Monatssicht zu und 8% seit Jahresbeginn.


Was sonst noch während unserer Pause passiert ist:

  • In Bayern – wo die Spannungen zwischen kleinen und großen Genobanken zuletzt ja in einem Verbands-Eklat mündeten (siehe -> Groß gegen Gros: Machtkampf bei bayerischen Volksbanken) – entsteht das drittgrößte genossenschaftliche Kreditinstitut der Republik: Die zuletzt bereits aus diversen Fusionen erwachsene “Meine Volksbank Raiffeisenbank” mit Sitz in Rosenheim (Bilanzsumme: 10,8 Mrd. Euro) schließt sich mit der kleineren  Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte aus Ingolstadt (5,1 Mrd. Euro) zusammen. Im BVR-Ranking sortiert sich das neue Institut damit hinter Apobank und der Berliner Volksbank, aber noch vor der BB Bank ein.
  • Die ING hat in ihrem Deutschlandgeschäft im Q2 einen Gewinn von 184 Mio. Euro erzielt – ein Mini-Plus von 1 Mio. Euro zum Vorjahresquartal. Allerdings enthalten die Vorjahreszahlen noch das inzwischen eingestellte Österreich-Geschäft, was Vergleiche erschwert. Wieder gefangen hat sich die Firmenkundensparte, die das Deutschland-Geschäft noch im Vorquartal mit knapp 400 Mio. Euro zusätzlicher Risikovorsorge in die roten Zahlen gerissen hatte (siehe hier). Hier erwirtschaftete die ING Diba nunmehr wieder 78 Mio. Euro Vorsteuergewinn. Bei der Cost-Income-Ratio landete das Institut in Deutschland bei 52,9%, bei der rechnerischen Eigenkapitalrendite bei 12,5%.
  • Die Hypo-Vereinsbank hat – wie aus den Zahlen des Mutterkonzerns Unicredit für das Deutschland-Geschäft hervorgeht – im zweiten Quartal einen operativen Gewinn von 590 Mio. Euro erzielt. Das  entspricht einem Plus von 60% zum Vorjahresquartal. Die Cost-Income-Ratio betrug 53%, die rechnerische Eigenkapitalrendite 15,3%, Risikovorsorge wurde gar keine gebildet, sondern sogar 35 Mio. Euro aufgelöst. Alles in allem knüpfte die HVB damit nahtlos an das bereits sehr starke Q1 (siehe hier) an.
  • Die Helaba hat ihren Gewinn vor Steuern im ersten Halbjahr um 12% auf 327 Mio. Euro gesteigert; auch nach Steuern betrug das Plus 11% auf 223 Mio. Euro. An der Prognose für das Gesamtjahr – ein Konzernergebnis vor Steuern über 500 Mio. Euro – hielt die Helaba fest, knüpfte dies allerdings an die Bedingung, dass es nicht zu einem Wirtschaftseinbruch aufgrund weiterer massiver Verwerfungen komme.
  • Der genossenschaftliche Fondsdienstleister Union Investment berichtet über einen deutlichen Rückgang der Nettozuflüsse im ersten Halbjahr: Nach 24,4 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum waren es im ersten Halbjahr nur noch 9,6 Mrd. Euro. Als vergleichweise stabil erwies sich dabei der Zufluss im Privatkundengeschäft (H1: 8,1 Mrd. Euro nach rekordhohen 9,7 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum), hingegen sank der Nettozufluss im institutionellen Geschäft sehr deutlich von 14,7 auf 1,5 Mrd. Euro, wofür die Union Investment “erhöhte Verunsicherung und Zurückhaltung” bei Risiko-Assets verantwortlich machte. Das insgesamt verwaltete Vermögen sank aufgrund der Kursverlusten von 427 Mrd. Euro zum Ende des H1 2021 auf nunmehr 416 Mrd. Euro.
  • Laut einem Bericht der “Wirtschaftswoche”  steht die ins Schlingern geratene Frankfurter Degussa Bank (siehe auch unser Unternehmens-Dossier hier) vor einer Übernahme durch die Oldenburgische Landesbank. Bereits in den nächsten Wochen könne der Deal finalisiert werden.
  • Im Zuge der Abschaffung des negativen Einlagenzinses bei der EZB haben diverse Banken zuletzt ihre Tages- bzw. Festgeldzinsen angehoben – darunter beispielsweise die Hypo-Vereinsbank. Die ING Deutschland (siehe bereits im Mai unsere Analyse -> Warum die Zins-Entscheidung der ING Diba die Branche aufwühlt) bietet seit dem 1. August sogar wieder einen Sparbrief an. Die Verzinsung reicht von 0,5% für ein Jahr Laufzeit bis zu 1,5% bei fünf Jahren Laufzeit.
  • Der Einlagenzufluss bei den Sparkassen ist im ersten Halbjahr regelrecht versiegt. Kamen die kommunalen Institute von Januar bis Juni 2021 noch auf ein Depositenwachstum von 25 Mrd. Euro (und ein Jahr davor sogar fast 30 Mrd. Euro), waren es diesmal nur 0,6 Mrd. Euro …
  • … Unterdessen warnen die süddeutschen Sparkassen-Verbände vor hohen Belastungen in den Anleihe-Portfolien ihrer Mitgliedsinstitute (siehe zum Hintergrund den dritten Punkt unserer großen Zins-Analyse Mitte Juli und auch unser Exklusiv-Stück -> Zinswende führt zu Eigenkapital-Schwund bei der IKB). So rechnen die Sparkassen in Baden-Württemberg mit Abschreibungen von mehreren hundert Mio. Euro, der bayerische Verband verschlechterte sich das Bewertungsergebnis bereits von Januar bis Juni um rund 600 Mio. Euro.
  • Die DWS hat im Q2 ihren Vorsteuergewinn im Vergleich zum Vorjahresquartal knapp verteidigt (273 Mio. Euro  vs. 279 Mio. Euro) und auch die Cost-Income-Ratio (59,3%) unter 60% gehalten. Allerdings verzeichnete die Fondstochter der Deutsche Bank sehr deutliche Mittelabflüsse (25 Mrd. Euro), die vor allem bei niedrigmargigen Cash-Produkten anfielen.
  • Die Bafin wirft der DZ Bank Mängel im KYC-Prozess (“Know your customer”) vor – und hat in diesem Zusammenhang eine „Anordnung zur Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung“ gegen das genossenschaftliche Zentralinstitut verhängt (siehe hier) …
  • … Auch darüber hinaus zeigte sich die Bafin während unserer Sommerpause weiterhin angriffslustig (zu den Hintergründen siehe zuletzt unsere große Tabelle -> Sämtliche 73 Bafin-Maßnahmen gegen deutsche Banken seit 2017). So attestierte die Bonner Finanzaufsicht der Raiffeisenbank Raisting am Ammersee Schwächen in der Risikofrüherkennung – während der L-Bank (also dem baden-württembergischen Förderinstitut) laut einem “Handelsblatt”-Bericht (Paywall) eine Sonderprüfung aufgrund von Mängeln in der IT- und speziell bei der IT-Compliance droht.
  • Laut einem Bericht der “FT” (Paywall) haben sich Investmentbanker der Deutschen Bank bei der Verwicklung in Cum-Ex-Geschäfte über interne Warnungen von Steuerexperten hinweggesetzt und umgangen. Das geht aus einer internen Untersuchung hervor, die allerdings bereits auf das Jahr 2015 zurück gehe.
  • Das Abflauen des Wertpapier-Booms zeigt sich in den Zahlen der entsprechenden Abwicklungsinstitute. So fuhr die Baader Bank im ersten Halbjahr nur noch einen operativen Gewinn von 15 Mio. Euro ein (nach 59 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum, die dwp Bank (also der gemeinsame Abwickler von Sparkassen und Genobanken) verzeichnete im Q2 nur noch 12,6 Mio. Transaktionen – ein Rückgang um gut ein Fünftel.
  • Die Helaba, die SaarLB sowie eine Reihe regionaler Sparkassen (genauer: die Sparkasse Kaiserslautern sowie sämtliche saarländischen Kommunalinstitute) legen ihr Auslandsgeschäft zusammen. Die entsprechende neue Gesellschaft trägt den Namen “S-International Saar Pfalz GmbH & Co. KG”.
  • Und nochmal Helaba: Die hessisch-thüringische Landesbank hat den Cum-Ex-Rechtsstreit mit der Société Générale endgültig geschlagen – und muss für den Steuer- und Zinsschaden in Höhe von knapp 23 Mio. Euro und allein aufkommen. Handelsblatt (Paywall)
  • Wegen eines Verstoßes gegen die Datenschutz-Grundverordnung muss die Hannoversche Volksbank ein Bußgeld in Höhe von 900.000 Euro zahlen. Das genossenschaftliche Institut hatte Daten von Kunden ohne deren Einwilligung für Werbezwecke analysiert.

 


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Finanz-Szene geht ab Oktober hinter die Paywall ...

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