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Bancassurance: Sparkassen steigen bei Moneymeets ein

23. Mai 2022

Von Heinz-Roger Dohms

Im Sparkassen-Sektor formiert sich ein Konkurrenzbündnis zur gruppenweiten Bancassurance-Lösung “S-Versicherungsmanager”. Wie seinerzeit berichtet, hatten die beiden größten öffentlich-rechtlichen Versicherer, nämlich die Versicherungskammer Bayern und die Provinzial, vergangenes Jahr beschlossen, in der digitalen Bancassurance gemeinsame Sache zu machen. Recherchen von Finanz-Szene zeigen nun aber, dass dieser Schulterschluss (dem ein langes Hin und Her vorausgegangen war) nicht ausgereicht hat, um den gesamten Sektor hinter sich zu bringen. Stattdessen investieren namentlich die Sparkasse Koblenz, die Sparkasse Duisburg und die Stadtsparkasse Wuppertal nun in eine Konkurrenz-Lösung.

Konkret: Die Alternativ-Lösung stammt von dem 2012 gegründeten Kölner Bancassurance-Fintech Moneymeets. Wie mehrere Registereinträge zeigen, hat sich an diesem kürzlich mit knapp 40% eine in Koblenz ansässige Gesellschaft namens FinInvest GmbH beteiligt – hinter der wiederum zu gleichen Teilen die genannten Sparkassen aus Wuppertal, Duisburg und eben Koblenz stehen.

Moneymeets-Gründer Johannes Cremer bestätigte auf Anfrage den Einstieg der drei Kommunalinstitute, wollte sich zu den finanziellen Details des Deals allerdings nicht äußern. In Branchenkreisen wird das Gesamt-Engagement auf einen gehobenen einstelligen Millionenbereich geschätzt – wobei sich anhand der Registereinträge nachvollziehen lässt, dass nicht nur Geld ins Unternehmen geflossen ist, sondern auch Altgesellschafter Anteile verkauft haben.

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Von der Sparkasse Duisburg und der Sparkasse Wuppertal wusste man (siehe z.B. unsere Snippets hier) schon länger, dass sie die Moneymeets-Lösung nutzen, um ihren Kunden hierüber die digitale Verwaltung ihrer Versicherungspolicen anzubieten. Auch die Sparkasse Koblenz hat das entsprechende Tool inzwischen integriert, genauso wie die Stadtsparkasse Düsseldorf als bislang größter Partner – auch wenn die offenbar von einer Beteiligung abgesehen hat. Daneben gehören Cremer zufolge auch vier Sparda-Banken zu den Kunden, nämlich München, Nürnberg, Augsburg sowie die Sparda West. “Und darüber hinaus haben wir jüngst auch erstmals einen Vertrag mit einer großen Volksbank abgeschlossen”, so Cremer. Um welche es sich handelt, wollte er noch nicht sagen.

Scheren weitere Sparkassen aus der Sektor-Lösung aus?

Zwar ist unklar, ob sich noch weitere Sparkassen dem “FinInvest”-Bündnis anschließen werden. Die Unzufriedenheit mit der sektor-eigenen Lösung indes geht deutlich über die Revoluzzer-Sparkassen aus Koblenz, Duisburg und Wuppertal hinaus. Wie ebenfalls berichtet, hatte die Versicherungskammer Bayern (VKB) den “S-Versicherungsmanager” ja zunächst in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Insurtech Clark entwickelt – während die damalige Provinzial Rheinland zunächst einen konkurrierenden Ansatz gemeinsam mit dem Berliner Milliarden-Fintech Hypoport favorisierte.

Dann jedoch zog sich Clark überraschend zurück, während die Provinzial Rheinland überraschend ihre eigenen Pläne beerdigte, um sich stattdessen der VKB-Lösung anzuschließen. Anstelle von Clark kam ein neuer Technologiepartner hinzu, die Produktanalyse bezieht man inzwischen vom Policen-Bewerter Franke & Bornberg, als weiterer Partner ist der Wiesbadener Bancassurance-Dienstleister JDC mit an Bord. “Angesichts der ständigen Partnerwechsel stellt sich die Frage, ob man beim S-Versicherungsmanager überhaupt von einem kohärenten Produkt sprechen kann – oder ob es sich nicht eher um eine Kombination verschiedener Produkte handelt”, sagt ein Insider.

Freilich: Auch die Verbreitung der Moneymeets-Lösung ist bislang noch überschaubar. Bislang habe man mit den kooperierenden Sparkassen “rund 35.000 Transaktionen durchgeführt”, sagt Geschäftsführer Cremer. Spricht: Rund 35.000 Policen sind entweder abgeschlossen oder per Übertragung des Maklermandats auf der Moneymeets-Plattform gelandet.

Den 2021 insgesamt erwirtschafteten Umsatz (also nicht nur mit den Sparkassen, sondern z.B. auch mit den Sparda-Banken) bezifferte Cremer auf eine “nicht niedrige, aber auch noch nicht ganz mittlere siebenstellige Summe”; die Gewinnschwelle habe man “fast erreicht”. Mit dem frischen Funding will Cremer nun seine zurzeit 31-köpfige Mannschaft ausbauen und weitere Partner vornehmlich aus den beiden Verbünden gewinnen.

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