Bafin geht frontal gegen N26 vor. Was sind die Folgen?

19. August 2021

Von Heinz-Roger Dohms

So, jetzt geht es also ans Eingemachte. Als Reaktion auf die offenkundigen Probleme bei N26, die betrügerische Nutzung von Konten einzudämmen, erwägt die Bafin eine Beschränkung des Neugeschäfts, schreibt das „Handelsblatt“ (Paywall) unter Berufung auf „mit dem Thema vertraute Personen“. Da man mit einiger Plausibilität davon ausgehen darf, dass unter diesen „Personen“ auch solche sind, die in Bonn arbeiten und in mehr oder weniger offizieller Mission mit dem „HB“ gesprochen haben, dürfte das nichts anderes heißen als: Die Bafin verliert (wie vor zwei Jahren schon einmal) die Geduld mit N26 und droht nun folgerichtig mit der aufsichtsrechtlichen Bazooka.

Nochmal Zitat „Handelsblatt“: „Formal erlassen habe die Bafin die Beschränkung zwar noch nicht, sagten mehrere Insider. Es deute jedoch alles darauf hin, dass die Behörde zeitnah einen entsprechenden Bescheid erlassen werde“ …

… Nun wäre es per se zwar kein Drama, wenn N26 für ein paar Monate mal ein paar Neukunden weniger onboarden würde (die drohende Beschränkung soll aufgehoben werden, sobald das Milliarden-Fintech seine Probleme behoben hat). Ein Problem allerdings könnte der größten mitteleuropäischen Challenger-Bank daraus erwachsen, dass sie sich inmitten einer großen Finanzierungsrunde befindet – die schon deswegen wichtig ist, weil N26 im Funding-Wettlauf mit Rivalen wie Revolut nicht den Anschluss verlieren will.

Entsprechend angespannt ist rund um N26 dieser Tage die Stimmung. Einerseits fühlt man sich in Berlin von der Bafin ungerecht behandelt, ist zu hören. Andererseits: Eine offene Konfrontation mit der Aufsicht will natürlich niemand riskieren. So dürfte N26 letzten Endes nur eine Wahl bleiben – nämlich die von der Bafin beanstandeten Probleme (für wie gewichtig oder nichtig man diese auch halten mag) schnellstmöglich in den Griff zu bekommen.

In diesem Kontext ist wohl auch die Pressemeldung zu sehen, die N26 gestern Abend um kurz nach 20 Uhr (und damit gut eine Stunde nach Erscheinen des „HB“-Artikels) herumschickte. Darin heißt es:

„N26 hat seine Führungsebene mit der Ernennung von erfahrenen Governance-, Risiko-, Compliance- und Finanzexperten erweitert und stärkt das Management der mobilen Bank so für die zunehmend komplexen regulatorischen Anforderungen im Bankbereich. Im Rahmen des geplanten Ausbaus der Geschäftsführung der Gruppe hat N26 heute die Ernennung von Thomas Grosse als Chief Risk Officer (CRO) bekannt gegeben. Sie folgt der Berufung von Dr. Jan Kemper als Chief Financial Officer (CFO) der Gruppe und komplettiert die Geschäftsführung auf der neu geschaffenen Holding-Ebene. Zusätzlich hat Dr. Stephan Niermann, Director of Group Compliance and Licensing bei N26, die Rolle als Geldwäschebeauftragter (MLRO) für die Gruppe übernommen“

Auch Gründer Valentin Stalf lässt sich in der Mitteilung zitieren. Und zwar wie folgt:

“Der Ausbau unserer Führungsstrukturen im Bereich Governance, Compliance, Risikomanagement und Geldwäschebekämpfung ist ein wichtiger Schritt auf unserem Wachstumspfad hin zur globalen digitalen Bank. Wir sind uns unserer besonderen Verantwortung als digitaler Pionier bewusst und pflegen deshalb eine offene und konstruktive Beziehung zu den Aufsichtsbehörden. Damit sind wir für die Zukunft gut aufgestellt.”

Und damit’s auch der letzte kapiert, wird im Anschluss an das Stalf-Zitat noch mal betont, auf welche vier Bereiche sich N26 jetzt konzentrieren will (unsere Anmerkungen immer in Klammern in kursiv dahinter):

Das Einvernehmen mit der Bafin, in Berlin jahrelang eher als ein Nice to have betrachtet (siehe z.B. unsere Berichterstattung hier und hier), hat plötzlich allerhöchste Priorität.

N26 hat (so sieht es jedenfalls aus) schon wieder ein Geldwäsche-Problem

Geldwäsche-Probleme: Bafin schickt N26 Sonderbeauftragten ins Haus

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